Kurt Gmeineder aus Dürnbach sammelt alte Schlösser und Schlüssel. Ein Besuch.
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Kurt Gmeineder sammelt alte Schlösser, wie dieses Stück aus dem Jahr 1440.
Kurt Gmeineder aus Dürnbach sammelt alte Schlösser und Schlüssel. Ein Besuch.
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Sieben Verriegelungen hat diese eiserne Truhe aus dem Dreißigjährigen Krieg.
Kurt Gmeineder aus Dürnbach sammelt alte Schlösser und Schlüssel. Ein Besuch.
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Einem Kunstwerk gleicht dieser alte Schlüssel aus dem 15. Jahrhundert mit seinem filigranen Bart.
Kurt Gmeineder aus Dürnbach sammelt alte Schlösser und Schlüssel. Ein Besuch.
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Kurt Gmeineder aus Dürnbach sammelt alte Schlösser und Schlüssel. Ein Besuch.
Schlösser-Wahnsinn: Dass ist Kurt Gmeineders Sammlung.
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Schlösser-Wahnsinn: Dass ist Kurt Gmeineders Sammlung.
Schlösser-Wahnsinn: Dass ist Kurt Gmeineders Sammlung.
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Schlösser-Wahnsinn: Dass ist Kurt Gmeineders Sammlung.
Schlösser-Wahnsinn: Dass ist Kurt Gmeineders Sammlung.
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Schlösser-Wahnsinn: Dass ist Kurt Gmeineders Sammlung.
Schlösser-Wahnsinn: Dass ist Kurt Gmeineders Sammlung.
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Schlösser-Wahnsinn: Dass ist Kurt Gmeineders Sammlung.

Kurt Gmeineder, der Schlösser-Sammler

Diesen Schlösser-Wahnsinn haben Sie noch nie gesehen

Gmund - Kurt Gmeineder hat eine Leidenschaft, die ihn seit über 40 Jahren fesselt: Schlösser. Wir haben uns seine verrückte Sammlung angeschaut. Ein Besuch in Wort, Bild und Video.

Der Anbau am Wohnhaus von Familie Gmeineder in Dürnbach gleicht einem Museum: Die Wände ringsum sind bis unters Dach mit Holztafeln vollgepflastert, auf denen alte Schlösser befestigt sind. Schlösser in allen Variationen und aus vielen Jahrhunderten. 500 Stück hat er schon und mindestens doppelt so viele Schlüssel. Portalschlösser, Schrankschlösser, Türschlösser, Truhenschlösser, Opferstock- und sogar Trickschlösser. Aus Eisen oder Messing. Gotisch-schlicht oder barock-verspielt. Was nicht ausgestellt und mit eigens hergestellten Schildern beschriftet ist, lagert noch unten in der Werkstatt. Und da liegt noch einiges, denn Kurt Gmeineder hat täglich alle Hände voll zu tun – das Sammeln, Restaurieren und Sortieren ist lediglich ein Hobby. Ein paar Häuser weiter brummt nämlich der Laden: Schlüsseldienst und Sicherheitstechnik Gmeineder. Der Dürnbacher hat das Unternehmen 1973 gegründet, damals im Anbau seinen Wohnhauses. 2009 folgte der Umzug in ein modernes Geschäftshaus, seit 1. Januar leitet Sohn Thomas (33) die Geschäfte. Kurt Gmeineder, der weiter als Betriebsleiter im Einsatz ist, hat nun etwas mehr Zeit für seine alten Raritäten.

Video: Sammler Kurt Gmeineder zeigt ein indisches Vorhangschloss

Als Lehrbub fing alles an

„Schon als Lehrbub damals bei der Tegernseer Firma Eisen Horn hatte ich mit Schlüsseln zu tun“, erinnert sich der Dürnbacher. Als ihn seine Tante während ihres Hausbaus in den 1970er-Jahren losschickt, um in einem Rottacher Antiquitätengeschäft ein altes Schloss für eine Bauernstube zu besorgen, geht’s los. „Das Schloss war seitenverkehrt und nicht zu gebrauchen“, erzählt Gmeineder. „Es wurde mein erstes Sammlerstück.“ Dann kam eine Kundschaft, die ein altes Schloss durch ein neues Schloss ersetzen musste – Sammlerstück Nummer zwei. Gmeineder klappert seither Antiquitätenhändler in ganz Bayern ab, besucht laufend Versteigerungen. 

