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Noch ist er keine Schönheit, der neu gestaltete Kreisel in Seeglas. Wenn die Blumen erstmal blühen, sollen sie viele Bienen anlocken.

Ungewöhnliche Gestaltung in Seeglas

Imker: Bienen-Kreisel ist keine Lachnummer!

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Gmund - Mit der Umgestaltung des Kreisverkehrs in Seeglas in einen Bienenweide erntete die Gemeinde Gmund auch Spott. Doch Imker sagen: Das kleine Grünland ist keine Lachnummer!

Es hat eine Zeit gedauert: Im Herbst 2013 wurde der Kreisel in Seeglas offiziell eingeweiht. Seitdem brütete die Gemeinde über der Gestaltung, rief sogar zu einem Ideenwettbewerb auf. Im April fiel dann die Entscheidung: Der Kreisel soll weder zum Standort für ein Kunstwerk noch zur pflegeintensiven Blumen-Rabatte werden. Er soll sich zur Bienenweide entwickeln, mit der die Gemeinde zugleich ihren Beitrag zur Öko-Modellregion leisten will.

Inzwischen sind Fakten geschaffen: In einem Ring mit zwei Metern Abstand zum Kreisel-Randstein wurden Granitsteine platziert. Innerhalb dieses Rings wurde die Erde durch einen mageren Humus ersetzt. Spezielle Pflanzen sind gesetzt, die den ganzen Sommer über blühen und zeitlich versetzt die Bienen anlocken sollen.

„Wir haben uns von der Hochschule für Gartenbau in Weihenstephan beraten lassen und von dort auch die Pflanzen bezogen“, berichtete Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) im Gemeinderat. Er nutzte die Sitzung dafür, öffentlich Stellung zu der Aktion zu beziehen. „Es handelt sich um einen Test“, betonte der Rathauschef. „Wir wollen sehen, ob die Bürger diese Art von Bepflanzung akzeptieren.“

Preysing hatte schon im Vorwort des aktuellen Gemeindeboten um Verständnis für ein neues, ungewohntes Bild geworben. Denn bisher wurden Grünflächen an den Straßen und vor öffentlichen Gebäuden stets mit wechselnden Sommerblumen bestückt. „Eine Blumenwiese wie diese muss sich entwickeln. Es kann sogar vorkommen, dass zwischenzeitlich ganz wenig blüht und die Fläche etwas trostlos ausschaut.“ Allerdings seien solche Bienenweiden wesentlich ökologischer und naturnäher. „Wir probieren’s aus. Wenn’s den Leuten gefällt, können wir auch andere Flächen so bepflanzen“, kündigte Preysing an. Er freue sich jedenfalls über jede Reaktion.

Eine erste kam von Grünen-Rätin Laura Wagner, die wissen wollte, warum die Steine mitten in der Wiese sein mussten. Sie dienen, so die Antwort, zum einen als Schutz für Autofahrer, die sich verbremsen, zum anderen, um Unkrautwuchs einzudämmen.

Mehrere Zuschriften sind bereits ins Rathaus geflattert. Eine davon stammt von Georg Biechl, dem Vorsitzenden des Bezirksimkereivereins Tegernseer Tal. Er begrüßt die Bienenweide ausdrücklich. Hohn und Spott kann er nicht nachvollziehen. Bad Wiessees Bürgermeister Peter Höß etwa hatte die Bienenweide in der öffentlichen Gemeinderatssitzung als „unsinnig an dieser Stelle“ kritisiert. Immerhin kurven täglich rund 15.000 Autos um den Kreisel. Die Tiere würden überfahren, befürchten andere Kritiker.

„Es ist total unwahrscheinlich und mir noch nie passiert, dass Bienen an der Windschutzscheibe landen“, sagt Biechl. Eine eventuelle Schadstoff-Belastung im Honig, nur von Kreisel-Pollen verursacht, könne man zum einen nicht messen, zum anderen würden Bienen ihren Pollen nicht nur hier, sondern bei ganz vielen Pflanzen ringsum holen. „Jedes zusätzliche Angebot ist wichtig, auch wenn es noch so klein ist.“ Kurzum: Ein Kreisel als Bienenweide sei keinesfalls lächerlich.

Das findet auch Georg Kellner, Vorsitzender des Kreisverbandes Miesbach/Bad Tölz im Landesverband der Bayerischen Imker: „Wir bitten gerade jeden, sein Scherflein beizutragen, damit Blühwiesen geschaffen werden.“ Lenggries sei dem Aufruf schon gefolgt, auch Münsing am Starnberger See zeige sich engagiert. Daher sei es gut, so Kellner, dass es auch mit Gmund einen Nachahmer gebe.

Der Aufwand, den die Gemeinde betreibt, ist beträchtlich: Gut 10.000 Euro wurden bisher dafür ausgegeben, dass es auf dem Kreisel in Seeglas in Zukunft brummt und summt.

gr

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