Stößt seit der Einführung auf Kritik: der Zug der Bayerischen Regiobahn vom Modell Lint 54, hier bei der Einfahrt in Gmund.
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Stößt seit der Einführung auf Kritik: der Zug der Bayerischen Regiobahn vom Modell Lint 54, hier bei der Einfahrt in Gmund.

Initiativen gegen Lint-Züge

Kritik aus dem „Kreischgau“ wird lauter

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Seit die neuen Lint-Züge der Bayerischen Regiobahn (BRB) im Einsatz sind, hagelt es Beschwerden. Im ganzen Oberland sind inzwischen Initiativen im Gange, so auch in Gmund.

  • Kritik an Lint-Zügen wird lauter.
  • Neue Initiativen in Gmund.
  • Bürgermeister bezieht im Gemeinderat Stellung.

Gmund – Quietschen, Hupen, fehlende Barrierefreiheit – quer durch das Oberland fordern betroffene Bürger, dass sich etwas ändert. Tatsächlich gibt es inzwischen verschiedene Initiativen. Rudolf Probst (62) nervt die Situation ganz besonders. Deshalb hat er jetzt eine Facebook-Gruppe gegründet. Sie heißt „Kreischgau“ und hält die Mitglieder unter dem Titel „Bayerische Regional Bahn – Die Horrorbahn für das gesamte Oberland!“ ständig auf dem Laufenden. Über 70 Mitglieder zählt die Gruppe inzwischen. Probst hofft, dass es noch viel mehr werden. „Ich hab’ nach einem Weg gesucht, Betroffene einzufangen“, begründet der Gmunder die Initiative. Die Facebook-Gruppe soll eine Plattform werden, um Erfahrungen mit der BRB zu bündeln.

Auch werden darin Briefe veröffentlicht, die Betroffene inzwischen an Politiker schreiben, etwa an Bürgermeister Alfons Besel. In einem wird er etwa aufgefordert, die „Lärmbelästigung zur Chefsache zu erklären“.

Kritik an Lint-Zügen: „Erschütternde Mängelliste“

Und das macht Besel auch. Am Dienstagabend im Gemeinderat kritisierte auch er das „unerträgliche Quietschen“, das man bis ins Rathaus hinauf höre. Er sprach von einer „erschütternden Mängelliste“ und informierte, dass er sich an BRB-Geschäftsführer Fabian Amini gewandt habe. „Der hat dann die bereits genannten Maßnahmen beschrieben“, so Besel. Dazu zählt die Instandsetzung der Schmieranlage in Gmund. Auch habe er im Landratsamt um Lärmmessungen gebeten. Die BRB, so Besel, sei in der Pflicht einen einwandfreien technischen Betrieb zu leisten. „Aus der Pflicht werden wir sie nicht nehmen.“ Georg Rabl (FWG) wetterte ebenfalls: „Wir wurden mit dem allerbilligsten Glump abgespeist, um die Zeit bis zur geplanten Elektrifizierung 2035 zu überbrücken. Das ist eine Frechheit.“

Derweilen gibt es weitere Initiativen: Eine Anwohnerin am Ludwig-Erhard-Platz ist im Schriftwechsel mit Landtagspräsidentin Ilse Aigner. Darin macht sie deutlich, dass die „mantra-mäßig wiederholten Argumente“ Aminis („Abwarten, wird sich schon einlaufen, muss noch nachjustiert werden“) keine Maßnahmen seien, um grundlegende Probleme zu lösen. Da technische Lösungen nicht in Sicht seien, zieht die Gmunderin folgenden Schluss: „Es ist der falsche, heruntergesparte Zug.“ Ihre Forderung und die der An- und Bewohner laute daher: Austausch der Lint-Züge.

„Bravo“, pflichtet der Gmunder Gleis-Anwohner Michael Much bei und fordert ebenso: „Da spielt sich nichts mehr ein, der Zug muss weg.“ Much hat inzwischen mit einem Fachanwalt für Baulärm Kontakt aufgenommen und setzt bei seiner Kritik auf juristischen Beistand.

Initiative fordert Austausch der Lint-Züge

Eine weitere Initiative geht von der Waakirchner Gemeinde- und Kreisrätin Gisela Hölscher (FW) aus. Nach der Demo in Holzkirchen für mehr Barrierefreiheit, hat sie sich einer Arbeitsgruppe angeschlossen, die im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gegründet wurde (wir berichteten). Zusammen mit den Mitglieder des Arbeitskreises – ihm gehören der Miesbacher Landkreis-Behindertenbeauftragte Anton Grafwallner, sein Tölzer Kollegen Ralph Seifert, der Lenggrieser Inklusionsbotschafter und Zweite Vorsitzende des deutschlandweit tätigen Vereins „UNgehindert“ Markus Ertl an – und dem Gmunder Rudolf Probst wurde ein Protestbrief formuliert. Dieser soll an politische Entscheidungsträger versandt werden. Abgesehen von der Geräuschthematik stehen Defizite im Bereich Barrierefreiheit im Mittelpunkt. Als Fazit wird in dem Schreiben ein umgehender Austausch der eingeführten Züge vom Modell Lint 54 gefordert.

Wer nun glaubt, am Quietschen der Züge in Gmund könnte sich schnell etwas ändern, der irrt – auch wenn man dies wegen aktuell installierter Hinweisschilder für eine kurzzeitige Sperrung des Bahnübergangs an der Max-Obermayer-Straße vermuten könnte. Montag und Dienstag, 21. und 22. September, sind dort Bauarbeiten am Gleis nötig – verbunden mit einer teilweisen Lärmbelästigung, weil der Belag des Bahnübergangs ausgebaut und eine Gleisstopfmaschine eingesetzt werden muss. „Das hat nichts mit der Quietsch-Problematik zu tun“, bekräftigt Heino Seeger, Geschäftsführer der Tegernsee Bahn Betriebs GmbH, und bittet schon jetzt um Verständnis für die Maßnahme.

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