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Der Gschwandterhof in Festenbach: Landwirt Korbinian Bartl hat ein Gesamtkonzept vorgelegt. Der Bau von Mietshäusern soll ihn finanziell absichern.

Gschwandterhof in Festenbach

Mietshäuser sollen Betrieb sichern

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Korbinian Bartl möchte die Zukunft seines Gschwandtnerhofs auf sichere Beine stellen. Der Bau von zwei Wohnhäusern ist Teil eines Konzepts, mit dem sich der Ortsplanungsausschuss befasste.

Festenbach – Während immer mehr Landwirte aufgeben, gibt Korbinian Bartl richtig Gas. 2014 hatte er noch mit einem geplanten Riesenstall in Festenbach für mächtig Wirbel gesorgt. Der Plan, den er zusammen mit zwei weiteren Gmunder Landwirten verwirklichen wollte, wurde jedoch verworfen. Jetzt hat er neue Pläne: Er möchte seinen Betrieb mit bisher 36 Kühen von konventionelle auf biologische Landwirtschaft umstellen. Die nötigen Schritte dazu hat er schon veranlasst. Um auf sichere Einnahmen setzen zu können, plant Bartl den Bau von zwei Wohnhäusern. Sie sollen jeweils elf mal 16 Meter groß sein und je drei Mietwohnungen bieten. Zudem ist ein etwa 30 Meter langer Garagenriegel geplant.

Bereits im November hatte sich der Ortsplanungsausschuss mit einer entsprechenden Voranfrage befasst, eine Entscheidung jedoch vertagt. Zu viele grundsätzliche Fragen waren noch offen. Sie wurden inzwischen mit dem Landratsamt Miesbach geklärt, und so konnte sich der Ortsplanungsausschuss jetzt erneut mit dem Thema befassen.

Bartl legte zudem ein Gesamtkonzept vor, wie er sich den Betrieb seines Hofs künftig vorstelle. Nicht nur die Umstellung auf Bio, sondern auch der Bau eines Laufstalls gehört dazu. Dieser 40 mal 20 Meter große Stall soll in sechs Metern Entfernung vor den Bauernhof platziert werden. Dass dieser die Fassade des Hofs dann verdeckt, daran müssen sich die Autofahrer auf der Staatsstraße wohl gewöhnen. 

Um 20 bis 25 Tiere möchte er seinen Bestand aufstocken, wie Bartl auf Nachfrage von Grünen-Rätin Helga Wagner berichtete. Seine Kühe, so informierte Bauamtsleiterin Christine Wild im Verlauf der Sitzung über das inzwischen eingereichte Gesamtkonzept des Landwirts, würden auch künftig im Sommer auf der Weide grasen. Der bisherige Stall soll erhalten bleiben. Insgesamt, wirbt Bartl, würde sein Betrieb durch den Bau der Wohnhäuser unabhängiger und zukunftsfähiger. Er sei überzeugt, dass die Häuser eine Bereicherung für den Ort seien.

„Wir müssen froh sein um jeden Bauern, denn die Landwirtschaft gehört zu unserer Gemeinde“, fand Bürgermeister Georg von Preysing (CSU). CSU-Gemeinderat Johann Huber, zugleich Obmann des örtlichen Bauernverbandes, hatte in diesem Zusammenhang konkrete Zahlen parat: So sei die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe von 150 im Jahr 1945 auf heute 40 geschrumpft.

Um den Laufstall ging es in der Sitzung aber noch nicht, denn ein konkreter Antrag liegt dafür noch nicht vor. Im Mittelpunkt standen die Wohnhäuser und die Haltung des Landratsamts dazu. Nach Ansicht von Kreisbaumeister Werner Pawlovsky sei das Vorhaben grundsätzlich genehmigungsfähig, jedoch müsse der Garagenriegel, der bisher parallel zur Straße geplant war, verschoben werden. Inzwischen plant Bartl zusätzlich mit einer Tiefgarage. Der Fachbereich Naturschutz fordert den Erhalt von Bäumen und zudem eine „Tabuzone“ von 15 Metern. Dies hat zur Folge, dass die Häuser verschoben werden müssen und ein eventuelles drittes Wohnhaus nicht möglich wird. Die Abteilung Straßenbau lehnt den bisherigen Garagenriegel ab und fordert eine gemeinsame Zufahrt für Landwirtschaft und Wohnbebauung.

Barbara von Miller (SPD) reagierte beunruhigt auf die Nachricht vom 40-Meter-Stall, der die Sicht auf den Hof verdeckten wird. Christine Zierer (FWG) fand jedoch: „Damit kann man leben. Denn der Stall ist nicht zu vergleichen mit den Großbetrieben, die es in Norddeutschland gibt.“

Franz von Preysing (CSU) fand es grundsätzlich gut, wenn Landwirte ihre Betriebe weiterführen. Die Wohnhäuser würden sich nach seiner Meinung gut einfügen. Auch Fraktionskollege Josef Berghammer fand Gefallen am Gesamtkonzept für den Gschwandtnerhof.

Am Ende konnte Korbinian Bartl, der die Debatte im Sitzungssaal verfolgte, aufatmen: Lediglich gegen die Stimme von Helga Wagner befürwortete der Ortsplanungsausschuss die zwei geplanten Wohnhäuser. Ein bestehender Bebauungsplan muss dafür auf seine Rechnung geändert werden.

gr

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