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Steilflächen zu mähen, erfordert einen hohen Aufwand. In vielen Fällen gibt’s aber Zuschüsse. 

Gmund stimmt zu, Rottach-Egern vertagt

Gründung von Landschaftspflegeverband umstritten

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    Christina Jachert-Maier
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 Was bislang unter der Regie des Landratsamts stand, soll ein Landschaftspflegeverband verantworten.  Alle Gemeinden sollen Mitglied werden. Im Gmund und Rottach wurde heftig diskutiert.

Josef Faas von der Naturschutz-Abteilung im Landratsamt Miesbach und sein Kollege Florian Busl hielten ihre Vorträge am Dienstagabend zeitgleich: Faas in Gmund, Busl in Rottach-Egern. In beiden Fällen galt es, einen Gemeinderat vom Nutzen des Landschaftspflegeverbands zu überzeugen. Wie berichtet, soll der Verein Aufgaben übernehmen, die derzeit am Landratsamt als Untere Naturschutzbehörde erledigt werden. Es geht um die Organisation von Landschaftspflege-Maßnahmen und um die Beschaffung von Fördergeldern. Vor allem Letzteres ist sehr aufwendig geworden. Der Geschäftsführer des neuen Vereins muss vor allem ein Profi im Förderwesen sein.

Im Verein arbeiten Landwirtschaft, Naturschutzverbände und Kommunen zusammen. Den ersten Vortrag hatte Busl im August in Waakirchen gehalten. Dort gab es einige Kritik und keine Entscheidung. Ein neuer Abstimmungstermin ist in Waakirchen noch nicht angesetzt.

Gmund

Im Gemeinderat Gmund erklärte Johann Huber (CSU), selbst Landwirt, was für die Gründung spricht: „Naturschutz funktioniert nicht ohne Landwirtschaft“, sagte Huber, „das haben die Naturschützer jetzt eingesehen und zeigen sich kompromissbereit.“ Wichtig sei, dass die örtlichen Landwirte nach wie vor ihre Arbeit bekommen, wenn es um die Mahd von geschützten oder schwierigen Flächen geht. Sie wurden in Gmund bisher über die Gemeinde und das Dienstleistungsunternehmen pro communo engagiert. Künftig soll der Landschaftspflegeverband Regie führen und die reichlich sprudelnden staatliche Fördermittel beschaffen. Damit kann die schwere Arbeit ordentlich entlohnt werden. Der hauptamtliche Geschäftsführer soll von dem Budget über 112 000 Euro finanziert werden. Bei einem Beitrag von 35 Cent pro Bürger müsste etwa Gmund rund 2000 Euro an den Verband überweisen.

Während sich für Vize-Bürgermeister Georg Rabl (FWG) der Mehrwert für die Gemeinde nicht ganz erschloss, wurde Dritter Bürgermeister Herbert Kozemko (CSU) noch deutlicher: „Da geht’s nur um viel Geld, und profitieren wird der Geschäftsführer.“ Es komme noch so weit, dass ein Landwirt seine Flächen verkommen lasse, nur weil er dann für die Pflege wieder Geld bekommt. In Gmund habe alles gut funktioniert, der Verband sei eine „sinnlose Aktion“, kritisierte Kozemko. Ob sich der Verband auch um das Springkraut-Problem kümmern werde, konnte Faas auf Nachfrage von Barbara von Miller (SPD) nicht versprechen: „Diese Beseitigung ist nicht mehr zu schaffen“, so Faas. Dem wuchernden Knöterich am See werde man sich aber widmen müssen.

Michael Huber (SPD) zählte zu den Befürwortern und hielt den Verband für ein geeignetes Mittel zur Abwicklung der Landschaftspflege. CSU-Kollege Josef Berghammer sah darin überhaupt die Zukunft: „Die Landwirte im Tegernseer Tal werden künftig weniger Produzenten sein, sondern nur noch zu Landschaftspflegern werden.“ Die Abstimmung fiel dann selbst Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) schwer: „Wir haben in Gmund eigentlich keinen Bedarf dafür.“ Am Ende stimmte er aber dafür. Der Beschluss fiel mit 12:4 Stimmen.

Rottach-Egern

Der Rottacher Gemeinderat vertagte die Entscheidung auf die Oktober-Sitzung – nach langer Debatte. Es sei schade, dass die Naturschutzbehörde die Aufgabe wegschiebe, meinte Almbauer Anton Maier (CSU). Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) fragte nach, ob die Gründung des Verbands mit einer Personalreduzierung am Landratsamt einhergehe. Busl verneinte. Derzeit müssten die Mitarbeiter das Thema Landschaftspflege nebenbei stemmen. „Dabei ist das Förderwesen explodiert.“ Ein Verein könne auch manches, was das Amt nicht dürfe. Dazu gehöre die Vergabe von Aufträgen an regionale Betriebe. Das Amt müsse ausschreiben und das günstigste Angebot nehmen. „Darum kommt jetzt jemand aus dem Ost-Allgäu und mäht bei uns.“

Für Landwirte aus der Region sieht Busl durch den Verband die Chance, sich auf die Pflege sensibler Flächen zu spezialisieren. „Damit sich das rentiert, brauchen die auch Futter.“ Sprich: Aufträge. Daran dürfte es Busl zufolge nicht mangeln: „Die Arbeitskraft auf den Höfen wird weniger.“ Der Bedarf an Landschaftspflegern wachse.

Gegründet wird der Verband ihm zufolge auch, wenn sich nicht alle Gemeinden für den Beitritt entscheiden. Das Gros müsse aber dabei sein, ließ Busl durchklingen: Es gibt eine kritische Masse.“ Geschäftsleiter Gerhard Hofmann interessierte, ob sich das Landratsamt in den Gemeinden, die nicht Mitglied werden, weiter um die Landschaftspflege kümmere. „Zum Beispiel in der Sutten.“ Wohl eher nicht, wie Busl durchblicken ließ: „Wir wollen ja keine Konkurrenz zum Verband sein.“ Die Gemeinden müssten sich halt überlegen, wie wichtig ihnen der Landschaftsschutz ist und entsprechend entscheiden.

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