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Friedl Wandinger protestiert gegen das Wohnhaus der Gemeinde. 

Gmunder Baupläne an der Hirschbergstraße

Protest gegen Flüchtlings-Häuser 

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Gmund - Mindert ein Wohnhaus, in dem anerkannte Flüchtlinge und Sozialschwache leben den Wert umliegender Häuser? Das befürchtete ein Gmunder.

Friedl Wandinger, 79, hat schon einige Veränderungen erlebt. 1937 hatte sein Vater das Haus an der Tegernseer Straße 17 gebaut, später kam ein weiteres kleines Haus dazu. Dann baute die Gemeinde schräg gegenüber ihren Bauhof und das Feuerwehrhaus. Er sei einiges gewöhnt, sagt der Rentner, denn gleich nebenan herrscht in der Niederlassung der Auto-Vertriebs GmbH (AVG) reger Betrieb. Doch was jetzt kommen soll, ist für Wandinger eindeutig zu viel. Zwei Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 14 Wohnungen plant die Gemeinde einige Meter entfernt an der Hirschbergstraße hinter dem Bauhof. Anerkannte Flüchtlinge und sozial schwache Einzelpersonen und Familien sollen dort einziehen, in welchem Verhältnis, ist noch offen.

Wandinger fürchtet um sein Anwesen: „Wenn nun die lieben Schwarzen, vielleicht 30 bis 40 Leute, direkt vor meinem Haus flanieren oder mit ihren Autos vorbeifahren, dann ist mein Anwesen nur noch die Hälfte wert.“ Bürgermeister Georg von Preysing solle sich Gedanken machen, wie er die Anwohner entschädigen wolle. 

Während Wandinger kein Blatt vor den Mund nimmt, äußern andere Anwohner ihre Kritik nur hinter vorgehaltener Hand und ohne ihren Namen zu nennen: Die Gemeinde wolle das Haus im Ruck-Zuck-Verfahren durchziehen, die Dimension sei viel zu groß, sagen sie. Zudem sei unverständlich, warum nicht erst Angebote wie etwa die zum Umbau einer Villa an der Mühlthalstraße in Dürnbach zur Asylunterkunft angenommen würden, ehe man so ein großes Haus plane. Was einige aber am meisten ärgert, ist die Tatsache, dass sie aus der Zeitung von dem Hausbau in ihrer Nachbarschaft erfahren hätten. Ob sich die Kritiker in ihrem Protest zusammenschließen, ist noch offen.

 „Ja , es ist richtig, dass wir noch nicht mit den Anwohnern in Kontakt getreten sind“, reagiert der Gmunder Geschäftsleiter Florian Ruml auf den Vorwurf. Aber: Es sei wichtig gewesen, zunächst einen Beschluss des Gemeinderats zu dem Projekt herbeizuführen und auch das Bebauungsplanverfahren einzuleiten. „Die Bürger werden wir noch informieren“, versichert Ruml.

Dennoch wird der Haubau zügig vorangetrieben. Bei der Regierung von Oberbayern ist bereits ein Zuschussantrag aus dem Kommunalen Förderprogramm zur Schaffung von Mietwohnungen gestellt. 30 Prozent Fördergelder könnten fließen, zudem gibt’s für 60 Prozent der Kosten ein günstiges Darlehen. Eine gute Aussicht, angesichts von veranschlagten Kosten von 3,4 Millionen Euro. Die Teilsumme von 600 000 Euro ist im Haushalt 2016 der Gemeinde schon eingeplant. Bereits im Juli soll der Bau beginnen.

Nicht alle stehen dem Vorhaben kritisch gegenüber. Ein Nachbar, der schon seit mehreren Jahrzehnten an der Hirschbergstraße lebt, aber ebenfalls nicht namentlich genannt werden will, akzeptiert den Bau: „Es hilft nichts, irgendwo muss die Gemeinde die Leute ja unterbringen.“ Was da auf Gmund zukomme, sei sicherlich ungewohnt, „aber damit müssen wir leben."

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