Der Ort Gmund soll auch für die Kinder und Kindeskinder noch lebenswert sein. Bürgermeister Alfons Besel will die Gemeinde daher nach den Zielen der Gemeinwohlökonomie entwickeln.
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Der Ort Gmund soll auch für die Kinder und Kindeskinder noch lebenswert sein. Bürgermeister Alfons Besel will die Gemeinde daher nach den Zielen der Gemeinwohlökonomie entwickeln.

„Wollen nicht mit Verboten arbeiten“

Das sagt Bürgermeister Alfons Besel über die Gemeinwohlökonomie in Gmund

  • Christian Masengarb
    VonChristian Masengarb
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Die Gemeinde Gmund hat sich der Gemeinwohlökonomie verschrieben. Was das für die Zukunft und die Entwicklung des Orts bedeutet, erklärt Bürgermeister Alfons Besel im Interview.

Gmund – Im August hat der Gemeinderat Gmund einstimmig beschlossen, den Ort nach den Zielen der Gemeinwohlökonomie (GWÖ) entwickeln zu wollen. Das Nachhaltigkeitskonzept des Österreichers Christian Felber hat glühende Anhänger und harte Kritiker. Im Gespräch erklärt Bürgermeister Alfons Besel (FWG), wie das Konzept in Gmund funktionieren soll, warum die Gmunder keine Verbote fürchten müssen und warum er die GWÖ als Standortvorteil sieht.

Herr Besel, Gmund hat sich der Gemeinwohlökonomie verschrieben. Was erwartet die Menschen jetzt? Haben zum Beispiel Bauinteressenten künftig schlechte Karten?

Alfons Besel: Nein. Wir werden nicht mit Ge- oder Verboten arbeiten. Bei der Gemeinwohlökonomie geht es darum, gemeinsam mit den Menschen für die Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte gute Marschrichtungen zu finden.

Wie soll das genau laufen? Bleiben wir beim Bauen.

Alfons Besel: Es ist so: Wir brauchen Bauland, wir brauchen Wohnungen. Wer nachhaltig plant, berücksichtigt diese sozialen Aspekte. Er bedenkt aber auch die ökologischen. Das heißt, es gibt Zielkonflikte: Wie schaffe ich Wohnraum und spare gleichzeitig Flächen? Über die GWÖ und die Diskussion, die sie anstößt, erwarte ich gerechte Lösungen für diese Konflikte. Dadurch kann das Bauen sogar günstiger werden. Indem Baugemeinschaften gegründet werden, zum Beispiel.

Ok. Aber braucht die Gemeinde dafür eine Gemeinwohlökonomie? Diese Konflikte hätten Sie ohnehin zu lösen versucht.

Alfons Besel: Natürlich, das stimmt: Wir in Gmund setzten uns schon seit dem Jahr 2000, als wir den Agenda-Prozess gestartet haben, mit dem Thema Nachhaltigkeit auseinander. Die GWÖ habe ich im März 2018 zum ersten Mal wahrgenommen, bei einem Vortrag von Franz Galler in der Grundschule Gmund. Damals habe ich sie noch kritisch gesehen, weil ich das Thema Nachhaltigkeit im Agenda-Prozess besser aufgehoben gesehen habe. Mittlerweile habe ich meine Meinung geändert, weil die GWÖ Nachhaltigkeit greifbarer und messbarer macht.

Sie spielen auf die Gemeinwohlmatrix an, die Ziele wie „Mitbestimmung und Transparenz“ oder „Ökologische Nachhaltigkeit“ von null bis 100 Prozent Erfolg misst.

Alfons Besel: Genau. Die Matrix ist ein wichtiges Werkzeug, weil die Gemeinde viele Rollen bei der Nachhaltigkeit hat: Wir planen Sanierungen von Gemeindegebäuden, lassen LED-Straßenlampen einbauen, machen die Bauleitplanung und vieles mehr. Die Matrix verdeutlicht die Werte, die wir dabei im Auge behalten wollen. Sie zeigt auch, wo wir bei Gemeinwohl und Nachhaltigkeit stehen und wo noch Potenzial vorhanden ist. Das hilft uns, den Überblick zu behalten und richtig zu entscheiden.

Wann wollen Sie die Bürger einbinden?

Alfons Besel: Wir wollen den Prozess solide aufbauen, nicht reinstolpern. Derzeit bereiten wir einen Antrag auf Leader-Förderung für einen externen Betreuer vor, der das Projekt begleiten wird. Ich gehe davon aus, dass wir entweder Ende nächsten Jahres oder 2023 anfangen, mit den Bürgern in Workshops die Ziele und Überprüfungsmechanismen für die GWÖ zu erarbeiten. Gibt es einen Arbeitskreis, der prüft ob zum Beispiel Mitbestimmung und Transparenz besser geworden sind oder schlechter? Oder machen wir alle zwei Jahre einen erneuten Workshop?

Blicken wir 20 Jahre in die Zukunft. Wann war das Projekt ein Erfolg, wann ein Misserfolg?

Alfons Besel: Ein Misserfolg war es, wenn es ein Papiertiger bleibt. Ein Erfolg war es, wenn sich unsere Kinder und Kindeskinder in Gmund wohlfühlen und hier die Ressourcen finden, um ihr Leben gestalten zu können. Ein Erfolg wäre auch, wenn sich Unternehmen für Gmund entscheiden, weil sie das innovative und nachhaltige Klima als Standortvorteil sehen.

Einige kritisieren die Gemeinwohlökonomie als wettbewerbs- und wirtschaftsfeindlich. Sie sehen sie als Standortvorteil?

Alfons Besel: Ja. Arbeitnehmer schauen stark darauf, mit welchen Unternehmen sie sich verbandeln. Weil qualifizierte Arbeitnehmer in Orte ziehen, in denen sie gut und nachhaltig leben können, finden Unternehmen dort die besten Mitarbeiter. Das macht die GWÖ zum Standortvorteil. Außerdem sind Nachhaltigkeit und Gemeinwohl nicht nur Lippenbekenntnisse der Unternehmen. Sie tragen die Idee mit.

Sie bieten den Nährboden, diese Ziele zu erreichen?

Alfons Besel: Genau. Das ist ein weiterer Standortvorteil. Generell denke ich, die Gemeinwohlökonomie ist kaum verdächtig, das bestehende Wirtschaftssystem revolutionieren zu wollen. Sie vertritt die gleichen Werte wie die Soziale Marktwirtschaft: Freiheit, Verantwortung, Solidarität.

mas

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