Die Mangfall bei Gmund. Hier war das Bauwerk zum Ausgleich geplant.
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Die Mangfall bei Gmund. Hier war das Bauwerk zum Ausgleich geplant.

Wasserwirtschaftsamt zieht Notbremse nach schlechter Kosten-Nutzen-Analyse

Projekt Hochwasserausgleich Tegernsee überraschend gestoppt

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Das ist eine echte Überraschung: Das Projekt Hochwasserausgleich Tegernsee ist gestoppt. Der Grund: zu hohe Kosten, zu wenig Nutzen.

  • Projekt Hochwasserausgleich Tegernsee überraschend gestoppt.
  • Wasserwirtschaftamt zieht nach Kosten-Nutzen-Analyse die Notbremse.
  • Appell an Eigenverantwortlichkeit der Seeanlieger.

Tegernsee - Das Wasserwirtschaftsamt teilte am Dienstag in einer Pressekonferenz mit, dass aufgrund des Ergebnisses einer aktuellen Kosten-Nutzen-Analyse das Projekt Hochwasserausgleich Tegernsee nicht mehr weitergeführt werden kann. „Im Rahmen des Vorentwurfes war für das Projekt eine Kosten-Nutzen-Analyse durchzuführen. Die Überprüfung der Wirtschaftlichkeit ist bei staatlichen Hochwasserprojekten obligatorisch, das Gutachten für den Tegernsee wurde an der Hochschule Rosenheim angefertigt.“, teilte Paul Geisenhofer, der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Rosenheim mit. „Das Ergebnis war leider so eindeutig, dass die Entscheidung nicht anders ausfallen konnte“.

Notbremse für Hochwasserprojekt Tegernsee: Zu hohe Kosten

Die Grundkonzeption des Projektes bestand darin, unmittelbar vor einem extremen Hochwasserereignis den Wasserspiegel des Tegernsees abzusenken und möglichst lange auf einem niedrigen Niveau zu halten. Der anschließende mit dem Hochwasserereignis verbundene natürliche Anstieg des Sees wäre damit niedriger ausgefallen als ohne diese Vorabsenkung. In der Konsequenz wäre auch die Anliegerbebauung an den Seeufern zwar nicht vor Hochwasser geschützt, aber ein Stück weit weniger betroffen gewesen. Das Projekt war seit dem Raumordnungsverfahren 2006 in mehreren Planungsschritten mit intensiver Beteiligung der Anliegergemeinden weiterentwickelt worden. Der letzte Planungsstand sah vor, für die notwendige Absenkung des Seewasserspiegels eine sogenannte Druckleitung unter der Mangfall zu verlegen und das Schuhmacherwehr umzubauen. Mit den aufgrund der Umsetzung der nötigen Kompromisse vorgesehenen Planänderungen und den mittlerweile vorliegenden detaillierteren Untersuchungen stiegen die Baukosten von ursprünglich geplanten fünf Millionen Euro auf aktuell 14,3 Millionen Euro an.

Hochwasserprojekt gestoppt: Schlechter Baugrund auch ein Grund

Ein wesentlicher Grund für die Kostensteigerung war vor allem der außerordentlich schlechte Baugrund im gesamten Baubereich vom Seeauslauf bis zum Schuhmacherwehr. Gleichzeitig ergaben detailliertere hydrologische und hydraulische Berechnungen, dass der Nutzen, also die mit dem Projekt vermeidbaren Schäden, nicht so hoch zu veranschlagen war, wie ursprünglich erwartet. So hätte beispielsweise die Hochwasserspitze 2013 bei optimaler Steuerung nur noch um maximal 20 Zentimeter reduziert werden können. Die Kosten-Nutzen-Analyse ermittelte zunächst die bei verschiedenen extremen Hochwasserereignissen vermeidbaren Schäden und setzte diese ins Verhältnis zu den Projektkosten. Der über die gesamte Lebensdauer des Bauwerkes ermittelte Projektnutzen muss höher sein als die anfallenden Projektkosten, um von einer wirtschaftlich sinnvollen Maßnahme sprechen zu können. Dies konnte nicht annähernd erreicht werden. „Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Projektkosten rund viermal so hoch sind wie der Projektnutzen“,“ stellte Geisenhofer fest. Ein vollwertiger Hochwasserschutz wie an Flüssen ist am Tegernsee nicht möglich, sondern nur eine graduelle Reduzierung der Gefährdung, zum Beispiel durch Maßnahmen der Eigenvorsorge der Bürger. Die Wasserwirtschaftsverwaltung wird den Anliegern dabei beratend zur Seite stehen.

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gr

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