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Sein dreiteiliges Werk „Shooting Doves“ hat der Dürnbacher Künstler Hans Schneider unter dem Eindruck des Giftgas-Anschlags in Syrien gemalt. 

15. Gmundart im Jagerhaus eröffnet

Künstler blicken auf die weltpolitische Bühne

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Kritisch blicken die Gmunder Künstler auf das Weltgeschehen von heute: Bei der 15. Frühjahrsausstellung im Jagerhaus gaben sie teils eindrucksvolle Statements ab. Ein Besuch lohnt sich.

Gmund– Für Künstler und Kunstfreunde gilt die Frühjahrsausstellung Gmundart alljährlich als Saisonauftakt, bei dem gezeigt und besprochen wird, was die Gmunder Maler, Zeichner, Fotografen und Bildhauer sowie ihre befreundeten Kollegen zuletzt geschaffen haben.

Die 55 nun im Jagerhaus zu sehenden Exponate von insgesamt 25 Künstlern sprechen von weltpolitischen Ereignissen. Zum Beispiel ganz aktuell das Triptychon „Shooting Doves“ von Hans Schneider, das der Dürnbacher Künstler unter dem Eindruck des Giftgas-Angriffs in Syrien gemalt hat. Es zeigt attackierende Falken und sterbende, fallende (Friedens-)Tauben vor farbstarken, sich auflösenden Strukturen. Das dreiteilige Werk ist ein klares Statement zu Krieg und Vernichtung.

Ursula-Maren Fitz fordert mit ihren Collagen, die wie Zeugnisse der Kolonialisierung anmuten, auf, ferne Länder neu zu entdecken. Irnberg demonstriert in seinen neuen Reliefen die spannende Fremdheit von Alltagsgegenständen, die er neu miteinander kombiniert: faszinierend der „Hammer, gefesselt“, der bedrohlich und fast rachsüchtig von alten, gehämmerten Nägeln umstellt ist.

Unterdessen prangert Ekaterina Zacharova den Mangel an Zwischenmenschlichkeit an: Die grauen Großstadtfrauen in „Atlantik Winds“ sind isoliert und regelrecht gefangen in der Kommunikation mit ihrem Smartphones, während sich die Männer in der gift-grünen kubanischen Bar („Abend in Havanna“), jeder für sich, dem Alkohol hingeben. Eine Verbindung zwischen den Geschlechtern? Fehlanzeige.

Anders bei Zacharovas Schülerin Muriel Breu, die mit einem eigenwilligen Porträt eines femininen Mannes oder einer maskulinen Frau („Layla“) besticht. „Wandlung“ heißt auch die Bronce von Antonia Leitner aus Reichersbeuern, die eine männliche Schulter mit der Flügelwunde eines gefallenen Engels zeigt. Leitner ist mit ihrem Lehrer und Mentor Otto Wesendonck aus Waakirchen und Klaus Altmann aus Rottach-Egern das erste Mal auf der Gmundart vertreten.

Besonders stolz ist Gmundart-Mitinitiator Hans Weidinger auf den vielfach ausgezeichneten Ausstellungsgast Willy Reichert aus Wasserburg. Sein „Blick auf die Theatiner Kirche“ oder auf die „Salzburg“ stellen sich unter der den Morgennebel durchbrechenden Sonne wie römische Ansichten dar. In seinen Werken können sich die Ausstellungsbesucher ebenso verlieren wie in Hans Reisers „Beziehungskisten“. Der Karikaturist fesselt mit der Vielschichtigkeit seines Werkes. Und Hein Wachinger aus Schrobenhausen folgt mit seinem „Schwarzmaler“ und „Weißmaler“ auf dem surrealistischen Pfad.

Das Jagerhaus, so fasste es Bürgermeister Alfons Besel zusammen, werde hier zum Resonanzkörper von Farben und Formen, die zum Staunen, Denken und bisweilen auch zum Kopfschütteln einladen. „Die 15. Gmundart baut Brücken und schafft Begegnungen. Das ist der Mehrwert der Kunst“, freute sich Besel.

Zu sehen sind die Werke noch bis 13. Mai täglich von 14 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.

ak

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