Mitnichten ein Selbstbedienungsobjekt: Wer an Hydranten (hier in Festenbach) Wasser abzapft, macht sich des Diebstahls schuldig. Der örtliche Versorgungsverein will das künftig konsequent verfolgen.
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Mitnichten ein Selbstbedienungsobjekt: Wer an Hydranten (hier in Festenbach) Wasser abzapft, macht sich des Diebstahls schuldig. Der örtliche Versorgungsverein will das künftig konsequent verfolgen.

Unerlaubtes Abzapfen an Hydranten

Kampf gegen den Wasserdiebstahl - Versorgungsverein will Fälle künftig anzeigen

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
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Immer wieder kommt es vor, dass Privatleute Hydranten anzapfen, um Wasser zu entnehmen. Der Wasserversorgungsverein Gmund-Dürnbach will das nicht länger dulden. Er kündigt an, solche Fälle künftig anzuzeigen.

  • Um ihre Pools zu füllen, zapfen Privatleute immer wieder Hydranten an
  • Ein Versorger aus Gmund möchte diesen Wasserdiebstahl nicht länger hinnehmen
  • Er kündigt an, solche Delikte künftig konsequent zu verfolgen

Gmund – Wasserdiebstahl an Hydranten ist kein Kavaliersdelikt. Weil der Wasserversorgungsverein Gmund-Dürnbach als einer der drei Wasseranbieter in Gmund sein Versorgungsnetz und seine Abnehmer schützen und auch nicht länger auf Kosten sitzen bleiben möchte, will er Verstöße künftig konsequent verfolgen.

Die heißen Sommer geben es her: Der Trend geht zum privaten Swimmingpool. Nicht nur erdverbaute, sondern vor allem jene, die schnell aufgebaut oder aufgeblasen sind, scheinen seit Wochen geradezu aus dem Boden zu ploppen. Auch im Tegernseer Tal und auch im Versorgungsgebiet des Wasserversorgungsvereins Dürnbach-Festenbach. Dort macht sich aber auch ein anderer Trend bemerkbar: Offensichtlich ist es so, dass die Pool-Besitzer das Wasser für die Füllung einfach aus Hydranten zapfen – ohne zu fragen, unerlaubt und obendrein ohne dafür zu bezahlen.

Entnahme von Trinkwasser aus Hydranten „kein Kavaliersdelikt“

Der Wasserversorgungsverein Dürnbach-Festenbach macht deshalb die Wasserabnehmer darauf aufmerksam, dass die Entnahme von Trinkwasser aus Hydranten ohne Gestattung der technischen Betriebsleitung kein Kavaliersdelikt ist. „Ohne ausdrückliche Genehmigung stellt diese Handlung Wasserdiebstahl sowie Eingriffe in das Versorgungsnetz dar und wird seitens des Vereins künftig energisch verfolgt und zur Anzeige gebracht“, erklärt der Verein.

Der Betriebsleiter könne es auf dem Computer ablesen, wenn plötzlich 20 oder mehr Kubikmeter Wasser im System abgehen. Dann sinkt der Druck in den Leitungen rapide ab, und das Programm meldet eine Störung. Anders als beispielsweise bei einem Wasserrohrbruch, bei dem das Wasser quasi kontinuierlich versickert, steigt bei einer Hydrantenentnahme der Verbrauch quasi ruckartig an.

Illegale Entnahme kann schwerwiegende Folgen fürs Versorgungsnetz haben

Das hat Folgen. Zum einen muss der Verein abklären, dass nicht eventuell doch Leitungen defekt sind. Das ist aufwendig sowie mit Personaleinsatz und damit auch mit Kosten verbunden. Zum anderen kann eine illegale Entnahme auch schwerwiegende Auswirkungen auf das Versorgungsnetz haben: Wenn die Leitung ad hoc leer gesaugt wird, entsteht ein Vakuum, das wiederum Fremdwasser von außen in das Rohrsystem zieht. Nicht selten ist dieses Fremdwasser verunreinigt, und dann gelangen Keime und Bakterien ins System. Dieses davon wieder zu befreien, sei extrem aufwendig, heißt es seitens des Versorgers: Das Wasser oder vielmehr die Leitungen müssen gechlort werden, bis auch der letzte Wasserhahn der Abnehmer erreicht ist. Auch muss das Trinkwasser bis zur Entwarnung abgekocht werden. Und schließlich kann der Druckverlust auch Haushaltsgeräte und -technik beschädigen.

Auch Tankwägen und andere Maschinen werden gerne mit dem Wasser befüllt

Beim Wasserversorgungsverein Dürnbach-Festenbach geht man derweil davon aus, dass Hydranten nicht nur zum Auffüllen von Pools angezapft werden, sondern auch zum Befüllen von Tankwägen und anderer Maschinen sowie für Kanalspülungen. Das sei auch nichts Neues. Es gebe sowohl im gewerblichen als auch im landwirtschaftlichen Sektor Leute, die seit Generationen einen sogenannten Hydrantenschlüssel besitzen und damit Wasser abzapfen.

Lesen Sie hier: Ostiner Schneekanonen schuld an gechlortem Wasser?

Der Verein mahnt nun an, etwaige Wasserentnahmen an Hydranten wenigstens anzumelden. Der Wasserversorger könne dann die voraussichtliche Entnahme berechnen, dem Druckverlust proaktiv gegensteuern und das Wasser gesondert in Rechnung stellen. Dann würde die Bilanz am Ende des Jahres auch ausgeglichener aussehen. Denn in manchen Jahren beträgt beim Wasserversorgungsverein Dürnbach-Festenbach die Differenz zwischen den bezahlten Wassermengen und der Gesamtfördermenge zwischen 10 und 20 Prozent. Ein Teil sicher auch durch unerkannte Rohrbrüche. Doch unerlaubte Entnahme an Hydranten möchte der Verein nicht mehr hinnehmen.

ak

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