Einem Kunstwerk gleicht dieser alte Schlüssel aus dem 15. Jahrhundert mit seinem filigranen Bart.

„Inzwischen melden sich die Händler bei mir, wenn sie wieder was haben“, berichtet der Sammler. Ausflüge und Fahrten werden zu regelrechten Schlösser-Reisen. Während seine Frau Hilde in Kirchen, Kapellen, Burgen und Museen die Malereien und Gemälde bewundert, hat Kurt, der auch Maler ist, eher ein Auge für die Schlösser, mustert ihre Mechanismen und kann sie inzwischen ziemlich genau in ihre Epochen einordnen.

Mal rund, mal eckig - je nach Epoche

Auch bei ihm Zuhause ist ein Blick auf die Raritäten wie eine Reise durch die Jahrhunderte: Während im 15. Jahrhundert eine dreipassige, runde Form bei den Schlössern modern war, so prägten im Klassizismus eckige Modelle die Zeit. Mit einem verzierten Akanthus – einem stilvollen Ornament drumherum – und Gravurarbeiten auf den Deckplatten gestalteten Schlosser im Barock ihre Werke, Schlichtheit war im Jugendstil angesagt. Wenn Gmeineder wieder ein altes Stück ergattert hat, das noch Aufhübschen braucht, dann muss er sich ans Werk machen: „Zehn Stunden sind da locker nötig“, sagt der Fachmann, der gerne auch im Auftrag von Kunden Schlüssel und Schloss Marke uralt repariert. Mit feinem Schmirgelpapier rückt er dann dem Rost zu Leibe. Funktionstüchtig sind sie alle. Sagt’s und öffnet er ein sogenanntes Napfkastenschloss, das schon knapp vier Jahrhunderte hinter sich hat.

„Der Beschlag und das Schloss waren früher die Visitenkarte eines Hauses“, weiß Gmeineder. Die Schlösser heutzutage seien zwar sicher, „aber mit der Schönheit von damals nicht zu vergleichen.“ Zum Beweis deutet Gmeineder auf sein ältestes Stück: ein original Truhenschloss aus dem Jahr 1440 mit zwei Schenkelfallen und Umlenkung auf drei Spiralflechten zur Abwehr böser Geister. Sein Liebling ist ein gotisches Schrankschloss aus Nürnberg um 1590, „einfach wunderschön“, schwärmt Gmeineder, dann kramt er das kleinste Sammlerstück hervor – ein „Schnackelschloss“ für einen Kasten. An der Wand zum Kellerabgang hängen zwei Schlösser aus der Lutherzeit: „Ich hab’ sie schon mehrmals für Filmaufnahmen verliehen“, berichtet Gmeineder. Das weit über 500 Jahre alte Türschloss, das aus einem Hohenzollernschloss stammt, hat Gmeineder auf einer Plexiglasscheibe befestigt – aus Platzgründen.

Auch Truhen gehören zu seinen Schätzen

Zu seinen Schätzen zählen auch viele Truhen, die mit schmuckvollen Beschlägen versehen sind. 

Sieben Verriegelungen hat diese eiserne Truhe aus dem Dreißigjährigen Krieg.

Beim sprichwörtlichen „Buch mit sieben Siegeln“ kann da eine Geldtruhe aus dem Dreißigjährigen Krieg locker mithalten: „Sie hat sieben Verriegelungen an der Innenseite des Deckels“, erklärt ihr Besitzer, der unzählige weitere Schlösser darin aufbewahrt.

Jeder Topf hat seinen Deckel, für jeden Schlüssel passt ein Schloss – so auch bei dem Dürnbacher Sammler. Mindestens tausend alte Schlüssel gehören inzwischen zur Sammlung, die immer weiter wächst: Gerade hat Gmeineder erst in Bayreuth fünf bronzene Schlüssel aus der Römerzeit ersteigert.

Mit der bislang größten deutschen und inzwischen versteigerten Privat-Sammlung des 1990 verstorbenen Münchner Schlossermeisters Heinrich Pankofer könne er natürlich nicht mithalten. Und schon gar nicht mit der weltgrößten und rund 13 000 Teile umfassenden Ausstellung des Grazers Hanns Schell. Gmeineder hat sie vor kurzem besucht und sich über die wenigen Besucher gewundert. „Wir Schloss-Sammler sind anscheinend Exoten.“

gr

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