Mähen statt Schreibtisch-Arbeit: Der Gmunder Ex-Bürgermeister Georg von Preysing verbringt den Sommer auf einer Alm im Suttengebiet.
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Mähen statt Schreibtisch-Arbeit: Der Gmunder Ex-Bürgermeister Georg von Preysing verbringt den Sommer auf einer Alm im Suttengebiet.

Interview mit Georg von Preysing (66)

Deshalb verbringt der Gmunder Ex-Bürgermeister den Sommer auf der Alm

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Früher verbrachte Georg von Preysing viele Stunden am Schreibtisch. Heute hütet der Gmunder Ex-Bürgermeister das Vieh auf der Alm. Im Interview erzählt der 66-Jährige, was ihn antreibt.

  • Der Gmunder Ex-Bürgermeister Georg von Preysing verbringt den Sommer auf einer Alm
  • Im Interview erzählt er, wie er den Tag so verbringt
  • Für politische Termine - und Geburtstage - fährt der Almerer ins Tal

Gmund – Was bringt einen Mann wie Georg von Preysing dazu, einen ganzen Sommer lang auf einer Alm im Suttengebiet das Vieh zu hüten? Im Gespräch mit der Tegernseer Zeitung erzählt der 66-Jährige, der 18 Jahre lang Bürgermeister von Gmund war, politisch immer noch aktiv und zudem in verschiedenen Gremien vertreten ist, wie er aktuell seinen Ruhestand verbringt.

Herr Preysing, so ganz alleine auf einer Alm, ist das nicht langweilig für Sie?

Ganz und gar nicht. Es war schon immer mein Wunsch, hier rauf zu kommen, wenn ich mal im Ruhestand bin. Inzwischen ist das schon mein dritter Almsommer. Ich werd’ schon nicht an Vereinsamung eingehen. Und ich hab’ hier echt viel zu tun.

Erzählen Sie mal...

Erstens stehe ich zwischen 4 und 5 Uhr auf, das war schon immer so. Zunächst muss ich jeden Tag zählen, ob noch alle Tiere da sind. Ich hab’ heuer 29 Kalbinnen und zwei trächtige Kühe zu betreuen, voriges Jahr waren es 45 Tiere und mehr. Das Gebiet der Alm ist sehr weitläufig und umfasst 32 Hektar Lichtweide, dazu kommt Wald. Die Tiere sind in Gruppen unterwegs, ich muss auch schauen, dass keines abstürzt. Dann muss ich jeden zweiten Tag die Zäune kontrollieren, das sind allein mehrere Kilometer. Bei sechs Tränken muss ich schauen, dass sie funktionieren. Auch das Schwenden, das ist das Mähen von Disteln und Farnkraut, gehört zu meinen Aufgaben. Und schließlich muss ich Brennholz machen.

Klingt anstrengend. Wem gehört denn die Alm?

Zwei Familien, eine davon sind die Fischbachers, die Familie meines Opas.

Woher wissen Sie denn, was zu tun ist? Sie sind ja kein gelernter Almwirt?

Mein Opa war Gründer des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Vielleicht hab’ ich das Wissen ja im Blut.

Ist es für Sie ein Problem, sich selbst zu versorgen?

Wenn ich koch’, dann gibt’s Miracoli. Wenn mein Sohn, der Franz, raufkommt, dann macht er Schweinsbraten im Holzofen, und das reicht dann wieder für ein paar Tage. Ich mach’ sonst einfach Brotzeit.

Was treibt Sie denn überhaupt auf eine Alm? Sie sind doch noch immer ein so vielseitig beschäftigter Mann?

Ehrlich gesagt, mach’ ich das auch, weil die Tiere zum landwirtschaftlichen Betrieb meiner Tochter gehören, die nach Unterdarching geheiratet hat.

Was sagt denn Ihre Frau dazu, wenn Sie von Mai bis September nicht daheim sind?

(lacht) Meine Frau war es immer gewöhnt, dass ich wenig daheim bin. Das war schon so, als ich Bürgermeister wurde. Da bin ich früh morgens ins Rathaus und abends wieder auf Termine. Und dann bleib’ ich nie länger als eine Woche am Stück hier oben auf der Alm. Dann fahr’ ich wieder runter nach Gmund und freu mich auf die Dusche dahoam. Außerdem muss ich runter, weil ich immer noch etliche Termine habe, sei es als Kirchenpfleger in Gmund, als Aufsichtsrat im Krankenhaus Agatharied und bei der Naturkäserei TegernseerLand oder als Kreisrat. Auch zu Geburtstagen meiner Kinder und Enkel fahr ich heim.

Wie halten Sie sich auf dem Laufenden, was ringsum passiert?

Wenn ich Besuch krieg’ von meinen Kindern und Enkelkindern, dann bringen sie mir die Zeitung mit. Auch in der Almhütte in der Nachbarschaft hat der Besitzer eine Zeitung, die les’ ich dann. Ich kann natürlich E-Mails am Handy lesen und telefonieren. Langweilig wird’s mir bestimmt nicht. Ich les’ auch viel, hab’ Bücher und Jagdzeitschriften. Auf die Jagd geh’ ich ja auch noch.

Macht sich der Umtrieb im Tal und die vielen Heimat-Urlauber heuer wegen Corona auch auf der Alm bemerkbar?

Und wie! Ich hab’ noch nie so viele Mountainbiker gesehen wie heuer. Die fahren gnadenlos in jedes Gelände. Manchmal werd’ ich richtig narrisch. Dann wird oben am Berg biwakiert, damit die den Sonnenauf- oder untergang sehen können. Das hat’s doch früher nicht gegeben, dass die Leute Tag und Nacht am Berg rumroasn! Ich finde, da muss man eingreifen. Schon allein, weil auch die Wildtiere gestört werden. Wenn ich Mountainbiker anspreche, dann kapiert die Hälfte, was ich sag’. Die andere nicht.

Wann geht’s wieder ganz heim?

Im September ist Schluss. Im Winter gehört die Hütte einem Winterpächter. Denn auch zum Skifahren ist es hier doch ideal.

gr

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