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Soll abgerissen werden: Die Seeturnhalle in Gmund. 

Nichtöffentliche Diskussion um Flüchtlingsunterkunft

Geheimer Plan: Gmund will Seeturnhalle abreißen

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Gmund - Hinter verschlossenen Türen diskutierte der Gemeinderat über den Abriss der Seeturnhalle. Dort wohnen aber immer noch Flüchtlinge. Der Helferkreis ist empört.

Am Dienstagabend stand das Thema auf der Tagesordnung des Gemeinderats – allerdings im nichtöffentlichen Teil. SPD-Gemeinderat Johann Schmid forderte, dass öffentlich diskutiert wird und stellte einen entsprechenden Antrag. Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) ließ kurz den Sitzungssaal räumen und teilte dann das Ergebnis der geheimen Abstimmung über den Antrag mit: Die Mehrheit von 15:6 war auch weiterhin der Meinung, dass das Thema Seeturnhalle und Flüchtlinge hinter verschlossenen Türen diskutiert werden sollte. Die anwesenden Mitglieder des Helferkreises waren sichtlich enttäuscht. Aus Respekt vor ihrem Engagement, so hatte schon Schmid argumentiert, wäre eine öffentliche Debatte wünschenswert gewesen. 

Und so bleibt auch am Tag danach nur Raum für Spekulationen. Hajo Fritz, Organisator und Sprecher des Helferkreises, sagt ganz klar, was er davon hält: „Die Gemeinde kann die Halle gerne abreißen, aber nicht jetzt“, protestiert Fritz. „Erst muss geklärt sein, was mit den Flüchtlingen wird, die noch in der Wohnung über der Halle leben.“

Es handle sich um insgesamt neun Männer – einen Nigerianer und acht Eritreer. Sechs Männer seien bereits als Asylanten anerkannt, bei dreien laufe das Verfahren noch, weiß der Helferkreis-Sprecher. Dass ein Teil der Männer, für die keine Unterbringung in Gmunder Wohnungen möglich ist, in die Traglufthallen Rottach-Egern oder Holzkirchen verlegt werden soll, ist für den Helferkreis keine Option. „Die Leute in die Traglufthalle zu stecken, ist keine Lösung“, sagt Fritz. „Damit würden alle Bemühungen zur Integration der Männer zunichte gemacht.“ Vor allem die Eritreer, sagt Fritz, seien „enorm willig“. Sie würden an den Integrationskursen teilnehmen und regelmäßig mit den Gmunder Helfern Deutsch büffeln. Einige hätten bereits Arbeit. „Wenn sie in Rottach-Egern oder Holzkirchen unterkommen, wird alles schwieriger“, so Fritz. 

Er und seine Helfer haben die Gemeinde bereits ganz deutlich wissen lassen: „Wenn die Gemeinde hart bleibt und die Männer in die Traglufthallen verlegt, dann kündigen wir unsere Arbeit auf.“ Das heißt: Sämtliche Helfer, die seit dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge im März 2015 in Gmund dazu beigetragen haben, dass die Situation für alle erträglicher wird, würden das Handtuch werfen. Hajo Fritz ist ebenso der Meinung, dass das Thema „aus Respekt vor dem Helferkreis“ öffentlich diskutiert werden müsste. Die Mehrheit des Gemeinderats ist da anderer Meinung und zog am Dienstagabend eine geheime Debatte vor. 

Inzwischen wird heftig spekuliert: Will sich die Gemeinde mit einem möglichst schnellen Abriss der alten Seeturnhalle geschickt aus der Affäre ziehen, was die Unterbringung weiterer Flüchtlinge betrifft? Der Helferkreis will dazu nichts sagen. 

Wie geht’s nun weiter in Gmund? Die Gemeinde baut bekanntlich mit Volldampf ihre beiden Mehrfamilienhäuser an der Hirschbergstraße und lässt sich auch von einem gerichtlichen Normenkontrollverfahren einiger Anwohner nicht aus der Ruhe bringen. In den Häusern sollen auch einige anerkannte Flüchtlinge unterkommen. Das Thema Flüchtlinge im Landkreis war am gestrigen Mittwoch Thema im Kreistag. 

Die Gemeinderäte halten sich an ihre Schweigepflicht: Ergebnisse aus der nicht öffentlichen Sitzung waren nicht zu erfahren.

gr

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