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Lauer Sommerabend: In festlicher Robe erschienen die Absolventen und ihre Familien zur Abiturfeier auf Gut Kaltenbrunn.

Festliche Zeugnis-Verleihung auf Gut Kaltenbrunn

Gymnasium Tegernsee verabschiedet Abiturienten: Den „Freischwimmer“ in der Tasche

Es war ein überaus festlicher Abend: Bei der Abiturfeier auf Gut Kaltenbrunn wurden die Absolventen des Gymnasiums Tegernsee verabschiedet. 27 der insgesamt 90 Abiturienten haben eine Eins vor dem Komma.

Gmund – „In Euren Lebensläufen ist die gemeinsame Zeit jetzt vorbei“, erklärte Direktor Werner Oberholzner in seiner Ansprache. Den Stamm hätten Elternhaus und Schule gebaut, jetzt würden die vielen persönlichen Verästelungen beginnen. „Wie die ausfallen, dafür seid ihr nun selber verantwortlich“, sagte er an die Adresse seiner scheidenden Schützlinge.

Oberholzner gab den Absolventen einen Begriff mit auf den Weg, der ihm in jüngster Zeit „etwas vernachlässigt scheint“: Qualität. „Das ist handfester Inhalt und nicht Verpackung und Show“, betonte Oberholzner. Wichtig sei Qualität gerade in Zeiten, in denen im Internet der Schein dem Sein häufig vorgezogen werde: „Likes sind nicht alles, man sollte darüber die konkreten Inhalte nicht vergessen.“ Qualität werde immer gefordert, erst in der Schule, ebenso später im Berufsleben, wo echte Erfolge eben auch Ergebnis „von vielen Überstunden, Frust und Plage“ seien. „Hätten wir euch die ganzen Jahre im Nichtschwimmerbecken der Spaßpädagogik gehalten, hättet ihr nie für später Schwimmen gelernt“, resümierte der Direktor. „Ich denke aber, dass ihr in dieser Hinsicht zumindest den Freischwimmer erworben habt.“

Oberholzner erinnerte auch an Nicolas Kutter, der sein Abitur leider nicht mehr ablegen konnte: Er erlag im Februar seiner schweren Krebserkrankung. „Es wäre schön gewesen, ihn heute hier zu haben.“

Die Fähigkeit zur Leistung haben die Abiturienten gezeigt: 27 von 90 Absolventen haben eine Eins vor dem Komma. Frauen-Power prägt die Spitzenplätze: Das Stipendium der Kreissparkasse überreichte deren Sprecher Peter Friedrich Sieben den Jahrgangsbesten Christina Priller und Inga Zurhelle, die jeweils mit der Note 1,1 abgeschlossen haben. Auch Christian Stadler vom Förderverein des Gymnasiums überbrachte ein Präsent: einen Gutschein für das Abifoto des Jahrgangs nebst passendem Rahmen der Wahl.

„Verliert eure Ideale nicht“, ermutigte Landrat Wolfgang Rzehak. Eine Generation, die mit Aktionen wie den „Fridays for Future“-Demos für mehr Nachhaltigkeit kämpfe, fordere jetzt ein, was vorangegangene Generationen vielleicht auch anvisiert, aber im Laufe der Jahre vergessen hätten.

Nach polizeilichen Ermittlungen: Zwei Schüler durften nicht mitfeiern

„Ihr seid echt rekordverdächtig“, meinte Elternbeiratssprecher Claus Drexl: Kaum ein anderer Jahrgang habe den Elternbeirat so beschäftigt wie dieser. „Ihr habt es nicht immer leicht gehabt“, sagte Drexl. Aber die Schüler hätten es sich auch selbst nicht immer leicht gemacht. Ohne direkt darauf einzugehen, spielte der Vorsitzende wohl auch auf die polizeilichen Ermittlungen an, die durch die Verbreitung kinderpornografischen Materials innerhalb der Q12 ausgelöst worden waren. Jene zwei Schüler, gegen die inzwischen Anklage erhoben wurde, durften an der Feier nicht teilnehmen. Drexl warnte vor den Fake-News, Hassreden und „Manipulatoren“ in der digitalisierten Welt: „Lasst euch nicht komplett digitalisieren, erhaltet euch eure Analogität, vor allem bei Freundschaften.“

Anhand des Alphabets entfalteten schließlich die Absolventen Johanna Jank, Anna Strohschneider und Julian Wiefarn ein Kaleidoskop an Erlebnissen, Eindrücken und Stationen der gemeinsamen Schul- und Abiturzeit. „A“ stand natürlich für das eben erreichte Ziel, „B“ für den traditionellen Bunten Abend. „F“, das waren Freunde und Familie, gerade im Abistress die manchmal nötige Schulter zum Ausheulen. „G“ wie Gemeinschaft schien anfangs nicht unproblematisch: „Es sah zeitweise so aus, als würde es zwei Abibälle und zwei Abifahrten geben“, erinnerte sich Jank. Aber nach und nach habe sich schließlich doch ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt.

Lesen Sie hier: Nach Razzia am Gymnasium Tegernsee: Ein Schüler rechnet ab

Einen prächtigen Blumenstrauß als Dankeschön erhielt Oberstufenkoordinatorin Waltraud Heiß, ebenso wie auch der Schulleiter, der das Dankeschön sichtlich gerührt entgegennahm. „Wir hatten manchmal unsere Probleme, und er mit uns. Aber er hat uns immer seine Unterstützung zugesagt“ betonten die Drei. Und schließlich das „Z“: „Zusammenfassend war es eine wunderschöne Zeit, auf die wir immer gerne zurückblicken werden.“

stg

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