Stellplatz-Frage wird zu Grundsatzdiskussion

Sind Wohnmobil-Touristen in Gmund willkommen?

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Gmund - Wohnmobil-Stellplätze sind Mangelware am Tegernsee. Die Gemeinde Gmund duldet die Camper bisher auf ihrem Volksfestplatz. Aber soll der Platz ein offizieller Wohnmobil-Stellplatz werden?

Es hat sich in der Wohnmobil-Szene herumgesprochen, dass das nächtliche Parken am Volksfestplatz von der Gemeinde Gmund geduldet ist – mitten im Ort und ganz nahe am See. Weiterer Pluspunkt: Eine geräumige öffentliche Toilette steht hier zur Verfügung. Soll der Camper-Parkplatz nun legalisiert und ganz offiziell eingerichtet werden?

Diese Frage hatte sich der örtliche Tourismus- und Kulturausschuss gestellt und jetzt an den Gemeinderat weitergegeben. Dieser diskutierte bei seiner Sitzung recht kontrovers. Bei einigen Anwohnern rund um den Platz stößt die Idee auf heftige Kritik. Sie haben bei der Gemeinde inzwischen schriftlich Protest eingelegt und klar gemacht, dass sie bereits einiges ertragen müssen: das jährliche Volksfest, regelmäßige Flohmärkte, das Oldtimerfestival und andere Festivitäten. Auch die Asylunterkunft befindet sich in ihrer Mitte. Der Campingplatz würde ihrer Meinung nach für zusätzlichen Lärm sorgen.

Geeigneter Ort für Wohnmobile? Auf dem Volksfestplatz in Gmund würde bereits eine geräumige öffentliche Toilette zur Verfügung stehen.

„Wir müssen eine grundsätzliche Entscheidung treffen, ob wir die Wohnmobile ganz offiziell hier wollen“, sagte Bürgermeister Georg von Preysing (CSU). Er stellte als Alternative einen Standort am Freizeitgelände am Oedberg zur Diskussion. Martina Ettstaller (CSU) hielt nichts vom Volksfestplatz: „Das ist nicht zumutbar für die Anwohner“, fand sie. Wenn schon ein Platz, dann sei der Oedberg geeigneter. „Hier gibt es eine Wirtschaft und einen Kinderspielplatz.“

Vize-Bürgermeister Georg Rabl (FWG) war anderer Ansicht. Wohnmobil-Urlaub liege im Trend, die Camper seien heute nicht mehr mit „Zigeunern von früher“ zu vergleichen, und die Nutzer müssten genauso Fremdenverkehrsabgabe zahlen wie alle anderen Gäste. „Wir sind hier eine Urlaubsdestination. Der Stellplatz wäre doch eine Bereicherung für unser Tourismus-Angebot“, warb Rabl. Er sah im Übrigen keinen großen Unterschied zur jetzigen Situation. Fraktions-Kollege Otmar Strassmüller pflichtete ihm bei: „Der Platz ist interessant, weil er mitten im Ort liegt und vernünftig, weil er die Gäste an die richtige Stelle bringt.“ Allerdings sollte man die Zahl der Stellplätze auf zehn beschränken.

Ganz anderer Ansicht war Dritter Bürgermeister Herbert Kozemko (CSU). Der Platz sei schon mehr als überlastet und „der ungeeignetste für Wohnmobile überhaupt“ in Gmund. Für Michael Huber (SPD) waren noch rechtliche Fragen offen: Kann man den Platz, der ohnehin als Parkplatz dient, überhaupt für Wohnmobile sperren? Reicht es, Schilder aufzustellen? Tatsächlich, so erklärt Gemeinde-Geschäftsführer Florian Ruml auf Nachfrage, sei die Fläche bisher lediglich eine öffentliche Verkehrsfläche und kein offizieller Parkplatz. „Pkw, Lkw, Busse, Wohnanhänger – jeder kann da also parken“, erklärt Ruml. Auch Preysing gab seine Meinung kund und gestand: „Ich tendiere dazu, den Platz nicht zu genehmigen.“ Einerseits sei es möglich, die nötige Infrastruktur für Wohnmobile einzurichten, andererseits habe er Verständnis für die Sorgen der Anwohner. „Wenn ich jetzt dafür bin, dann wird’s schwierig, wenn ich deren Zustimmung für andere Vorhaben wie das Volksfest brauch’“, sagte Preysing.

Volksfestplatz oder Oedberg – die Entscheidung wurde am Ende einstimmig vertagt. Die Verwaltung soll zunächst rechtliche Aspekte klären. Bei einer der nächsten Sitzungen wird das Thema erneut diskutiert.

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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