+
Im Jagerhaus bekommen die Kuhglocken von Max Obermayer einen Ehrenplatz. Johann Huber hat sie für das Heimatmuseum zur Freude von Priska Büttel erwerben können. 

Erwerb für Gmunder Heimatmuseum

Wie das Fleckvieh ins Oberland kam: Vier Kuhglocken erinnern an legendären Viehtrieb

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
    schließen

Vier schwere Kuhglocken hatte der Gmunder Max Obermayer 1837 in der Schweiz gekauft, für einen legendären Viehtrieb. Jetzt kommen die Glocken ins Museum. Sie aufzustöbern, war nicht leicht.

Gmund – Was Max Obermayer 1837 mit knapp 17 Jahren wagte, ist legendär: Er trieb Simmentaler Rinder über 400 Kilometer zu Fuß heim nach Gmund und wurde zum Begründer der Fleckviehzucht in Bayern. In der Schweiz kaufte er schwere Glocken für sein Vieh. Sie bekommen jetzt ihren Platz im Jagerhaus.

Max Obermayer legte den Grundstein für die Fleckviehzucht im Oberland

Leben und Leistung von Max Obermayer beschäftigen Priska Büttel von den Heimatfreunden Gmund schon lange. Doch bislang kündeten nur wenige Exponate im Heimatmuseum im Jagerhaus vom Wirken des Wirts und Viehzüchters. Dabei hat Obermayer (1821-1898) tiefe Spuren hinterlassen: Er legte den Grundstein für die Zucht des Miesbacher Fleckviehs.

In Obermayers Jugend grasten auf den Weiden kleine braune Kühe, die wenig Milch brachten und kaum zehn Zentner wogen. Die Simmentaler aus der Schweiz waren ein ganz anderes Kaliber. Sie gaben doppelt so viel Milch wie der heimische Miesbacher Landschlag, waren viel größer und doppelt so schwer. Diese Prachttiere wollte der junge Max nach Hause holen, um sie in die heimische Rasse einzukreuzen. Er gewann den 42-jährigen Johann Fischbacher, seinen späteren Schwiegervater, für die Idee, ins Simmental zu reisen, um Tiere für die Zucht zu erwerben.

Langer Marsch vom Simmental nach Gmund

In Erlenbach erstanden die beiden zwölf schwere Kühe, zwei Ochsen, drei trächtige Kalbinnen und einen Zuchtstier. Zu Fuß ging es zurück nach Gmund. Der Viehtrieb dauerte einen Monat. „Was das für eine Leistung war, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“, meint der langjährige Ortsbauer Johann Huber. Schließlich waren die Routen damals kaum bekannt, gute Karten rar. Auf dem langen Weg das Vieh beisammenzuhalten und heil in die Heimat zu bringen, war eine Meisterleistung.

Über 50 Mal  reiste Obermayer in die  Schweiz 

Obermayer hat sich nicht nur ein Mal auf den Weg in die Schweiz gemacht, sondern im Lauf seines Lebens über 50 Mal. So wurde er zu einem bedeutenden Viehzüchter, der mit Beharrlichkeit und Weitsicht eine neue Rasse formte. Einen großen Namen hatte Obermayer aber auch als Wirt: Er führte den Gasthof Herzog Maximilian von Bayern in Gmund, der Treffpunkt von Bauern und Züchtern war, aber auch königliche Hoheiten zu seinen Gästen zählte.

Dem Andenken Obermayers im Jagerhaus mehr Raum zu geben, ist Priska Büttel schon lange ein Anliegen. Immer wieder versuchte sie, Originalstücke aus dem Nachlass Obermayers zu bekommen. Sie bat Johann Huber um Unterstützung. Schließlich hat der Bauer vom Berger-Hof die passenden Kontakte – und auch das richtige Gespür. Huber nahm Kontakt zu einer Ururenkelin Obermayers auf, die in Bernloh lebt. Er traf den richtigen Ton und kam wohl auch zum richtigen Zeitpunkt.

Erfolgreiche Verhandlungen mit der Ururenkelin Obermayers 

Die Nachfahrin Obermayers – die vierte Generation in direkter Linie – zeigte ihrem Gast den Schatz, den sie in ihrem Haus verwahrte: vier Kuhglocken, die Max Obermayer bei seiner ersten Reise in die Schweiz 1837 für den Viehtrieb zurück nach Gmund kaufte. Es sind fein gearbeitete Glocken mit wunderschönem Klang. Am Ende war die Frau bereit, sich von den Erinnerungsstücken zu trennen, damit sie das Museum bereichern. „Es waren sehr harmonische Gespräche“, berichtet Huber.

Die Finanzierung – 2000 Euro kosteten die Glocken – übernahmen die Gemeinde Gmund und die Viehzuchtgenossenschaft Tegernseer Tal zu gleichen Teilen. Bürgermeister Alfons Besel sprach von einem großen Glücksfall für die Gemeinde und dankte allen Beteiligten für ihr Engagement.

Als Zugabe zu den Glocken überließ die Erbin Obermayers dem Heimatmuseum noch einige Fotos und einen Weihbrunnenkessel. Huber ist sehr glücklich über das Ergebnis der Verhandlungen: „Das sind einmalige Stücke.“

Glocken sind ab Mai im Museum zu sehen

Im Gmunder Jagerhaus sollen die geschichtsträchtigen Glocken einen Ehrenplatz bekommen. Sie bilden künftig das Herzstück der Ausstellung zu Max Obermayer. Die Gestaltung wird Büttel und ihr Team noch eine Weile beschäftigen. Voraussichtlich ab Mai werden die prächtigen Glocken im Museum zu sehen sein.

Büttel will die Dokumentation rund um das Thema Viehzucht auch in Zukunft noch ausbauen. Dafür bittet sie weiter um Unterstützung der örtlichen Bauernschaft. Erinnerungsstücke wie zum Beispiel Fotos bedeutender Zuchtstiere könnten die Präsentation ergänzen, wie Büttel erklärt: „Die Ausstellung ist ja nie fertig, sondern soll lebendig bleiben.“

Lesen Sie auch: Erste Bundesfleckviehschau in der Miesbacher Oberlandhalle 

Alle Nachrichten aus der Region 

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare