Tesla Gmund Solar
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Zapft für sein Auto eigenen Strom: Dieter Latzin (l.), hier an seinem Haus in Gmund mit Helmut Neumüller (M. ) und Dieter Jung. 

Dieter Latzin aus Gmund tankt seinen Tesla mit selbst produziertem Solar-Strom

Energetisch auf der Überholspur

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Während die Bundesregierung mit Prämien den Kauf von E-Autos anschieben möchte, zeigt ein Haushalt in Gmund: So funktioniert die Versorgung eines E-Autos mit selbst produziertem Solar-Strom. 

Gmund– Die Sonne scheint. Bestes Wetter für Dieter Latzin, um seinen Tesla zu tanken. Der 77-Jährige ist seit zehn Jahren begeisterter E-Auto-Fahrer und engagiert sich innerhalb der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) für E-Mobilität. Unterstützt wird er dabei von SGT-Vorstandsmitglied Dieter Jung. Bis vor Corona organisierten sie regelmäßig öffentliche Treffs zum Thema E-Mobilität. 

Der Holzkirchner Helmut Neumüller hat sich dazu gesellt. Latzin und Neumüller verbindet eine Freundschaft, die vor sechs Jahren auf kuriose Weise nahe der Autobahnausfahrt Holzkirchen begann: Latzin und Neumüller waren damals jeweils mit einem E-Auto Nissan Leaf unterwegs – einem Exoten für damalige Verhältnisse. „Wir winkten uns zu, fuhren rechts ran und tauschten uns über unser E-Auto aus“, erinnerte sich Latzin. Die Wege der beiden E-Auto-Fans kreuzten sich wieder bei einem Vortrag, den Neumüller, selbständiger Ingenieur für E-Technik, zum Thema Sonne und Strom hielt. Dabei stellten sie fest, dass sie wieder den gleichen Wagen fuhren: einen Tesla S.

Jetzt sitzen Latzin, Neumüller und Jung wieder beisammen, diesmal mit Abstand im Garten der Latzins in Gmund. Nicht nur, um zu diskutieren, wie die Begeisterung für E-Mobilität auch im Tegernseer Tal weiter Fahrt aufnehmen könnte. Diesmal möchte Latzin zeigen, wie einfach es ist, seinen roten E-Flitzer mit Sonnen-Saft zu versorgen. Er hat zuhause eine Wallbox installiert – eine 16-Kilowatt (kW)-Ladebox für seinen Tesla. „Für meinen Nissan hatte ich noch einen normalen Haushaltsstecker und brauchte sechs bis sieben Stunden, um das Fahrzeug aufzuladen“, berichtet Latzin, der für die Installation konsequent weitergedacht hat. Er wollte den Saft nicht nur aus dem öffentlichen Netz holen, sondern plante eine Photovoltaik-Anlage. Je nach Bedarf versorgt er damit seit März sein Haus, einen Energiespeicher und seinen Tesla. „Der Rest wird ins Netz des Strombetreibers eingespeist“, sagt Latzin und legt Zahlen und Kosten dar: Die Anlage mit einer Leistung von 9,9 Kilowatt Peak (kWp) hat 26 000 Euro gekostet – inklusive Speicher und einem „Gateway“ für die interne Verteilung des Stroms im Haus. Latzin profitierte zudem von einem staatlichen Förderprogramm.

E-Auto für alle: Projekt kam nicht in Fahrt

„Wenn die drei Bausteine Photovoltaik, Speicher und E-Auto zusammengehören, dann ist es wirtschaftlich interessant“, weiß Neumüller und stützt damit die Erfahrung von Latzin. Unter Berücksichtigung aller Investitionen steht für ihn fest: „Das ist nicht nur eine ideelle Geschichte, es rentiert sich.“ Seit 19. März bis dato hat er rund 1100 kW ins Netz eingespeist. 100 kW musste er aus dem Netz entnehmen, weil das Wetter schlecht oder sein Speicher leer war.

Latzin ist in Sachen E-Mobilität also auf der Überholspur. Wie viele Autobesitzer im Tegernseer Tal da mithalten, dazu hat selbst das E-Werk Tegernsee noch keinen Überblick: „Wir haben keine belastbare Datenbasis“, sagt Vertriebsleiter Florian Appel. Er kann aber folgende Infos beisteuern: Eine Wallbox mit einer Leistung bis zu 12 kW ist zunächst anmeldepflichtig. Ab 12 kW bedarf sie der Zustimmung vom Netzbetreiber. „Im häuslichen Bereich braucht man nichts, was über 11 kW hinausgeht“, sagt Appel. Er hält eine Wallbox für sinnvoll, da sie mehr Sicherheit gegenüber einer herkömmlichen Steckdose biete. Eine Wallbox, so der Strom-Fachmann, gibt es auf dem freien Markt ab 500 Euro, Anschlusskosten kommen dazu. Bei den Latzins in Gmund waren das etwa 700 Euro.

Auch das E-Werk selbst bietet am Betriebsgelände an der Hochfeldstraße eine öffentliche Ladesäule. Rund um den See hat der Stromversorger zusammen mit den Kommunen seit 2018 zudem etliche öffentliche Ladestationen eingerichtet: am Wandinger Parkplatz sowie am Zentralparkplatz in Rottach-Egern, an der Seesauna in Tegernsee sowie am Dourdanplatz in Bad Wiessee.

2019 registrierte das E-Werk an allen Säulen etwa 1100 Ladevorgänge, bei denen knapp 14 000 Kilowattstunden Strom gezapft wurden. Wie diese Bilanz 2020 ausfällt, ist noch offen. „Corona hat uns jedoch eine saubere Delle verpasst“, weiß Appel schon jetzt. Durch das Ausbleiben der Tagestouristen werde sich der bisherige Wert wohl halbieren.

gr

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