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Ausräumen und dem Nachfolger Platz machen: Georg von Preysing räumt nach 18 Jahren sein Bürgermeister-Büro im Gmunder Rathaus.

interview

„Ich gehe zufrieden und stolz“

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Seine Amtszeit wurde quasi volljährig: 18 Jahre lang war Georg von Preysing (CSU) Gmunder Bürgermeister. Im Interview spricht der 64-Jährige über nächtliches Aus- und Aufräumen, Reue und künftige Pläne als Rentner.

Gmund– Wenn am 1. April der frisch gewählte Bürgermeister Alfons Besel (FWG) auf dem Chefsessel im Gmunder Rathaus Platz nimmt, ist die Ära des Georg von Preysing (CSU) Geschichte. Wir sprachen mit dem scheidenden Bürgermeister über seinen Abschied vom Amt.

- Herr von Preysing, mit welchen Gefühlen verlassen Sie nach 18 Jahren das Rathaus?

Georg von Preysing: „Anfangs habe ich mir noch nicht so viel dabei gedacht, dass bald endgültig Schluss ist. Aber je näher der Tag rückt, desto komischer wird das Gefühl. Seit einigen Wochen sortiere ich hier nachts meine Unterlagen, weil ich tagsüber nicht dazukomme.“

-In Ihrem Büro, wird erzählt, hat nachts ohnehin oft das Licht gebrannt.

Georg von Preysing: „Das stimmt schon. In der Nacht konnte ich in Ruhe mal meine Gedanken sortieren und Zusammenhänge ohne Unterbrechung diktieren. Manchmal bin ich danach noch zur Jagd gegangen, ehe ich zur normalen Bürozeit wieder ins Rathaus kam. Neulich, nach der Maximilian-Einweihung, konnte ich nicht mehr schlafen. Da bin ich halt um 3 Uhr wieder ins Rathaus, die letzten Gäste sind da grad raus aus dem Wirtshaus.“

-Das Ausräumen war sicherlich wie eine Zeitreise.

Georg von Preysing. „Vieles hatte ich jetzt noch mal in den Händen, was gerade wieder ganz aktuell ist. Zum Beispiel Unterlagen zur Umgehungsstraße. Darunter war ein Bericht im Gemeindeboten über eine Sitzung des Ortsplanungsausschusses im Jahr 2000. Darin wurde gefordert, Maßnahmen zur effektiven Verkehrsentlastung im Regionalplan festzuschreiben. Den Artikel hatte übrigens Alfons Besel verfasst, der sich ja jetzt gegen die Straße ausspricht.“

-Gab’s noch Dinge, die Sie dringend erledigen mussten?

Georg von Preysing: „Ich musste und wollte noch vieles abschließen, hatte in den letzten zwei Wochen noch sieben oder acht Notartermine. Das waren vor allem Grundstücksangelegenheiten, die ich zu Ende bringen wollte, ehe es sich der eine oder andere Betroffene anders überlegt mit der Unterschrift. Weil die offizielle Amtsübergabe auf den Ostersonntag fällt, werden wir die Schlüsselübergabe am 3. April machen. Danach werde ich mit meinem Nachfolger sicherlich noch das eine oder andere Mal zusammenkommen.“

-Waren Sie als Bürgermeister jemals auch Privatmann in Gmund?

Georg von Preysing: „Niemals! Als Bürgermeister ist man zu keiner Minute privat. Selbst auf der Jagd hab’ ich mit meinem Begleiter immer über irgendetwas Berufliches gesprochen.“

- Hätten Sie sich mehr Privatsphäre manchmal gewünscht?

Georg von Preysing: „Sagen wir mal so: Ich kann zu jeder Zeit aus dem Stegreif jede Frage beantworten, weil ich so drin bin im Geschäft. Manchmal war das zwar lästig, aber direkt ausgemacht hat es mir nichts.“

-Sie haben eine große Familie, doch Ihre Frau hat man in all den Jahren nie in der Öffentlichkeit gesehen. Warum eigentlich?

