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Im Pavillon stellen Wandteppiche die Geschichte des Flüchtlingscamps dar. Schreiner Daniel Raßhofer hat den Pavillon nach dem Entwurf von Architekt Manuel Herz gebaut.

Biennale in Venedig

Gmunder baut Pavillon für Westsahara

Gmund - Für die Architektur-Biennale in Venedig hat die Schreinerei Raßhofer aus Festenbach einen Pavillon gebaut. Aber nicht für Bayern, sondern: für das Land Westsahara.

Der Entwurf für den Pavillon stammt aus der Feder des Architekten Manuel Herz, der sich bereits seit Längerem mit der Situation der Flüchtlinge aus der Westsahara beschäftigt. Als Partner wählte er den Schreiner Daniel Raßhofer (38) aus Festenbach. Nicht zum ersten Mal. Schon bei früheren Projekten hatte Raßhofer die Entwürfe des Architekten Realität werden lassen. 

Rund 30 Länder stellen auf der Biennale aus

Zu bewundern ist der Pavillon seit dem 28. Mai, der Eröffnung der Architektur-Biennale in Venedig. Das gesamte Areal ist in zwei Teilbereiche gegliedert: „Arsenale“, in dem einzelne Architekten ihre Projekte ausstellen und „Giardini“, in dem rund 30 Länder eigene, feste Gebäude besitzen, die sie mit Inhalten bespielen. 

"Herr Herz hat uns kurz vor knapp gefragt, ob wir Interesse hätten, mit ihm diesen Pavillon zu bauen."

Die Konstruktion stellt einen Flüchtlingspavillon aus der Westsahara dar. Die Bauteile stammen aus Festenbach.

„Im Giardini hat der Architekt Manuel Herz die Möglichkeit erhalten, einen neuen, temporären Pavillon zu errichten“, sagt Katharina Raßhofer (32), Ehefrau des Schreiners. Man kenne sich von gemeinsamen Projekten wie beispielsweise einer Synagoge in Mainz. Dort habe die Schreinerei Raßhofer die Bänke gefertigt. „Im Januar oder Februar, jedenfalls kurz vor knapp, hat uns Herr Herz gefragt, ob wir Interesse hätten, mit ihm diesen Pavillon zu bauen.“ 

Raßhofer und Co. zogen den Pavillon in Rekordzeit hoch

Wenig später befanden sich sämtliche Bauteile via Spedition auf dem Weg in die Lagunenstadt. Vor Ort zogen Raßhofer, einer seiner Mitarbeiter sowie zwei Mitarbeiter des Architekturbüros Herz den Pavillon in Rekordzeit hoch. Der Direktor der Biennale sei erstaunt gewesen, erzählt Katharina Raßhofer. „Er leitet derzeit seine 15. Biennale, so schnell hat er aber wohl noch nie jemanden arbeiten sehen.“ Binnen sieben Tagen stand die Konstruktion. 

Der Pavillon soll einen Flüchtlingspavillon aus Westsahara darstellen

Der Pavillon soll einen Flüchtlingspavillon aus Westsahara darstellen. Das Land ist von Marokko besetzt, seine ursprüngliche Bevölkerung lebt inzwischen seit rund 40 Jahren in Flüchtlingslagern im Südwesten Algeriens. Damit ist auf der Biennale erstmalig eine Exilnation vetreten. „Der Pavillon ist in Leichtbauart gefertigt und soll Zeltcharakter haben. Das Gerüst ist komplett aus Holz“, erklärt Katharina Raßhofer. Das Dach des sieben mal acht Meter großen Gebäudes tragen zwei runde, etwa sechs Meter hohe Säulen in der Mitte. Das Gebäude ist komplett mit Jute bespannt. Silberfarbe auf der Jute sorgt dafür, dass es aussieht, als wäre das Zelt von Wind und Sand bearbeitet worden. Wellen in der Jute-Verkleidung suggerieren Windböen. Dies zu schaffen, stellte ein besonderes Problem dar. „Das war schon eine Herausforderung“, erinnert sich Konstrukteur Daniel Raßhofer. „Es hat aber doch alles geklappt, wir haben es ja zu Hause schon ausprobiert.“ 

„Das ist schon eine große Ehre, wenn man an dieser Stelle aufbauen darf.“

Im Inneren des Pavillons ist die Geschichte der Flüchtlinge aus Westsahara dargestellt. „Die Flüchtlinge haben Wandteppiche geknüpft, auf denen die Geschichte, die Entwicklung des öffentlichen und politischen Lebens in den Lagern und die Architektur dargestellt sind“, erklärt Raßhofer. Stolz ist er vor allem auf den Standort des Pavillons neben dem italienischen Hauptpavillon. Das sei ein besonderer Ort. „Das ist schon eine große Ehre, wenn man an dieser Stelle aufbauen darf.“ 

„Das ist schon eine große Ehre, wenn man an dieser Stelle aufbauen darf.“

Bis zum 27. November sind die Austellungsstücke der Architektur-Biennale exponiert, dann muss der Pavillon abgebaut werden. Was im Anschluss damit passiert, weiß Daniel Raßhofer nicht. „Er gehört Herrn Herz. Er hat aber noch keine Vorstellung was damit geschehen soll."

Bastian Huber

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