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„Hibatzld“: Ausstellung auf Gut Kaltenbrunn wartet mit spannenden Themen auf

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Von: Alexandra Korimorth

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Wollen mit ihrer Ausstellung Corona trotzen: (v.l.) Laudator Erno L. Vroonen sowie die drei Organisatoren Eckard Rocholl, Christine Otsver und Klaus-Peter Frank.
Wollen mit ihrer Ausstellung Corona trotzen: (v.l.) Laudator Erno L. Vroonen sowie die drei Organisatoren Eckard Rocholl, Christine Otsver und Klaus-Peter Frank. © Max Kalup

Trotz – oder gerade wegen – Corona ziehen derzeit die „Hibatzld“-Künstler ihre Herbstausstellung im Rinderstall von Gut Kaltenbrunn durch.

Gmund – Bis vor einer Woche waren sich die Organisatoren der Hibatzld-Ausstellungsreihe, Christine Otsver, Eckard Rocholl und Klaus-Peter Frank noch nicht sicher, ob sie ihre zweite Kunstschau im Rinderstall tatsächlich stattfinden lassen sollen. Aber – und das machten sie bei der Ausstellungseröffnung am Freitagabend im Beisein der Künstler und Sponsoren deutlich – „Hibatzld“ sei an sich und von seiner Genese her ein Format, mit dem sich Künstler gegen eine coronabedingte Isolation stellen.

„Wir wollen beweisen, dass wir keine Eintagsfliege sind“, erklärte Eckard Rocholl mit Blick auf die Premiere im vergangenen Jahr und die in der Zwischenzeit durchgeführte Sommer-Edition „Higstäid“. Bis 28. November gilt es nun, sich von der „Kunst den Staub von der Seele waschen“ zu lassen. Dabei gelten 2G-Regelung und FFP2-Maskenpflicht.

Christine Otsver dankte den 32 ausstellenden Künstlern für ihren Mut. Zwölf Künstler sind neu mit dabei. Fünf hatten kurzfristig ab-, eine spontan zugesagt. Mit dem Picasso-Zitat „Der Zweck der Kunst ist es, den Staub aus dem täglichen Leben unserer Seelen zu waschen“ machte Otsver deutlich, wie wichtig die Kunstausstellung gerade in diesen Zeiten ist: „Durch Corona hat sich viel Staub angesammelt.“

Reisende Giraffenskulptur „Pippina, die Kurze“, Gemälde und Glasarbeiten ausgestellt

Wie schon im vergangenen Jahr haben die Künstler selbst entschieden, was sie zeigen und wie sie es an den mehr oder weniger transparenten Bauzaun-Stellwänden platzieren möchten. Anders als zuletzt ist die Pandemie als Thema aber nicht so vordergründig vertreten. Alles in allem sind die Künstler großformatiger geworden und haben expressiver gearbeitet.

Das gilt insbesondere für Klaus-Peter Frank und seine riesigen Gemälde, in denen er mythologische Themen und Streetart verbindet. Kleiner aber nicht minder spannend ist die „Sonnen-Serie“ von Brigitte Appelt, bei der sie einen gelben Hoffnungspunkt den unterschiedlichsten, herausfordernden und auch nachgerade feindlichen Lebenssituationen aussetzt. Die in farbstarken Mischtechniken entstandenen Bilder, die dreidimensionalen Charakter haben, heißen je nach Situation „Aufgespießt“, „Einquartiert“, „Festgehalten“, „Aufgehängt“, „Verzwickt“, „Verklemmt“, „Versteckt“, „Verwoben“, „Eingebettet“ und „Ausgespuckt“.

Ausdrucksstark und kämpferisch sind die Glasarbeiten von Susanne Stubner. Die Künstlerin hat auch die seit vier Jahren durch die Museen Europas reisende Giraffen-Skulptur „Pippina, die Kurze“ mitgebracht: Bunt, gepierct, mit Kinky-Overknee-Stiefeln, wulstigen Lippen und Einhorn ist sie ein „Bild von Weiblichkeit“. Statt mit Farbe „malt“ Stubner mit winzigen spitzen Glassteinchen und verleiht ihren Arbeiten Schärfe.

Große Diversität wird in Laudatio gelobt

Geradezu märchenhaft sind die Drachen-Illustrationen und Zauberwald-Fotografien von Magdalena Wolf, die sich als durchaus erschwingliche Drucke in jedem Kinderzimmer gut machen würden. Sie ist eine der neuen Künstlerinnen, die „Hibatzeld“ für sich entdeckt hat. So auch Herb Schwarz aus Siegen, der sonst im Tegernseer Tal regelmäßig Urlaub macht, wovon seine kubistisch-kristallinen Ansichten der Berge („Alpenglühen“) und des Malerwinkels („Tegernsee“) zeugen. Er zeigte sich begeistert von den Ausstellungsräumlichkeiten: „Kein Vergleich zu den Ausstellungsmöglichkeiten bei uns im Siegerland. Ich bin sicher auch bei den nächsten ,Hibatzld‘-Editionen dabei.“

Laudator Erno L. Vroonen lobte die Ausstellung nicht nur als kunstmessenähnliche Plattform, auf der viele Meinungen und Ideen von Kunst zu sehen sind, sondern auch als niederschwelligen Zugang zu Kunst und Kultur und zum Dialog über Kunst. „Hier wird man begleitet. Und die große Diversität ist vielversprechend für die Zukunft“, meinte er. Darüber erfreut begrüßten auch Gmunds Kulturreferent Josef Stecher und Kaltenbrunn-Wirt Matthias Strobel die Ausstellungsbesucher.

Weitere Infos gibt‘s unter www.hibatzld.de.

Die beteiligten Künstler

Kathrin André, Brigitte Appelt, Andrea Bahr, Gerlinde Belz-Küpper, Sabine Berger-Rocholl, Daniela Dangl, Kirstin Dorfhuber, Klaus-Peter Frank, Walter Franzen, Brigitta Fröhler, Brigitte Grötzsch, Sabine Helsper-Müller, Martina Joachim, Rosi Kahl-Brandelik, Sabine Kühner, Manfred Lenzer, Waltraud Milazzo, Hans Nadler, Brigitte Nevole, Christine Otsver, Eckard Rocholl, Jeannine Ruecker, Traudl Saller, Ursula Schall, Herb Schwarz, Brigitte Siebeneichler, Patric Steinheisser, Heinz Stoewer, Susanne Stubner, Giancarlo Viviani, Magdalena Wolf und Rob Zeer. (ak)

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