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Die Musiker um Haindling-Frontmann Hans-Jürgen Buchner (am Saxophon) präsentierten sich auch in Kaltenbrunn gewohnt vielseitig - und kritisch.

Open-Air-Konzert erfüllt alle Erwartungen

Mitreißend, vielseitig, kritisch: Haindling begeistert in Kaltenbrunn

Dieses Konzert war das wohl beste Mittel gegen Thrombose: Mit einer Mischung aus Klassikern und weniger bekannten Stücken riss Haindling das Publikum auf Gut Kaltenbrunn von der ersten Minute an mit.

KaltenbrunnWas sollten sie nur machen? Zwei langsame Stücke hätten sie noch im regulären Programm, ließ Hans-Jürgen Buchner fast entschuldigend wissen, als der Regen zu fortgeschrittener Stunde auf das Publikum im Innenhof von Gut Kaltenbrunn nieder prasselte. Hatte der Abend noch vielversprechend unter blauem Himmel begonnen, so goss es zum Abschluss der 37. Sommertournee von Haindling in Strömen. Der Großteil der Gäste nahm es gelassen. Selbstverständlich wollte man nichts auslassen. Und selbst nach der Zugabe harrten die Zuhörer aus. Das erhoffte weitere Extrastück gab es zwar nicht, dafür aber angeregte Gespräche über ein mitreißendes Konzert extrem vielseitiger Musiker.

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Archaisch hatte Buchner den Auftritt mit tiefen Tönen aus einem gewaltigen Horn eröffnet und Bertolt Brechts Gedanken aus „Exil III“ im typischen Haindling-Sprechgesang weiter gesponnen. „Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen“ mündet in seiner „Höhlenmalerei“ nach vielen tausend Jahren Dornröschenschlaf darin, dass ein Wolfskind beim Scharren in der Höhle ein neues Heiligtum findet: ein glattes, glänzendes Kästchen.

Gut besucht war der Innenhof von Gut Kaltenbrunn anlässlich des Konzerts. Etliche Stühle waren aber auch leer geblieben.

Mit dem Smartphone, das natürlich auch an diesem Abend immer wieder für private Dokumentationen gezückt wurde und das am Ende mittelmäßig als Ersatz für Feuerzeug-Lichter-Stimmung sorgte befasste sich Buchner immer wieder. Fassungslos, wenn es jeder direkten Kommunikation im Wege steht. Distanziert-amüsiert, wenn es um die unterschiedlichen Herangehensweisen an die digitale Thematik geht („D’Mama hod Recht und da Papa moants aa ned schlecht“).

Längst schon war zu diesem Zeitpunkt eine Drohne über den Smartphone-Skeptiker Buchner und das Publikum im Geviert des denkmalgeschützten Gutshofs geflogen, in dem es noch einige Reihen zu füllen gegeben hätte. Dass es überhaupt Stühle gab, erklärte der 74-Jährige damit, dass viele Fans der ersten Stunde natürlich auch 37 Jahre älter geworden seien und kündigte gleich sein „Rezept gegen Sitz-Thrombose“ an. Bisweilen werde er zum Aufstehen animieren, kündigte Buchner an. Und das Publikum nahm es dankbar an. Allen voran Buchners Frau Ulrike Böglmüller, die schon zum ersten Break mit einem „höchste Zeit“ auf die Tanzfläche vor der Bühne eilte.

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Nicht nur sie juckte es in den Beinen. Stehend, sich mit der Musik wiegend und die Bühne hinter einem Meer aus Köpfen sehend, das machte das Live-Gefühl erst perfekt. Und später, als sich der Regen in kleinen Pfützen auf den Stühlen gesammelt hatte, war es ohnehin angenehmer, gar nicht erst wieder Platz zu nehmen, sondern stehend über den Radlfahrer zu sinnieren, der vergessen hat, dass er immer vergisst, wohin er möchte und danach aus voller Kehle in „Rote Haar“ einzustimmen.

Der Funke war an diesem Abend von Anfang an übergesprungen. Die Mischung von Klassikern, Filmmusik wie „Paula“ oder zu Vilsmaiers „Traumreise durch Bayern“ oder weniger bekannten Stücken war wohl gesetzt. Maßvoll unterbrochen wurde sie immer wieder von kritischen Gedanken. Zum Beispiel zum „Flächenfraß“, der nach Ministerpräsident Markus Söder „ab 2030 nur noch halb so viel fressen soll“. An den Schluss seines Konzerts setzte Haindling den gesungenen Appell: „Leit hoit’s z’samm“.

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Heidi Siefert

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