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Ein Schwimmer genießt die Sonne auf dem Floß in Seeglas. Dieses Bild vom Frühsommer 2019 gehört endgültig der Vergangenheit an – es sei denn, es finden sich sechs Teilzeit-Bademeister zur Aufsicht. 

Gemeinderat trifft Entscheidung

Gmund verzichtet weiter aufs Badefloß, es sei denn...

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Vermutlich wieder ein Sommer ohne Badefloß in Seeglas. Bademeister könnten es retten.

Gmund – Die Enttäuschung war groß, als die Gemeinde Gmund mitten im Badesommer 2019 das hölzerneFloß bei Seeglas aus dem Wasser holte – wegen möglicher straf- und zivilrechtlicher Folgen für den Bürgermeister nach einem Unfall. Vielerorts wurden damals Badeinseln und Sprungtürme in Folge eines Urteils des Bundesgerichtshofs abgebaut. Damals hieß es, die Gemeinde solle das Floß vom TÜV begutachten lassen und geeignete Aufsichtspersonen suchen.

Auch wenn derzeit noch völlig ungewiss ist, ob der Badesommer 2020 an beliebten und dicht bevölkerten Plätzen wie Seeglas wegen der Corona-Krise vielleicht ins Wasser fällt, so befasste sich der Gemeinderat zuletzt doch vorsorglich mit dem weiteren Vorgehen in Sachen Badefloß. „Ich habe viel Zeit investiert“, erklärte Geschäftsleiter Florian Ruml, ehe er ausholte und Details seiner Recherche darlegte. Sein Resümee lautete: „Es gibt leider keine Erkenntnisse, dass man das Badefloß ohne Badeaufsicht verwenden kann.“ Von dieser Aufsichtspflicht würde unter anderem die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen (DGfdB) ausgehen, die das Maß aller Dinge sei und Richtlinien herausgebe. Er habe sich zudem telefonisch bei der DGfdB erkundigt – immer mit dem gleichen Ergebnis. Auch habe er bei der Gemeinde Rottach-Egern angefragt, die ebenfalls Erfahrungen mit einem Badefloß hatte.

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Ruml machte zudem eine Rechnung auf: Zwischen 1. Juni und 31. August wären sechs 450-Euro-Kräfte nötig, um die Überwachungszeiten zwischen 10 und 18 Uhr abzudecken. Die Lohnkosten würden bei 6920 Euro pro Jahr liegen, dazu käme noch, dass ein Boot zum Ausbringen und Einholen des Flosses nötig wäre. Doch woher diese Aufsichtskräfte nehmen? Ruml sprach von einem großen Fachkräftemangel in diesem Bereich. Er habe zudem bei der DGfdB um eine schriftliche Einschätzung der Lage gebeten, woraufhin der Gemeinde angeboten worden sei, für knapp 8000 Euro ein Gutachten einzuholen. „Meine Empfehlung wäre daher, schweren Herzens auf das Badefloß zu verzichten“, fasste Ruml seine Ausführungen zusammen.

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Bürgermeister Alfons Besel (FWG) machte ebenso wenig Hoffnung: Man habe die Situation „pro Badefloß“ geprüft, aber die Rechtssituation habe sich verschärft. „Aus unserer Sicht ist der Einsatz wirtschaftlich nicht darstellbar. Außerdem werden wir wohl das nötige Aufsichtspersonal nicht zusammen bringen.“

Franz von Preysing (CSU) fände es „ganz ganz schade“, wenn das Floß nicht mehr zur Verfügung stehe. Er war dafür, dass sich die Gemeinde dennoch auf die Suche nach Aufsichtspersonen machen solle. Die Ausschreibung dieser Stelle würde nach Ansicht von Vize-Bürgermeister Georg Rabl (FWG) jedoch falsche Hoffnungen wecken. „Der ehrliche Weg wäre, auf das Floß zu verzichten.“

Christine Zierer (FWG) wollte die Hoffnung nicht ganz aufgeben. Sie setze Hoffnung darauf, dass nach Bekanntwerden der Situation sich vielleicht doch genügend geeignete Personen finden. Fraktionskollege Josef Stecher (FWG) bedankte sich für die Recherchen zu dem Thema und meinte: „Es liegt also nicht an uns, sondern am Verwaltungsapparat und der gesellschaftlichen Entwicklung.“ Er schlug vor, sich dennoch Gedanken um Alternativen, etwa aufblasbare Varianten, zu machen.

Am Ende wurde mit einer Gegenstimme beschlossen, auf das Floß zu verzichten. Sollten sich wider Erwarten sechs Teilzeit-Bademeister finden, will die Gemeinde die Entscheidung noch einmal überdenken.

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