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Elisabeth Leutheusser von Quistorp 1970 in Bonn mit Erhard und heute.

Zum 40. Todestag: „Er liebte diese Gegend“

Interview: Ludwig Erhards Hausdame über sein Leben in Gmund

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„Es war eine innige Freundschaft“, sagt Elisabeth Leutheusser von Quistorp, die für den Bundeskanzler als Hausdame gearbeitet hat - und oft in Gmund dabei war. Sie weiß warum Ludwig Erhard den Tegernsee so schätzte.

Gmund - Am Freitag, 5. Mai, jährt sich zum 40. Mal der Todestag des früheren Bundeskanzlers Ludwig Erhard. Er lebte von 1953 bis zu seinem Tod 1977 auch in Gmund. Elisabeth Leutheusser von Quistorp war Hausdame im Kanzlerbungalow in Bonn und für besondere Veranstaltungen während der Kanzlerschaft am Ackerberg. Sie erzählt, wie sie Erhard hier in Gmund erlebt hat.

Frau Leutheusser von Quistorp, wie viel Zeit verbrachte Herr Erhard eigentlich in Gmund?

Herr Professor Erhard! Er wollte, dass wir ihn so anreden und nicht mit „Herr Bundeskanzler“, weil er überzeugt war, dass Bundeskanzler jeder werden könnte, Professor aber nicht. Also: Er kam zu den Parlamentsferien, zu Feiertagen, an Ostern, zu Pfingsten, an Weihnachten und in den Sommerferien. Da war er prinzipiell gerne am Tegernsee.

-Waren Sie immer dabei?

Wenn es protokollarische Dinge zu regeln galt oder sich besondere Gäste ansagten, dann begleitete ich ihn an den Tegernsee.

-Wie sind Sie denn angereist?

Wir fuhren mit dem Nachtzug von Bonn bis nach Schaftlach. Bis dahin ging die Deutsche Bundesbahn. In Schaftlach hat uns dann der Fahrer abgeholt. Der fuhr vorher schon runter mit dem Hausmädchen und der Köchin.

-Wie hat Ludwig Erhard seine Zeit am Tegernsee verbracht?

Er war ein sehr belesener Mann. Er las seine Akten sehr genau und war für jedes Gespräch exzellent vorbereitet, wusste alle Hintergründe. Zur Entspannung las er dann gerne Krimis und schaute sich den Sport im Fernsehen an.

-Es heißt, er war sehr volksnah. Hatte er Lieblingslokale, Lieblingsplätze hier am See?

Das Café Königslinde in Bad Wiessee zum Beispiel, da hat er den Kuchen für seinen Besuch gekauft. Dann wurden Ausflüge gemacht zur Schwaigeralm in Kreuth. Wenn’s was Besonderes sein sollte, dann ging’s zum Hotel Bachmair am See in Rottach-Egern. Oder wir waren im Bachmair-Weissach beim Essen. Ganz gerne waren wir beim „Litsche“ (Anm. d. Red.: früherer Name für den Feichtner Hof in Finsterwald), gleich am Ackerberg ums Eck.

-Wo haben Sie gewohnt?

Wenn ich aus Bonn kam, wohnte ich in einem Haus im Herzogweg, wo früher das Büro war. Erhard wohnte anfangs in dem Sommerhaus seiner Frau Luise oberhalb der Bundesstraße bei Holz. Dort hat er immer Urlaub gemacht. Und dann baute Architekt Sep Ruf das Haus am Ackerberg. Als Herr Professor Erhard Minister wurde (Erhard war Bundeswirtschaftsminister von 1949 bis 1963 – Anm. d. Red.) fand er, dass er was Eigenes haben möchte. Am Ackerberg hatte damals ein Bauer alles abgeholzt, da war der Bau möglich.

-War der Bau umstritten?

Heute würde es einen Aufschrei durch die Schutzgemeinschaft geben. Nein, es gab keine Probleme. Ludwig Erhard kam zu Sep Ruf, der noch ein Grundstück frei hatte. Ruf, übrigens auch Professor, sagte ihm, dass er so bauen müsse, wie er, Ruf, es geplant habe. Die drei Häuser hätte er als Ensemble im Landratsamt eingegeben, und so müsse es werden.

-Es wurde kein Tegernseer Landhaus...

Er hat sich schnell angefreundet damit, weil man in diesem Haus mit den Fenstern bis zum Boden ja quasi mit der Natur lebt. Das ist ja ein Postkartenblick auf den Tegernsee, wenn man so will.

-War es immer klar, dass er einmal in Gmund beerdigt werden würde?

Er liebte diese Gegend, war hier zuhause, fühlte sich wohl. Und dann wurde auch seine Frau, die vor ihm starb, hier beerdigt. Am Bergfriedhof hat er den Blick hinüber zum Ackerberg.

-Es ist wirklich schön, dass Sie sich an alles so erinnern...

Ich habe lange am Ackerberg gewohnt. Später kam Professor Erhard oft zu mir zum Essen. Er war ja auch mein Trauzeuge, als ich damals in der Gemeinde Dürnbach beim damaligen Bürgermeister Hans Taubenberger getraut wurde. Da ließ er sich nicht lange betteln. Nachdem ich nach 25 Jahren geschieden wurde, habe ich in Ostin und in Tegernsee gewohnt, heute lebe ich in München. Meine Kinder gingen in Gmund und Tegernsee zur Schule.

-Wie lange haben Sie Ludwig Erhard eigentlich als Hausdame begleitet?

Ich kam in den Kanzlerbungalow, als dieser 1964 fertiggestellt wurde und war dann bis zu seinem Rücktritt als Bundeskanzler 1966 dort tätig. Anschließend arbeitete ich noch für die Kanzler Kurt Georg Kiesinger und bis 1970 für Willy Brandt. Wir verstanden uns sehr gut, es war eine sehr innige Freundschaft. Bundeskanzler Kiesinger gab mir sogar frei, um hier in Gmund Ludwig Erhards 70. Geburtstag mitzugestalten.

-Sie müssen dieser Tage sicherlich einige Interviews geben. Wie ist das Interesse an diesem 40. Todestag?

In Fürth, wo sein Geburtshaus steht, wird ein Ludwig-Erhard-Zentrum gebaut. Dafür habe ich einige Fotos und Gegenstände herausgesucht.

-Ganz ehrlich: Wie finden Sie das Denkmal zu Ehren Ludwig Erhards in Gmund?

(lacht) Ich hab das ja mitfinanziert. Das Modell hatte ich mir angeschaut und war ganz angetan. Die Idee war gut, aber leider stimmen die Proportionen nicht. Mehr will ich dazu nicht sagen.

-Kommen Sie zur Kranzniederlegung am Bergfriedhof?

Natürlich werde ich dabei sein.

gr

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