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Diese Wohnung hätten wir sehr gerne gehabt, schreibt das Landratsamt. Aber die Gemeinde habe das Amt abgewiegelt.

Wohnung, die keiner will, wollte offenbar doch jemand - nur wer hat recht?

Landratsamt via Facebook: Gemeinde Gmund hat uns angelogen

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Wir berichteten über eine Gmunder Bahnhofs-Wohnung, die trotz bester Lage keiner haben will. Jetzt reagiert das Landratsamt: Man hätte durchaus angefragt. Ein pikanter Vorwurf...

Abgesehen vom Zugverkehr hat die Wohnung wirklich Charme: 95 Quadratmeter, verteilt auf drei Zimmern mit Balkon, Berg- und Seeblick, mitten in Gmund - und das ganze mit 10 Euro pro Quadratmeter für Tal-Verhältnisse auch noch bezahlbar. Trotzdem will sie keiner. Wir begaben uns auf Ursachensuche. Bei unserer Recherche tauchte auch die Frage auf: Warum wird die Wohnung dann nicht an Asylbewerber vermietet? Hat das Landratsamt kein Interesse?

Man habe die Wohnung dem Landratsamt nicht direkt angeboten, reagierte Gemeinde-Geschäftsleiter Florian Ruml. Und Kämmerer Georg Glas ergänzte: Das Landratsamt habe sich auch nicht von sich aus interessiert. Bei derselben Recherche starteten wir eine Anfrage bei der Kreisbehörde bezüglich der Wohnung am Gmunder Bahnhof. Damals antwortete Pressesprecher Birger Nemitz schriftlich: 

„Aufgrund der Auflösung der Traglufthallen ist das Landratsamt grundsätzlich an sämtlichen Unterbringungsmöglichkeiten interessiert.“

Konkret zu der Gmunder Wohnung nahm die Behörde allerdings nicht Stellung. Inzwischen scheint man nochmals in den Unterlagen nachgeschaut zu haben. Und offenbar waren einige in der Behörde alles andere als amüsiert über die Aussagen der Gemeinde Gmund. Anders lässt sich der harsche Vorwurf, den das Landratsamt am Donnerstag via Facebook veröffentlicht hat, nicht erklären. Dort steht im Wortlaut:

„Als sich das Landratsamt nach einer Anmietungsmöglichkeit für diese beschriebene Wohnung im Bahnhof Gmund erkundigt hat, haben wir leider von der Gemeinde die Nachricht erhalten, diese Wohnung sei schon vergeben.“

Hier der ganze Post des Landratsamts

Gmunds Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) erfährt erst am Freitag durch unsere Zeitung von dem Post. Konkret zu dem Fall Stellung nehmen kann er nicht, da der für die Wohnungsvergabe verantwortliche Kämmerer Georg Glas gerade nicht im Haus ist. Die Art und Weise, in der das Landratsamt seinen Vorwurf kommunizierte, macht Preysing kurz sprachlos. Wer den Gmunder Bürgermeister kennt, weiß, dass das ein sehr ungewöhnlicher Zustand ist. Schließlich sagt er nur:

„Wenn das der neue Stil des Landratsamts ist, eine Gemeinde über Facebook zu kritisieren, dann weiß ich nicht, wie es weitergehen soll.“

Doch die Kritik hört damit noch nicht auf. Das Landratsamt macht im selben Post überdeutlich, dass Gmund nach Ansicht der Behörde zu den Schlusslichtern in Sachen Flüchtlingsunterbringung im Landkreis gehört:

„In Gmund leben 5.947 Einwohner, nach dem freiwillig vereinbarten Verteilungsschlüssel müsste die Gemeinde 74 Geflüchtete aufnehmen. Momentan sind 27 Personen hier untergebracht, das ist eine Quotenerfüllung von 36 Prozent.“

Um dann nochmals nachzulegen: „Dies ist der drittschlechteste Wert aller 17 Städte, Märkte und Gemeinden des Landkreises Miesbach.“ Schwächere Zahlen haben lediglich Tegernsee (35 Prozent) und - mit deutlichem Abstand - Schliersee (28 Prozent).

Alles in allem: harter Tobak. Und auch da bleibt dem Gmunder Bürgermeister kurz die Spucke weg, um dann doch noch darauf hinzuweisen: „Das Landratsamt hat den Mietvertrag für die Seeturnhalle gekündigt.“ Und nun soll die Gemeinde daran schuld sein? In der Seeturnhalle waren bis Juni 2016 rund 35 Flüchtlinge untergebracht. Die Asylbewerber fanden teils in anderen Gemeinden, teils in Gmund selbst neue Bleiben. Inzwischen wurde bekannt, dass die Gemeinde das Gebäude abreißen lassen will.

kmm

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