Georg von Preysing: „Meine Frau hat mir von Anfang an klar gemacht, dass sie sich komplett raushält. Ein- oder zweimal war sie beim Gemeinderatsausflug dabei. Sie ist ein totaler Familienmensch, wir haben ja inzwischen 13 Enkelkinder, und das nächste ist unterwegs. Sie hat mir während meiner ganzen beruflichen Laufbahn, auch schon als Selbstständiger, den Rücken frei gehalten und unsere große Familie zusammengehalten.“

-Gab’s Geschichten während Ihrer Amtszeit, die Sie echt bereuen?

Georg von Preysing: „Das ganze Thema Kaltenbrunn zum Beispiel. Da hab’ ich mich ziemlich reingesteigert, weil ich immer überzeugt war, dass Kaltenbrunn nur funktioniert, wenn auch Gästezimmer da sind. Ich hab’ da 100-prozentig Recht, wie man sieht. Dass ich mich auf Privatkriege eingelassen habe, reut mich im Nachhinein wirklich. Mit einigen, nicht mit allen, hat sich das Verhältnis normalisiert. Mein Verhältnis zur Schutzgemeinschaft nehm’ ich jetzt mal aus. Es wäre schön, wenn die irgendwann nicht nur kritisieren, sondern positive Entwicklungen einräumen. Bei manchen Grundstücksverhandlungen hab’ ich mich ziemlich reingesteigert und mir sicher Feinde gemacht.“

-Wie war Ihr Verhältnis zu den anderen Tal-Bürgermeistern? Musste das Nachtreten bei der Bürgerversammlung in Richtung des Wiesseer Amtskollegen Peter Höß wirklich sein?

Georg von Preysing: „Ich gebe zu, dass ich die Äußerung wegen des Badeparks so nicht hätte machen sollen. Man darf aber sehr gespannt sein, was da noch alles auf uns zukommt, wenn in Bad Wiessee alles gebaut ist. Was die anderen Bürgermeister-Kollegen betrifft, so darf ich feststellen, dass unsere Zusammenarbeit noch nie so eng war wie jetzt. Was allerdings auch an den Charakteren der Kollegen liegt.“

-Sie bleiben CSU-Kreisrat bis 2020. Werden Sie bei der nächsten Kommunalwahl wieder dafür kandidieren?

Georg von Preysing: „Das kann ich noch nicht sagen und hängt ganz davon ab, ob aus Gmund genug Vertreter nachkommen.“

-Wie wird der Rentner Schorsch Preysing seine Zeit verbringen?

Georg von Preysing: „Ich muss unser Haus und unseren Garten auf Vordermann bringen und meinen Wald ordentlich bewirtschaften. Dann möchte ich meinem Hobby als Jäger nachgehen und für meine fünf Kinder und die Enkelkinder da sein, mit ihnen vielleicht sogar auch mehrtägige Bergtouren machen. Außerdem habe ich schon in diesem Jahr vor, ein paar Wochen als Oimara auf der Bodenalm zu verbringen.“

-Warum konnten Sie erst jetzt zum Ende der Amtszeit die Lorbeeren Ihrer Arbeit ernten?

Georg von Preysing: „Das Aufarbeiten meiner Tätigkeit zeigt mir ganz klar, dass ein Bürgermeister mindestens zwei Perioden im Amt sein muss, ehe Erfolge zu sehen sind. Fest steht, dass ich den Laden gut geordnet übergebe. Gmund hat hohe Rücklagen und nur taktische Schulden, wir zahlen die dritthöchste Kreisumlage an den Landkreis. Ich gehe zufrieden und stolz.“

-Welchen Ratschlag geben Sie Ihrem Nachfolger Alfons Besel mit auf den Weg?

Georg von Preysing: „Dass er sich nicht komplett von der Bürokratie vereinnahmen lässt, sondern auch mal ganz pragmatisch entscheidet. Die von ihm so hoch gespielte Bürgerbeteiligung ist gut und schön, aber nicht immer so durchzuziehen. Vor allem, weil die Bürger, wenn sie sich überhaupt beteiligen, meist nur eigene Interessen durchbringen wollen. Das kann man ganz klar anhand der vergangenen Bürgerbeteiligungen nachvollziehen.“

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