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Konzepte und Ideen zum selbstbestimmten Älterwerden: Diakonie Tegernseer Tal stellt Wohnformen vor

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Von: Alexandra Korimorth

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„Es gibt viele Möglichkeiten der Unterstützung“: Monika Klöcker, Verwaltungsleiterin der Diakonie Tegernseer Tal, die sich an der Aktionswoche „Zu Hause daheim“ beteiligt. © Thomas Plettenberg

„Es gibt viele Möglichkeiten der Unterstützung“, sagt Monika Klöcker. Im Interview stellt die Verwaltungsleiterin der Diakonie Tegernseer Tal Wohnformen im Alter vor.

Gmund – „Zu Hause daheim“ heißt eine Aktionswoche des Bayerischen Sozialministeriums, die noch bis 26. Mai läuft. Initiativen, Organisationen und Kommunen stellen dabei ihre Konzepte und Ideen rund um das selbstbestimmte Älterwerden vor. Mit dabei ist im Landkreis unter anderem die Diakonie Tegernseer Tal. Verwaltungsleiterin Monika Klöcker gibt einen Überblick über mögliche Wohnformen im Tal.

Frau Klöcker, die Aktionswoche findet alle zwei Jahre und jetzt das dritte Mal statt – und das erste Mal mit der Diakonie Tegernseer Tal. Wie kommt‘s?

Nun, die Pflegedienste wurden vom Ministerium über die Aktion informiert, und weil das selbstbestimmte Älterwerden eines der brennendsten Themen unserer Zeit ist – auch im Tegernseer Tal –, nehmen wir daran teil. Wir beleuchten die Wohnformen jeden Tag aus einem neuen Blickwinkel. Dass das Wohnen im Alter hier ein so wichtiges Thema ist, liegt an der Altersstruktur im Tal. Durch die vielen Zuzüge derer, die ihren vierten Lebensabschnitt hier verbringen wollen, sind laut Statistischem Bundesamt 27 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre und sieben Prozent über 80 Jahre. Das Thema ist seit gut einem Jahr eines unserer Strategiethemen.

Auch weil man auf dem Immobilienmarkt hier nicht ohne Weiteres etwas Altersadäquates findet?

Schon. Aber grundsätzlich möchten die Menschen in ihrer gewohnten Umgebung, in ihrem Zuhause bleiben – und das so lange wie möglich. Dafür gibt es im Tegernseer Tal viele Möglichkeiten der Unterstützung. Da sind wir gut aufgestellt.

Kommt diese überwiegend aus den Familien?

Bei den Einheimischen gibt es viele, die bereit sind, ihre Familienangehörigen zu pflegen, was gut mit den Angeboten der ambulanten Pflegedienste ergänzt werden kann. Aber es gibt im Tegernseer Tal eben auch sehr viele, die sich hier zur Ruhe gesetzt haben und die entweder keine Angehörigen haben oder deren Angehörige weit entfernt leben. Da muss die Hilfe dann allein über einen ambulanten Pflegedienst kommen. Hier haben wir im Vergleich zum bundesdeutschen Durchschnitt einen überdurchschnittlichen Bedarf – eben direkt proportional zum Altersdurchschnitt.

Kann dieser Bedarf denn gedeckt werden?

Gott sei Dank haben wir mehrere ambulante Pflegedienste – aus den Wohlfahrtsorganisationen und private – die die zu erwartende Zunahme von Pflegebedürftigen zu Hause betreuen können. Dass wir auch Anbieter für Pflegehilfsmittel vor Ort haben, erleichtert das sehr. Es gibt zudem eine gute hauswirtschaftliche Versorgung, wobei auch hier der Bedarf steigt. Weitere Unterstützung gibt es von der Nachbarschaftshilfe Tegernseer Tal – bei kleineren Besorgungen und mit Handreichungen.

Und wenn der Tag nicht mehr allein bewältigt werden kann?

Dann gibt es die Möglichkeit, eine Tagespflege zu nutzen – inklusiver ambulanter Pflege morgens und abends und Fahrdienst zur Einrichtung und zurück. Wir haben uns dieses Themas angenommen und stellen 24 Plätze in Bad Wiessee zur Verfügung. Voraussichtlich im Oktober zieht unsere Tagespflege im Haus Wallbergspitz ein.

Und wenn es nachts nicht mehr alleine geht?

Dann gibt es die Möglichkeit, eine 24-Stunden-Pflegekraft anzustellen, vorausgesetzt es sind Räumlichkeiten und die finanziellen Mittel vorhanden.

Welche Möglichkeiten bestehen, wenn es gar nicht mehr alleine geht?

