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Vor Gericht: Ein Gmunder (56) soll sich die Luxus-Oldtimer eines Bekannten unter den Nagel gerissen haben.

Erzielter Preis: 743.000 Euro

Gmunder versteigert Luxus-Oldtimer von Bekanntem

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Gmund – Er soll zwei Luxus-Oldtimer eines Bekannten ohne dessen Zustimmung versteigert haben. Preis: 743.000 Euro. Nun steht ein 56-Jähriger aus Gmund vor dem Landgericht München II.

Aktualisierung, 16.27 Uhr: Soeben endete die Verhandlung mit einem Urteil. Das Landgericht München II hat den Gmunder wegen veruntreuender Unterschlagung in zwei Fällen zu vier Jahren Haft verurteilt – in die Strafe wurde auch ein älteres Vergehen einbezogen.

Ursprünglicher Artikel:

Edgar B. umgab sich schon immer gerne mit schnellen, schönen und teuren Autos. Jahrzehntelang entwickelte und reparierte er Motoren für den Motorsport am Nürburgring. Doch die Begegnung mit einem Unternehmer, der einen Rennmotor in seinem VW-Bus wollte, endete nicht gut. Dieser ließ in der Werkstatt des 56-Jährigen am Nürburgring einen Rolls Royce und einen Bentley unterstellen. Edgar B. soll die beiden Luxus-Autos schließlich für zusammen 743 000 Euro versteigert und das Geld eingeschoben haben. Deshalb sitzt er seit bald einem Jahr in Untersuchungshaft. Gestern begann sein Prozess wegen veruntreuender Unterschlagung in zwei Fällen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Unternehmer, der im Ausland wohnt, Edgar B. im Jahr 2012 einen Rolls Royce Phantom I „Springfield“ Open Tourer von 1928 und einen Bentley Speed Six Tourer von 1929 überließ – mit dem Auftrag, gegen eine Provision von zehn Prozent Käufer zu finden. 

Auch die Fahrzeugpapiere wurden ihm dafür ausgehändigt. Damit meldete B. im November 2012 den Bentley ohne Wissen des Eigentümers bei der Kfz-Zulassungsstelle in Miesbach auf seinen eigenen Namen an. Zu dieser Zeit hatte der 56-jährige Kfz-Techniker seinen Wohnsitz nämlich in Gmund am Tegernsee.

Als falscher Eigentümer soll er anschließend mit Hilfe des Bentleys einen Kredit ergaunert haben. Am 7. Februar ließ er ihn schließlich bei einem Pariser Auktionshaus für 644 463 Euro versteigern. Auch der Rolls Royce kam noch für rund 98 000 Euro unter den Hammer.

Von seiner Verteidigerin Annette von Stetten ließ Edgar B. eine Erklärung verlesen. Darin heißt es, dass der Eigentümer der Autos von der Auktion gewusst habe. Allerdings habe es Probleme wegen der unterschiedlichen Preisvorstellungen gegeben. Der Unternehmer habe „irrsinnig hohe Preisvorstellungen“ für die Oldtimer gehabt. Die Limitpreise für die Auktion, 750.000 Euro für den Bentley und 100.000 Euro für den Rolls Royce, seien ihm viel zu niedrig gewesen. Er habe mindestens eine Million Euro für den Bentley und 260.000 Euro für den Rolls Royce haben wollen. „Aber da hatte ich schon unterschrieben.“ Er habe noch inständig auf gute Preise gehofft, erklärt der Angeklagte. Doch stattdessen blieben die Gebote sogar unter dem Limit. „Ich habe in der Auktion durch Kopfnicken zugestimmt.“ Diese Zustimmung bezeichnet Edgar B. heute als seinen entscheidenden „Fehler“. Das Geld verwendete er dafür, Schulden abzuzahlen.

Der Angeklagte, der 19-fach vorbestraft ist, beruft sich unter anderem darauf, dass er damals wegen zahlreicher Probleme viel zu viele Psychopharmaka nahm.

Die Erklärung gab auch dem Gericht Rätsel auf. „Soll das ein Geständnis sein?“, fragte die Vorsitzende Richterin. „Ja, das ist natürlich die Frage“, lautete die Antwort. Der Prozess dauert an.

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