Laternen am Straßenrand in Gmund
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Diese Peitschenlampen an der Tölzer Straße in Finsterwald hat die Gemeinde bereits 2018 auf LED umrüsten lassen. Foto: Thomas Plettenberg

Zweifel an Sinn der Umstellung

Gmund sucht nach dem richtigen Licht

Bislang setzte die Gemeinde Gmund darauf, alte Straßenlaternen nach und nach auf energiesparendere LED-Leuchtmittel umzurüsten. Nach Zweifeln, ob das auf längere Sicht zukunftstauglich ist, steht nun die Erneuerung zur Debatte, auch mit Blick auf die Lichtverschmutzung.

Gmund – „Energie sparen ist eine der wichtigsten Säulen, um die Energiewende zu schaffen.“ Mit diesem Leitsatz stieg Bürgermeister Alfons Besel (FWG) jetzt im Bau- und Umweltausschuss in ein Thema ein, das die Gemeinde in nächster Zeit noch beschäftigen wird: die Umrüstung der Straßenbeleuchtung auf LED. Schon vor zwei Jahren hatte Gmund damit begonnen, seine insgesamt 630 Lampen entlang der Straßen umrüsten zu lassen. Etwa die Hälfte ist schon geschafft. Für 250 kurze Peitschenlampen hat das E-Werk Tegernsee, das das Gmunder Stromnetz 2017 übernommen hat und seither als Dienstleister zur Seite steht, nun ein Angebot vorgelegt.

Frank Thinnes, Technischer Leiter des E-Werks, kam deshalb in die Sitzung, um über das Machbare aufzuklären. Laut Thinnes gebe es rundum ein „Sammelsurium“ an Lampen und Techniken – etwa das Modell „Amsterdam“ in Rottach-Egern oder „Bavaria“ in Tegernsee. Was die Umrüstung der etwa 40 bis 50 Jahre alten Peitschenlampen betrifft, so sei zu bedenken, dass auch die Kabel dorthin alt seien. Man müsse damit rechnen, dass Ersatzmaterial künftig nicht mehr zur Verfügung stehe. Wegen des Alters und der Menge an Lampen würde er sogenannte Retrofits vorschlagen, also die Nachrüstung moderner Lichttechnik in einer bestehenden Leuchte. „Das wäre ein gesunder Mittelweg“, so Thinnes. Niedrige Investitionskosten von 125 Euro pro Lampe und eine große Energieeinsparung würden dafür sprechen. In zwei bis drei Jahren hätten sich die Kosten amortisiert.

Besel äußerte sich zurückhaltend. Retrofits seien offenbar „nicht das Gelbe vom Ei“ und nur eine Brückentechnologie. Wolle die Gemeinde einen anderen Leuchttyp, eine Dimmfunktion oder einen Ein- und Ausschaltsensor, dann wäre ein neuer Leuchttyp nötig. „Da reden wir dann von einer ganz anderen Investitionssumme“, sagte Thinnes, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Die jetzige Technik sei nicht geeignet, um verschiedene Schaltszenarien abzubilden. Thinnes gab auch zu bedenken: Die aktuelle Beleuchtung sei situationsgerecht installiert. „Würde die Gemeinde die gültigen DIN-Normen zur Beleuchtung erfüllen, dann wäre es deutlich heller als jetzt.“

Für Michael Huber (Grüne) sind selbst umgerüstete Peitschenlampen immer noch zu hell: „Die Milchstraße kann man da nicht mehr sehen“, berichtete er aus eigener Erfahrung. Er bezog sich auch auf eine Studie, wonach der Nachthimmel zwischen 2012 und 2016 um 35 Prozent heller geworden sei. „Das ist ein echtes Problem, auch im Hinblick auf die Tierwelt.“ Die Erfüllung der DIN-Vorschriften halte er für „einen Wahnsinn“. Huber fand, dass öffentliche Beleuchtung lediglich ein Sicherheitsgefühl erzeugen und auf Gefahrenpunkte hinweisen müsse. Für ihn sei wichtig, die Lampen auch abdunkeln zu können. Statt weiterem Umrüsten gebe es für ihn nur eine Lösung: die Erstellung eines Anforderungsprofils, um festzustellen, wo Gmund welche Lampe braucht. „Das ist schon machbar“, meinte Thinnes, „aber auch eine Frage des Preises.“

Besel sprach generell von einem „Spagat“ zwischen Ästhetik und anderen Aspekten. Er fragte in die Runde, ob Gmund auf die Schnelle weiter umrüsten solle, oder ob es nicht sinnvoller sei, sich auf neue Typen zu konzentrieren und sich für die Zukunft zu rüsten. Er schlug vor, die Idee von Gemeinderat Huber aufzugreifen und das Thema in Ruhe anzugehen. Da war nicht nur Barbara von Miller (SPD) dafür. Franz von Preysing (CSU) wünschte sich zudem Bilder von entsprechenden Lampen, um einen Überblick zu bekommen.

Am Ende wurde festgelegt: Anstelle einer weiteren Umrüstung, wie vom E-Werk angeboten, will die Gemeinde zunächst ein Anforderungsprofil erstellen lassen.

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