Oder wenn das nicht mehr gewollt ist. Es gibt auch viele, die sich einsam fühlen und sich dann zunehmend für Alternativen interessieren. Aber eine klassische Alters-WG ist mir tatsächlich im Tegernseer Tal nicht bekannt. Wobei ich da generell die Erfahrung gemacht habe, dass man sich damit frühzeitig beschäftigen sollte. Wer mit 65 Jahren auf die Idee kommt, mit anderen einen Bauernhof in eine altersgerechte WG umzubauen, könnte scheitern. In Bad Wiessee gibt es immerhin ein sogenanntes Mehrgenerationenhaus, in dem bewusst junge Familien und ältere Menschen in einer Hausgemeinschaft leben. Meines Erachtens braucht es bei dieser Wohnform viel Engagement der Bewohner, um die gewünschten Kontakte im Alltag zu realisieren.

Aber wie sieht hierzulande die gelebte Praxis aus?

Wenn das Leben in der eigenen Wohnung mit Unterstützung nicht mehr passt, steht in der Regel der Umzug in ein Seniorenheim an. Im Tal sind die Anbieter gut aufgestellt und bieten in drei Häusern insgesamt rund 250 Plätze mit stationärer Pflege an. Hinzu kommt noch ein Wohnstift mit 105 Wohnungen.

Wer von der neuen Generation der rüstigen Senioren nicht ins Seniorenheim möchte, hat also keine Alternative?

Eine Alternative wäre das Servicewohnen in einer Wohnanlage, also das, was heute noch als Betreutes Wohnen bekannt ist. Servicewohnen umfasst Dienstleistungen bei weitgehender Selbstständigkeit, nach dem Motto: so viel Unterstützung wie nötig, und so viel Individualität wie möglich. Und dazu habe ich gute Neuigkeiten: Die Diakonie Tegernseer Tal hat einen potenziellen Partner gefunden, mit dem ein solches Projekt in Bad Wiessee realisiert werden könnte. Wenn alle Verhandlungen gut laufen, wird das Projekt gegenüber unserer neuen Tagespflege verwirklicht. Diese Wohnanlage soll dann auch Begegnungszentrum sein. Und damit dort alles den Bedürfnissen der Bevölkerung entspricht, beginnen wir mit der Aktionswoche eine Umfrage, welche Dienstleistungen in einer Einrichtung für Servicewohnen wichtig sind und welche Aktivitäten erwartet und gewünscht werden.

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Wohnformen im Alter

Der Diakonieverein hat eine Übersicht über Wohnformen im Alter erstellt. 

Leben zuhause 

Damit ein altersgerechtes Wohnen möglich ist, müssen oftmals vor allem Räume wie die Küche oder das Badezimmer altersgerecht umgebaut werden. Auch ein Treppenlift kann eine Option sein. Die Installation eines Hausnotruf-Systems kann zudem zusätzliche Sicherheit bringen, da bei einem Unfall oder Notfallschnell Hilfe gerufen werden kann. 

Leben zuhause bei professioneller Pflege 

Reicht die Pflege durch Angehörige nicht aus oder ist umstandshalber nicht möglich, kann ein Pflegedienst mit der Pflege des Seniors beauftragt werden. Dieser kümmert sich fach- und sachkundig um die tägliche Pflege des Pflegebedürftigen und kann zudem medizinische Aufgaben übernehmen. Die Finanzierung wird bei einem Pflegegrad von der Pflegekasse unterstützt. Neben ambulanten Pflegediensten gibt es zudem die Möglichkeit, eine private Pflegekraft zu engagieren.

Die Alters-WG

Jeder Senior bewohnt ein eigenes Zimmer, Küche und Bad werden gemeinsam genutzt. Außerdem gibt es in der Regel ein Gemeinschaftszimmer. Oft werden die Wohnprojekte von den Beteiligten selbst geplant und in Kooperation mit anderen (z.B. einem ambulanten Pflegedienst) umgesetzt. Wer in einem gemeinschaftlichen Wohnprojekt leben will, muss aber auch bereit sein, ein Stück seines Lebens mit anderen zu teilen und anderen zu helfen.

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Mehrgenerationenhaus

Die Idee sieht so aus: Junge Familien und ältere Menschen helfen einander in den verschiedenen Lebenssituationen und profitieren davon. Idealerweise gibt es in der Wohnanlage Gemeinschaftsflächen und ergänzende Serviceangebote, sei es durch Ehren- oder Hauptamtliche.

Betreutes Wohnen 

Im Betreuten Wohnen leben die Bewohner in einer eigenen, altersgerechten Wohnung mit Betreuungsservice im Bedarfsfall. Betreute Wohnungen sind gewöhnlich in eine Wohnanlage integriert, die soziale Kontakte der Bewohner untereinander fördert. 

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Seniorenheim 

Für ältere Menschen, denen das selbst– ständige Haushalten trotz Unterstüt– zung nicht mehr möglich ist, kann eine Versorgung in einer Senioren- und Pflegeeinrichtung eine große Erleichterung darstellen. Hier steht eine professionelle 24-Stunden-Betreuung zur Verfügung.

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