In geballter Stärke traten die jungen Mountainbiker im Vorfeld der Gmunder Gemeinderatssitzung auf. Sie wollten damit ihrem Wunsch nach einem Bikepark Nachdruck verleihen.
+
In geballter Stärke traten die jungen Mountainbiker im Vorfeld der Gmunder Gemeinderatssitzung auf. Sie wollten damit ihrem Wunsch nach einem Bikepark Nachdruck verleihen.

Mountainbike-Nachwuchs zeigt Flagge

Kontroverse Diskussion über Bikepark-Idee: Trails in Gmund nicht erwünscht

Ein Bikepark - das wäre der Herzenswunsch des Gmunder Mountainbike-Nachwuchses. Der Gemeinderat jedoch konnte sich nur für einen kleinen Teil der Idee erwärmen. Die Anlage von Trails wurde abgelehnt.

  • Der Gmunder Mountainbike-Nachwuchs wünscht sich einen Bikepark
  • Im Gemeinderat wurde die Idee lange und kontrovers diskutiert
  • Am Ende war klar: Die gewünschten Trails durch den Wald wird es nicht geben
  • Gmund will aber einen „Bike-Spielplatz“ ermöglichen

Gmund – Dass die Kinder und Jugendlichen gewillt sind, sich für das Projekt Bikepark stark zu machen, demonstrierten sie eindrucksvoll: In geballter Menge empfingen sie auf ihren Mountainbikes die Gemeinderäte zur Sitzung im Neureuthersaal und machten mit lautem Klingeln auf sich aufmerksam.

Ralf Jirgens und Simon Englhart stellten den Antrag sodann im Gremium vor. „Wir stehen hier stellvertretend für unseren Nachwuchs“, betonte Jirgens. Angefangen hatte die Idee damit, dass seine Söhne das Modell eines Bikeparks gebastelt hatten. Um auch andere junge Mountainbiker zu begeistern, hatten sie gemeinsam mit ihren Freunden Unterschriften gesammelt. Auch eine Fläche hatten die Initiatoren bereits ins Auge gefasst: das Grundstück der Gemeinde hinter dem Tegernseer Hof. „Durch die Nähe zum Skateboard-Platz und dem Eisplatz im Winter wäre das optimal“, fanden die Antragsteller.

Jugendliche sollten beim Bau der Trails selbst mithelfen

Die Vorstellungen vom künftigen Bikepark waren schon recht konkret: Neben einem Pumptrack – einem künstlich angelegten Rundkurs für Mountainbiker – könnte auch der Hang im Wald neben der alten Skischanze eingebunden werden. Hier könnten, so die Idee, Trails in verschiedenen Schwierigkeitsstufen entstehen, darunter ein so genannter Flow-Trail mit vielen Kurven und ein Naturtrail über Waldboden. Auch über die Umsetzung hatte man sich Gedanken gemacht: Angelegt würde der Parcours in Eigeninitiative. Die Jugend sollte beim Anlegen der Trails selbst Hand anlegen und so das Areal nach eigenen Bedürfnissen gestalten dürfen. Wie die Initiatoren weiter erläuterten, sollte der Bikepark nicht kommerziell betrieben werden, sondern den Jugendlichen in Gmund und im Tegernseer Tal zugute kommen, möglicherweise auch durch Gründung eines eigenen Vereins.

Lehrer der Realschule hatte Idee unterstützt: „Begeisterung fürs Mountainbiken wächst“

Zustimmung für die Idee kam von der Realschule in Finsterwald, vertreten durch Lehrer Markus Baum. „Die Begeisterung fürs Mountainbiken ist stark gestiegen“, erklärte er. Leider fehle es jedoch im Tegernseer Tal an entsprechenden Anlagen, weshalb Jugendliche mittlerweile bereits Trails in Eigenregie bauen würden. „Das ist nicht ungefährlich, hier besteht Verletzungsgefahr“, konstatierte der Lehrer, der vor einigen Jahren sein Wahlfach Mountainbiken aufgeben musste, da es in der Nähe keine entsprechenden Anlagen gibt.

Gemeinderäte fürchten Lärm und Schäden für die Natur

Kritisch wurden große Teile des Projekts im Gemeinderat gesehen. Dieser hatte im Vorfeld Bikepark-Anlagen in Miesbach, Bad Feilnbach und Samberberg besichtigt. Lärmbelästigungen für Anwohner und Gäste des Tegernseer Hofs befürchtete etwa Barbara von Miller (SPD). Sie meinte sogar zu wissen, dass die Jugendlichen beim Mountainbiken stets laute Musik benötigten. Äußerst kritisch sah sie auch die Einbeziehung der Hainznhöhe: „Da sind Probleme zwischen Spaziergängern und Bikern vorprogrammiert.“

Laura Wagner (Grüne) monierte die ihrer Ansicht nach zu gravierenden Eingriffe in die Natur. Der gar „ungeeignetste Standort“ für einen Bikepark war das Grundstück in den Augen von Tobias Bauer (CSU): „Wir haben ja schon jetzt Probleme mit den Langläufern.“

Deutliche Worte der Gmunder Jugendreferentin

Angetan von der Idee zeigte sich dagegen Korbinian Kohler (CSU): „Hier sitzen die Kinder nicht mehr nur vor dem Computer, sondern sind in der Natur und an der Luft.“ Und Maria Kaulfersch (FWG) bedauerte das Niederschmettern einer Idee, die noch gar nicht konkret sei. Deutliche Worte fand auch Jugendreferentin Christine Zierer (FWG): „Wir wollen zwar eine jugendfreundliche Gemeinde sein, aber die Kinder dürfen bei uns nicht älter sein als neun und dann erst mit 18 wieder aufschlagen.“

Lesen Sie hier: Mountainbiken am Taubenberg: Behörden sagen illegalen Radlern den Kampf an - Empfindliche Bußgelder drohen

Nach langer Diskussion wurde schließlich beschlossen, die Idee der Trails nicht weiter zu verfolgen. Einem „Bike-Spielplatz“ oder Pumptrack steht das Gremium aber offen gegenüber – die Errichtung, sei es nun in Finsterwald oder doch in Ostin, wurde einstimmig befürwortet. Diese Tatsache stellte die Gemeinde Gmund gestern auch noch einmal in einer eigenen Pressemitteilung heraus. Darin erklärt Bürgermeister Alfons Besel: „Ich freue mich, dass wir am Ende einer lebhaften Diskussion einstimmig die nächsten Schritte in Richtung Bike-Spielplatz für unsere Gmunder Jugendlichen auf den Weg bringen konnten.“

Stefan Gernböck

Auch interessant

Kommentare