Corona Masken Gmund Papier Florian Kohler
+
Masken aus China überreichten Florian Kohler (3.v.l.) und Herbert Eibach (r.) an die Ärzte (v.l.) Dr. Christian Pawlak, Dr. Max Weber und Dr. Thomas Straßmüller. 

Unternehmen hilft dem Landkreis und Arztpraxen

Gmund Papier gelingt Maskenbeschaffung in China

Dank verlässlicher Geschäftspartner in China hat Gmund Papier 40 000 Schutzmasken organisiert und reicht sie ans Landratsamt weiter. Auch Arztpraxen werden versorgt.

Gmund – Florian Kohler, Inhaler der traditionsreichen Büttenpapierfabrik mit über 190-jähriger Geschichte, nimmt kein Blatt vor den Mund: So schlimm wie derzeit sei die wirtschaftliche Situation noch nie in der Firmengeschichte gewesen. Statt der sonst üblichen Bestellungen von 20 Tonnen Papier täglich, sind es derzeit gerade noch 600 oder 700 Kilo. Die Aufträge internationaler Firmen sind eingebrochen. Und dennoch wird unter hohen Sicherheitsvorkehrungen weiter produziert – mit einem hohen Maß an Flexibilität der 140 Mitarbeiter, die sich großteils auch in Kurzarbeit befinden, betont Kohler und befürchtet: „Die Situation wird andauern, auch wenn das Schlimmste mit Corona überstanden ist.“

Dennoch hat Kohler eine Aktion gestartet, die dank verlässlicher Geschäftspartner in China offenbar auch klappt: die Lieferung von 40 000 Schutzmasken nach FFP2-Standard.

Während vielerorts versucht wird, über teils dubiose Kanäle Schutzausrüstung zu horrenden Preisen zu besorgen, setzt die Büttenpapierfabrik auf verlässliche Geschäftspartner. Seit 1992 ist Herbert Eibach, Mitglied der Geschäftsführung, regelmäßig in Asien unterwegs. Ein gewisser Bestand an Schutzmasken sei für ihn immer normal gewesen, schon deshalb, um sich den Gepflogenheiten des jeweiligen Landes anzupassen. Sein großes Netzwerk an verlässlichen Geschäftspartnern von Japan bis Australien kam ihm zugute, als er Anfang des Jahres, nach den ersten Meldungen über Covid-19, einen größeren Bestand für Freunde, Verwandte und Bekannte organisierte. Anfang März ging es dann schon um die Beschaffung für die Mitarbeiter der Büttenpapierfabrik. „Kurz darauf hörten wir von der Masken-Knappheit für Ärzte und medizinisches und pflegendes Fachpersonal“, berichtet Eibach, der daraufhin dem Landkreis seine Hilfe anbot.

40 000 Masken aufzutreiben – das wurde eine andere Hausnummer und für Herbert Eibach zur Herausforderung: „Wir telefonierten mit Taiwan, Korea und Indonesien, doch überall verliefen unsere Bemühungen aufgrund von dort erlassener Exportverbote für Schutzmasken erfolglos.“

Masken: Geschäftsfreunde klapperten die Firmen in China ab

Blieb nur noch China, wo ihm Geschäftsfreunde unter die Arme griffen. Was Eibach berichtet, klingt wie ein Krimi: „Vier Tage lang fuhren unsere Freunde zu Fabriken in Hangzhou, Shanghai und Peking, um Qualität, Verfügbarkeit und Preise zu prüfen. Doch immer wieder wurden die sicher geglaubten Masken binnen weniger Minuten von anderen Staaten zu höheren Preisen weggekauft. Nach weiteren drei Tagen gelang es dann, die 40 000 Masken zu kaufen, sicher aufzubewahren und für den Versand in kostengünstigen Einheiten vorzubereiten, inklusive der Beschaffung von nötigen Frachtpapieren.“

Lesen Sie auch: Touristiker starten Online-Offensive

Die erste Lieferung mit 20 000 Stück ist bereits eingetroffen, die zweite wird heute erwartet und soll dann vom Technischen Hilfswerk (THW) in Gmund abgeholt werden. Ohne Aufschläge und ohne einen Cent damit zu verdienen, werden die Masken an das Landratsamt zur Verteilung weitergereicht. Die Vorfinanzierung und das Risiko hat Florian Kohler selbst übernommen. Angesichts von Meldungen über Maskenbestellungen, die nie beim Auftraggeber ankommen, ein Wagnis. „Wir vertrauen unseren Partnern, Frau PeiPei Xu und Herrn Zhou Young, und sind ihnen zu großem Dank verpflichtet“, betont Herbert Eibach.

Die Organisation der Masken für den Landkreis ist nur ein Teil der Aktion: Jede Arztpraxis im Landkreis wird zusätzlich auf Kosten von Gmund Papier mit jeweils 20 Masken versorgt. Marktwert: 10 000 Euro. Sie können auf Wunsch ab Donnerstag am Papier-Shop an der Mangfallstraße 5 in Gmund abgeholt werden. Stellvertretend für die Mediziner machten gestern Dr. Thomas Straßmüller, der Vorsitzende des Ärztlichen Kreisverbands, sowie Dr. Christian Pawlak und Dr. Max Weber den Anfang. Die Lage zur Versorgung mit Masken sei bisher sehr angespannt gewesen, berichten die Mediziner, teils mussten Masken mehrfach verwendet werden. Diese Situation könnte sich nun entspannen. 

Alle News zu Corona hier im Ticker.

Unsere Serviceseite zu allen Hilfsangeboten finden Sie hier.

gr

Auch interessant

Kommentare