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Der Lückenweg zwischen Finsterwald und Dürnbach von oben. Er weist, ja genau, Lücken auf.

Gegen Umgehungsstraße

Landwirte verwenden Lückenweg als Druckmittel

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Mit ihrem „Lückenweg“ zwischen Dürnbach und Finsterwald ist die Gemeinde Gmund inzwischen deutschlandweit eine Lachnummer. Jetzt wird klar, warum sich zwei Landwirte querstellen.

Gmund – Seit sogar das ZDF über den lückenhaften Geh- und Radweg zwischen Dürnbach und Finsterwald berichtet hat, lacht und wundert sich ganz Deutschland über die Gemeinde Gmund. Warum hat es Bürgermeister Georg von Preysing (CSU) nicht geschafft, alle Unterschriften unter Dach und Fach zu kriegen? Warum wurde dennoch mit dem Bau begonnen? Seit Mitte März wird an dem etwa 700 Meter langen Weg gebaut. Doch ein 30 sowie ein 100 Meter langes Stück sind noch nicht im Besitz der Gemeinde.

Preysing will sich nach wie vor nicht äußern zu dem Streit: „Ich gebe keine Stellungnahme ab, denn die Verhandlungen sind noch nicht beendet.“ Nur so viel noch: Er habe immer noch Hoffnung, dass es zu einer Einigung mit den beiden Landwirten kommt, die sich bisher weigerten einen jeweils drei Meter breiten Streifen an die Gemeinde abzutreten.

Wie die Tegernseer Stimme jüngst berichtete, geht’s um mehr als zwei Parteien, die sich nicht handelseinig werden. Es geht auch um mehr als die 20 Euro pro Quadratmeter, die Gmund an die Landwirte zahlen würde. Es geht um die Gmunder Umgehungsstraße. Seit den 1960er-Jahren ist sie immer wieder Thema, seit 2014 sorgt sie konkret für dicke Luft, weil Gmund – mit der Gemeinderats-Mehrheit von 16:4 Stimmen – einen Korridor in seinen neuen Flächennutzungsplan eingezeichnet hat. Inzwischen räumt sogar der Bund in seinem Bundesverkehrswegeplan (BVWP) einer Umfahrung des Gmunder Zentrums höchste Priorität ein – ebenso wie der Waakirchner Umgehung und der Holzkirchner Südspange. 

„Damit die Münchner noch schöner rausfahren können?“

Die Straße würde von der B318 am Salzstadel in Moosrain abzweigen und über die Felder Richtung Finsterwald verlaufen. Am Feichtner Hof würde sie auf die Tölzer Straße treffen. Die Straße würde direkt vorbeiführen am Bauernhof von Familie Holzer, dem „Stegmoar“, wie er seit 1918 bekannt ist. Familie Holzer ist für das fehlende 100-Meter-Stück verantwortlich, Bäuerin Regina Holzer (49) verteidigt ihre Verweigerungshaltung auch gegenüber unserer Zeitung: „Man kann doch nicht zu Allem Ja und Amen sagen.“ Sie habe schon die Tölzer Straße vor der Nase, auf der der Verkehr immer schlimmer werde, sagt die Bäuerin. „Und dann auch noch eine Umgehungsstraße, damit die Münchner noch schöner rausfahren können? Das kann man doch nicht unterstützen“, wettert Regina Holzer.

„Plötzlich stehen dann die Bagger da und wir sind die Deppen“

Sie störe es gewaltig, dass immer wieder von einer Umgehungsstraße die Rede sei, dass die Bürger aber nicht eingebunden würden. Das laufe in Waakirchen ganz anders, meint sie, da würden alle Leute von Anfang an ins Boot geholt. In Gmund laufe es immer verkehrt herum. Da werde man vor vollendete Tatsachen gestellt, es werde zu wenig gesprochen mit den Bürgern. So wie am Geh- und Radweg in Gmund. „Plötzlich stehen dann die Bagger da und wir sind die Deppen.“

Freilich habe die Familie vor etwa zwei Jahren mit der Gemeinde über den Geh- und Radweg gesprochen, sagt Holzer. „Doch dann haben wir nichts mehr gehört.“ Mit großer Verwunderung habe sie dann die Bagger anrücken sehen. Preysing sieht das anders: „Wir waren immer im Gespräch“, sagt der Rathauschef. 

Regina Holzer betont, dass sie nichts gegen den Radweg an sich habe. Schließlich hat sie selbst fünf Kinder, die mit dem Rad unterwegs sind. Der Lückenweg als Druckmittel gegen die Umgehungsstraße: „Irgendwie müssen wir uns ja wehren“, sagt Regina Holzer.

Wie geht’s nun weiter? 

Bleibt der Weg dauerhaft ein Lückenweg? Werden die Landwirte enteignet? Die Zukunft ist offen. Fest steht, dass der Bau 242.000 Euro kostet. Dass der Staat einen Zuschuss von 80.000 Euro zugesagt hat, war ein Grund, warum trotz fehlender Unterschriften mit dem  Bau begonnen wurde. Der Zuschuss wäre verfallen, hätte man nicht heuer damit begonnen, argumentiert man in der Gemeinde. „Eine Unstimmigkeit gebe es mit der Regierung wegen dem Weg nicht“, betont Preysing. Der Weg werde fertig gebaut, wo es geht. Preysing hofft, dass auch die Asphalt-Lieferung, die wegen zahlreicher Autobahn-Baustellen ins Stocken geraten sei, auch wieder anläuft.

gr

Lesen Sie auch: So ist der Stand bei der Gmunder Umgehungsstraße

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