Solidarität zwischen Erzeugern und Verbrauchern schaffen: Aus dieser Idee heraus haben Diana und Renaldo Scola LAVLI gegründet
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Solidarität zwischen Erzeugern und Verbrauchern schaffen: Aus dieser Idee heraus haben Diana und Renaldo Scola LAVLI gegründet.

Registrierung läuft

Das Konzept LAVLI: Läden mit dem Landwirt als Partner

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Direkt vom Hof frisch auf den Tisch, und kein Lebensmittel wird vergeudet – das ist das Ziel. Diana und Renaldo Scola haben viel darüber nachgedacht, wie man es erreichen kann- und haben jetzt viel vor

Gmund – Die Welt besser machen – nicht weniger als das wollen Diana (43) und Renaldo Scola (44) erreichen. Dafür setzen sie ein, was sie in der Welt der Industrie gelernt haben. Die Wirtschaftsingenieurin Diana bei einem großen Automobilkonzern, ihr Ehemann als Web-Entwickler, der den Digitalbereich eines Konzerns verantwortete. Im Privaten wurden den Eltern zweier Kinder die Themen Lebensmittel und Nachhaltigkeit immer wichtiger. Nach der Elternzeit entschied sich Diana Scola gegen eine Rückkehr in die Automobilindustrie. Das Ehepaar gründete LAVLI, der Unternehmenssitz ist Dürnbach.

In der dortigen Coworkerei arbeitet ein wachsendes Team an dem Genossenschaftsprojekt, das eine tragfähige Verbindung zwischen regionalen Erzeugern und Verbrauchern schaffen soll, eine auf Solidarität gründende Beziehung zwischen Partnern, die sich schätzen.

Einkauf nur für Mitglieder

In der Praxis sieht das so aus: Im LAVLI-Laden kaufen Mitglieder ein, was Landwirte aus der Region für sie erzeugt haben. Die Mitgliedschaft kostet 120 Euro im Monat, wobei diese Summe auf den Einkauf gutgeschrieben wird.

„Das ist praktisch eine Vertragslandwirtschaft“, erklärt Renaldo Scola. Der Vorteil: Die Erzeuger wissen, wie viele Menschen sie zu versorgen haben – und die Abnahme ist zum festen Preis garantiert. „Wir sorgen dafür, dass Landwirte den Lohn erhalten, den sie verdienen und dass wir die Nahrungsmittel bekommen, die wir wollen“, heißt es auf der Homepage von LAVLI.

Genossenschaft in Südkorea ist Vorbild

Die Idee hat sich das Ehepaar von Hansalim abgeschaut, einer Genossenschaft aus Südkorea. Mehr als 2500 Erzeuger beliefern dort 650 000 Haushalte als Mitglieder. Der Film„Zeit für Utopien“ von Kurt Langbein, der den Konsum international beleuchtet und die Genossenschaft Hansalim vorstellt, gab den Anstoß. Ein handfestes Konzept wurde daraus, als Diana Scola die Bekanntschaft mit Landwirt Markus Bogner machte, der auf seinem Boar-Hof in Holz zeigt, wie Permakultur funktioniert und Seminare dazu anbietet. Bogner wurde zum wichtigsten Berater. „Er hat bei mir das Feuer entfacht“, sagt Diana Scola. „Und ohne den Markus geht es nicht.“

Registrierung läuft

Noch steht LAVLI ganz am Anfang. Wer sich für eine Mitgliedschaft interessiert oder als Erzeuger einsteigen will, kann sich ab sofort auf der Website www.lavli.org registrieren. Dort läuft auch die Abstimmung, wo der erste Standort sein soll. Möglich ist die Wahl zwischen Gmund, Miesbach, Holzkirchen, Bruckmühl und Rosenheim.

Vor der Gründung des ersten Standorts hat sich die Initiative eine Zielmarke gesetzt: 200 Mitglieder und 15 Erzeuger sollen es mindestens sein. „Unter 200 Mitgliedern ist es zu riskant“, meint Diana Scola. Über dieser Schwelle würde die Gruppe den Start wagen – auch wenn ein LAVLI-Laden eigentlich mindestens 600 Mitglieder braucht, um wirtschaftlich arbeiten zu können. „Aber wir trauen es uns dann zu, die Zahl entsprechend zu steigern“, meint Diana Scola.

Abstimmung über Standorte

Auf den ersten Laden sollen weitere folgen, zusätzlich könnten Abholstationen eingerichtet werden – wenn genügend Menschen Mitglieder werden wollen. Renaldo Scola denkt auch an „Social Franchising“: Wer selbst einen LAVLI-Laden öffnen will, kann sich an der Kette beteiligen, ohne dafür viel Geld zahlen zu müssen.

Entstehen soll somit eine Direktvermarktung auf breiter Ebene. Eine Idee, die in der Ökomodellregion Miesbach vielfach verfolgt wird. Mit dem Regionalladen „Machtsinn“ stehe man auch im Kontakt, meint Scola. LAVLI sehe sich dazu nicht als Konkurrenz, sondern als Mitstreiter in der gleichen Sache. Gemeinsam gehe es darum, den Lebensmittelhandel zu verändern: „Wir sind eine Lösung von vielen.“

Umsetzen wollen die Scolas und ihre Mitkämpfer die Idee jetzt schnell. Im dritten Quartal 2021 soll der erste Laden bereits öffnen. Durch Corona werde die Initiative leider gebremst, erklärt das Ehepaar: „Wir würden gerne eine Info-Veranstaltung anbieten. Aber das geht ja alles nicht.“

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