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Neuer Biergarten auf Gut Kaltenbrunn - schöne Sache, aber auch der braucht Parkplätze zuhauf.

Geschickt: Käfer braucht nicht mal einen Bauantrag

Für Kaltenbrunn: Gmund ermöglicht Parkplatz

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Gmund – Der Gmunder Gemeinderat hat am Montag mit der Mehrheit von 12:7 Stimmen den Weg für den Käfer-Parkplatz geebnet. Dank eines Kniffs braucht Käfer nicht mal einen Bauantrag.

Es ist ein geschickter Kniff, den Kaltenbrunn-Betreiber Michael Käfer, die Gemeinde Gmund und das Landratsamt Miesbach da anwenden: Der Parkplatz für etwa 125 Autos wird öffentlich gewidmet, damit nicht nur Kaltenbrunn-Gäste, sondern auch Wanderer und Badegäste ihn nutzen können. Denn schließlich, so das Argument, sei auch die Öffentlichkeit für das Park-Chaos an der Bundesstraße verantwortlich, das der Polizei im vergangenen Sommer Sorgen bereitete. 

Geschickter Schachzug: Käfer braucht gar keinen Bauantrag

Damit ist kein Bauantrag und keine Herausnahme der Fläche aus dem Landschaftsschutzgebiet, sondern lediglich eine Befreiung von den Schutzvorschriften nötig. Damit muss nicht der Kreistag entscheiden, lediglich eine Abwicklung auf dem Verwaltungsweg ist erforderlich.

Fünf Meter breite Fahrspur mit Stellplätzen auf beiden Seiten

Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) hat dem Parkplatz schon den Kampf angesagt, und auch im Gmunder Gemeinderat war das Thema umstritten. Bei einer Ortsbegehung hatten sich die Mitglieder ein Bild von dem Eingriff machen können, im Sitzungssaal gab’s eine Skizze dazu erstmals zu sehen: 

Geplant ist eine Abbiegespur von der Kaltenbrunner Straße und eine fünf Meter breite Fahrspur mit beidseitig angeordneten Stellplätzen. Eine neue Baumreihe säumt den Parkplatz, der nur bei Bedarf zur Verfügung stehen soll, ein. Eine Schranke soll die Öffnung regeln. Auf der Bundesstraße sollen zwei Querungshilfen entstehen.

"Wir sollten Mut haben, nein zu sagen."

„Wir sollten den Mut haben, Nein zu sagen“, forderte Grünen-Rätin Laura Wagner ihre Kollegen auf. Um die Attraktivität des Tals zu erhalten, dürfe nicht alles zubetoniert werden. Und von Investoren könne die Gemeinde durchaus was fordern. „Käfer hat seine Parkplätze im Innenhof nachgewiesen, das war der Deal“, sagte Wagner. Sich jetzt unter Druck setzen zu lassen, weil Käfer dort Events plant und einen anderen Parkplatz benötigt, sei der falsche Weg. Helga Wagner (Grüne) vermisste die „nötige Sensibilität bei der Planung“ und sah sich in der Pflicht, Nein zu sagen. „Sonst verlieren wir unsere Glaubwürdigkeit.“

"Plan ist nicht durchdacht"

Ebenso wie Barbara von Miller (SPD), die vor „vorauseilendem Gehorsam“ warnte, hielt auch ihr Fraktionskollege Michael Huber die öffentliche Widmung einer privat genutzten Fläche für rechtlich fragwürdig. Huber kritisierte die Zerstörung von einem halben Hektar Wiese und forderte Alternativen: „Die Gemeinde hat keine Verpflichtung, Gewehr bei Fuß zu stehen. Wir haben keinen Zeitdruck, da ist es mir egal, ob die Polizei ein Sicherheitsproblem sieht.“ Der Plan sei nicht durchdacht, fand Huber.

Wird der "Balkon zum Paradies" bald Bauland?

Vize-Bürgermeister Georg Rabl (FWG) hatte Sorgen vor künftigen Entwicklungen: „Die Bebauung der nördlichen Wiesen ist der Einstieg in eine weitere Bebauung. Das wäre ein Sündenfall.“ Rabl, der Kaltenbrunn als „Balkon zum Paradies“ bezeichnete, forderte ebenfalls alternative Ideen – etwa ein Parkdeck auf dem jetzigen, gepflasterten Parkplatz. Davon halte Kreisbaumeister Werner Pawlovsky aber nichts, wusste Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) und zitierte aus der Begründung: Ein Parkdeck, so Pawlovsky, wäre eine Beeinträchtigung eines überregional bedeutenden Bauwerks.

CSU-Fraktion stimmt mit "Bauchschmerzen" für die Lösung

Zu den Befürwortern gehörte zwar CSU-Sprecher Alfons Wagner. Er machte aus vielen schlaflosen Nächten und seinem Ringen um die richtige Entscheidung aber kein Geheimnis: „Ich werde mit Bauchweh zustimmen, da der Parkplatz das notwendige Übel ist.“ Martina Ettstaller (CSU) fühlte sich gar „über den Tisch gezogen“ wegen der ganzen Parkplatz-Knappheit, war aber insgesamt froh, „dass Kaltenbrunn nicht an irgendeinen Russen verscherbelt wurde“. Ja, ihr tue es leid wegen der Wiese, aber letztlich werde sie zustimmen. 

Preysing junior: "Nicht der feine Weg"

Franz von Preysing (CSU) sah zwar ein, dass das Genehmigungsverfahren „nicht der feine Weg“ sei. Er hielt den Parkplatz aber für machbar und wegen der zusätzlichen Baumreihe „nicht so schlimm“. Der Betrieb in Kaltenbrunn sei insgesamt wichtig für Gmund. Otmar Strassmüller sprach von einer „vernünftigen Lösung“.

Bürgermeister: "Parkfläche überschaubar"

Rathauschef Preysing hielt sich dezent zurück, da er sich nicht einseitig positionieren wolle. Auch er bedauere die Vernichtung landwirtschaftlich genutzter Fläche, insgesamt hielt er den Parkplatz, der mit Schotterrasen angelegt und wieder zurückbaubar sei, für vertretbar. „Halten wir das Park-Chaos aus oder stimmen wir einer relativ überschaubaren Parkfläche zu?“, lautete sein abschließende Frage. Die Mehrheit von 12:7 war dafür, mit der Zustimmung zu einer öffentlichen Widmung den Weg für den Parkplatz zu ebnen.

gr

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