Der frühere Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak (52) wird sich nicht um den Grünen-Landesvorsitz bewerben. Das hat er jetzt bekannt gegeben.
+
Plant vorerst keine Parteikarriere bei den Grünen: der frühere Landrat Wolfgang Rzehak.

Früherer Landrat nennt „persönliche Gründe, keine politischen“

Grünen-Landesvorsitz: Rzehak verzichtet auf Kandidatur

  • Stephen Hank
    vonStephen Hank
    schließen

Der frühere Miesbacher Landrat Wolfgang Rzehak (52) wird sich doch nicht um den Grünen-Landesvorsitz bewerben. Das hat er jetzt bekannt gegeben.

Update vom 18. Oktober 2020

In einer Facebook-Nachricht an die „Mitglieder der Bayerischen Grünen“ hat der frühere Landrat Wolfgang Rzehak nun erklärt, doch nicht für den Landesvorsitz zu kandidieren. Diese Entscheidung habe er nach reiflicher Überlegung und in Absprache mit seiner Familie getroffen. „Das hat vor allem persönliche Gründe und keine politischen“, schreibt der Gmunder.

Als Landrat und damit Berufspolitiker habe er durchschnittlich eine 60- bis 80-Stunden-Woche gehabt. Nach seiner Abwahl führe er nun wieder ein „normaleres Leben“ und habe wieder Zeit für seine Familie und sich selbst. „Meine Arbeit als Landrat hat mir sehr viel Freude gemacht, aber die Tatsache,  nicht mehr von einem Terminkalender fremdbestimmt zu werden, habe ich nun auch zu schätzen gelernt“, so Rzehak. Er sei tatsächlich noch nicht reif, sofort als Berufspolitiker weiterzumachen.

Rzehak hatte im März die Landrats-Stichwahl gegen seinen CSU-Herausforderer Olaf von Löwis (CSU) verloren. Es folgte eine berufliche Zitterpartie. Denn die Stadt München als frühere Arbeitgeberin zweifelte zunächst an, ob er die beamtenrechtlichen Voraussetzungen erfüllt, um ins Kreisverwaltungsreferat (KVR) zurückzukehren. Grund waren die Ermittlungen in der Sparkassenaffäre. Letztlich kam es zur Einigung, die Rzehak nun auch wieder eine finanzielle Sicherheit gibt. Seit 18. August arbeitet er als Amtmann beim KVR in der Hauptabteilung I (Sicherheit und Ordnung). „Die Aufgabe ist spannend, weil sie sehr vielfältig ist“, sagt Rzehak. „Es geht ums Thema Extremismus genau so wie um die Gefahrenabwehr in Zusammenhang mit Corona.“ Gleichwohl sei es eine andere Rolle als früher. „Mit der Aufgabe als Landrat“, gesteht er, „ist es natürlich nicht vergleichbar.“

Für die Zukunft schließt der 52-Jährige nicht aus, sich wieder für ein Amt oder Mandat zu bewerben - dann aber „hundertprozentig, mit absolutem Einsatz und mit voller Überzeugung“. Eine Option wäre 2023 eine Kandidatur für den Landtag. Politik sei freilich nicht planbar, die Stimmung könne sich oft schnell ändern. Eine gewisse Auszeit in der „normalen“ Welt außerhalb der Berufspolitik schade deshalb nicht. Rzehak: „Mir waren immer schon Politikerinnen und Politiker etwas suspekt, welche ständig und nahtlos von einem Amt in das nächste wechseln.“


Interview vom 14. Juli 2020

Landkreis – Beim Parteitag im Herbst kommenden Jahres möchte der Ex-Landrat Nachfolger von Eike Hallitzky werden.Der 61-Jährige tritt nicht wieder an. Rzehak war von 2014 bis 2020 Landrat, im Mai wurde der 52-jährige Gmunder von Olaf von Löwis (CSU) an der Spitze des Landkreises abgelöst.

Herr Rzehak, wie kommt’s, dass Sie jetzt Grünen-Landesvorsitzender werden wollen? War das Ihre Idee?

Rzehak: Bis zur Wahl ist noch einige Zeit hin. Aber ja, die Idee ist schon in mir selbst gereift. Es bietet sich auch an. Ich habe jahrelang Erfahrungen in der Kommunalpolitik gesammelt, zuletzt als Landrat. Davor war ich lange Zeit auch im Parteirat der Grünen.

Unterstützen die Grünen Ihre Kandidatur?

Rzehak: Ich habe natürlich mit Leuten in der Partei gesprochen. Es gibt viele, die das befürworten. Zunächst muss man aber selber auch den Mut dazu haben. Ich denke, die schlechtesten Karten habe ich nicht.

Gibt es Gegenkandidaten?

Rzehak: Offiziell ist mir nichts bekannt. Eva Lettenbauer wird mit ihren 27 Jahren wohl wieder als Co-Vorsitzende kandidieren. Es wäre ein gute Mischung. Hier eine junge dynamische Frau und dort ein erfahrener Kommunalpolitiker und ehemaliger Landrat. Wir stehen für das Junge und Moderne, aber auch dafür, die Umwelt und Natur zu erhalten.

Wo liegen für Sie die Herausforderungen?

Rzehak: Wir brauchen in der Partei sowohl junge wie auch erfahrene Leute. Es hilft, wenn jemand wie ich die Themen und die Abläufe kennt, Erfahrung in Verwaltungs- und Rechtsfragen gesammelt hat und sich auch schon mit der CSU auseinandergesetzt hat. Die CSU gönnt einem das Schwarze unter den Fingernägeln nicht. Ich möchte unserer Partei helfen, in einer solchen Situation zu bestehen.

Sehen Sie die Grünen trotzdem in einer Regierungskoalition mit der CSU?

Rzehak: Die bayerischen Grünen werden künftig eine stärkere Rolle spielen, sowohl bei der Bundestags- als auch bei der Landtagswahl. So wie den Freien Wählern darf es uns aber nicht gehen. Die lassen sich von der CSU unterbuttern. Ich würde dafür sorgen, dass das den Grünen nicht passiert. Wir müssen Selbstbewusstsein zeigen. Nur ein bisserl bei denen am Tisch zu hocken, das reicht nicht. Da sollten wir dann lieber auf eine Regierungsbeteiligung verzichten.

Könnten Sie sich selbst ein Regierungsamt vorstellen?

Rzehak: Zunächst geht es um den Landesvorsitz. Wenn ich gewählt werde und mir später ein Regierungsamt angeboten würde, würde ich den Landesvorsitz abgeben. Eine Ämterhäufung tut selten gut. Davon habe ich schon als Landrat Abstand genommen.

Der Landesvorsitz ist eine hauptamtliche Tätigkeit. Wie steht’s momentan um Ihre berufliche Situation?

Rzehak: Ich befinde mich noch in der Übergangsphase. Die Stadt München prüft gerade mein Rückkehrrecht als Beamter. Diese Prüfung dauert leider immer noch an.

Das Gespräch führte Stephen Hank.

Lesen Sie auch: So sieht der neue Miesbacher Kreistag aus.

Auch interessant

Kommentare