An Bauzäunen  hängen bei der Ausstellung „Hibatzld“  auf Gut Kaltenbrunn Kunstwerke.
+
Spontan und improvisiert: An Bauzäunen stellen die Künstler bei „Hibatzld“ ihre Werke aus.

Ausstellung „Hibatzld“

Gemeinschaftsausstellung mit Messe-Charakter

  • Alexandra Korimorth
    vonAlexandra Korimorth
    schließen

Spontan, hemdsärmelig und improvisatorisch: Künstler aus dem Landkreis Miesbach machen mobil. Der Corona-Pandemie und sämtlicher Ausstellungsabsagen zum Trotz haben sie auf Gut Kaltenbrunn mit „Hibatzld“ eine Gemeinschaftsausstellung mit Messe-Charakter organisiert.

Gmund – 40 Künstler aus dem Landkreis sowie aus der Region von Bad Tölz bis München präsentieren drei Wochen lang Malerei, Skulptur und Fotografie in den weitläufigen Stallungen von Gut Kaltenbrunn. Dauer und die enorme Fläche sind dem coronabedingten Abstandsgebot und der Besucherzahlregelung geschuldet. Der viele Platz macht die Präsentation der insgesamt 350 Werke überhaupt erst möglich.

An mal mit Folie bespannten, mal nackten Bauzäunen, die mit Kabelbindern zwischen den Säulen befestigt sind und drei Gänge bilden, haben die Künstler ihre Arbeiten gehängt, sodass der Eindruck einer Kunstmesse a la „MucArt“ entsteht. Zwischendrin und auch vor dem Eingang stehen Skulpturen, beispielsweise des Waakirchner Künstlers Otto Wesendonck.

Anstatt einer Besucherführung mit entsprechenden Pfeilaufklebern auf dem Boden finden sich in einer – die Ausstellung umfassenden – Gesamtinstallation leere Schuhpaare der Künstler, stellvertretend für die in den vergangenen Monaten fehlenden Betrachter ihrer Kunst. „Das sollen keine Stolpersteine sein, sondern soll zeigen, wie wichtig uns Künstlern die Kunst-Liebhaber sind – und der Austausch mit ihnen. Sie sind quasi ein Teil der Kunst“, sagt Eckard Rocholl aus Warngau, einer der Organisatoren von „Hibatzld“. Dessen eigene großformatige, um 180 Grad drehbare Gemälde basieren auf der Idee, dass der Betrachter das Bild in seinem Kopf entstehen lässt und dass ein jeder etwas anderes darin sieht.

Wem die Bauzäune als provisorisch erscheinen, dem erklärt Mitorganisator Klaus Peter Frank aus Dürnbach, dass diese nicht nur eine günstige Alternative zu teuren Ausstellungswänden sind, sondern dass die mit ihnen einhergehende Transparenz Teil des Ausstellungskonzepts ist.

In der Tat ist es spannend, wie die Werke miteinander kommunizieren, etwa die innenbeleuchteten, abstrakten Lichtmalerei-Fotografien von Mitorganisatorin Christine Otsver aus Rottach-Egern, die strahlenden Fotografien auf Alubond von Michael Bachmann oder die Skulpturen von Antonia Leitner. Anders als die Offenen Ateliertage, die bekanntlich coronabedingt abgesagt wurden und aus denen sich jetzt der Ausstellerkreis von „Hibatzld“ generiert, wird hier nicht nur transparent gezeigt, was sonst im stillen Kämmerlein entsteht. Es ist der Kunst-Dialog, der gefordert ist und den sich die Künstler selbst etwas kosten lassen.

Die Werke stehen durchaus zum Verkauf, auch wenn keine Preise vermerkt sind. Etwaige Käufer kommen folglich nur über den Dialog mit dem Künstler zu einem neuen Werk. Auch bringt sich jeder Künstler mit einer Ausstellungsgebühr von 200 Euro ein.

So wichtig ist es ihnen in diesem Corona-Jahr, mit den Absagen aller Gemeinschaftsausstellungen wie der Gmundart, der Tegernseer oder der Bayrischzeller Kunstausstellung, doch noch ihre Kunst öffentlich zu zeigen, sich darüber auszutauschen und vor allem die zurückliegenden Corona-Monate aufzuarbeiten. Auch deshalb ist die Ausstellung keine kuratierte, sondern eher eine improvisatorische, sozusagen eine schnell und hemdsärmelig hingebatzelte.

Die Ausstellung ist noch bis 27. Oktober, täglich von 14 bis 19 Uhr, im ehemaligen Rinderstall auf Gut Kaltenbrunn in Gmund zu sehen. Der Eintritt ist frei. Besucher müssen in der Schau eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen, und es gelten die üblichen Abstandsregeln.

Auch interessant

Kommentare