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Ein Hausschwamm setzt einigen Balken im ersten Stock zu. Eine Spezialfirma bekämpft ihn mit Wärme.
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Das Traditionsgasthaus Maximilian in Gmund wird nach Jahrzehnten vom Brauhaus Tegernsee zu neuem Leben erweckt.
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Das Traditionsgasthaus Maximilian in Gmund wird nach Jahrzehnten vom Brauhaus Tegernsee zu neuem Leben erweckt.
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Das Traditionsgasthaus Maximilian in Gmund wird nach Jahrzehnten vom Brauhaus Tegernsee zu neuem Leben erweckt.
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Das Traditionsgasthaus Maximilian in Gmund wird nach Jahrzehnten vom Brauhaus Tegernsee zu neuem Leben erweckt.
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Das Traditionsgasthaus Maximilian in Gmund wird nach Jahrzehnten vom Brauhaus Tegernsee zu neuem Leben erweckt. Hier die alte und zukünftige Küche.

Nach Jahrzehnten des Verfalls

Beim Maximilian tut sich was: ein Rundgang in Bildern

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Gmund - Bis zuletzt verfiel das Maximilian zum Schandfleck, für den sich ganz Gmund über 30 Jahre lang schämte. Jetzt erweckt das Brauhaus Tegernsee den Maximilian zu neuem Leben. Wir haben uns angeschaut wie.

Die Zitterpartie ist vorbei. Endlich. Presslufthammer dröhnen und kämpfen sich durch alte Putzschichten, die Teil einer 675-jährigen Geschichte sind. Wir treffen uns mit Christian Wagner, dem Geschäftsführer des Herzoglichen Brauhauses Tegernsee und seinem Stellvertreter Arnold Niedermeier, dem Bauleiter Karl Hitzelberger, Kreisbaumeister Werner Pawlovsky und Bürgermeister Georg von Preysing zu einem exklusiven Rundgang für die Tegernseer Zeitung. Wir wollen dem alten Maximilian auf den Zahn fühlen, lassen uns zeigen, was einmal war, was noch ist und künftig sein wird.

Die Luft ist kalt, klamm und staubig, als wir unter der überraschend intakten Malerei an der Außenfassade durch den Seiteneingang am Osterbergweg eintreten. Das Erdgeschoss weist eine klare architektonische Struktur auf und ist wenige Tage nach dem Start der Sanierung bereits in weiten Teilen entkernt. „Wir entdecken jeden Tag was Neues“, sagt Hitzelberger und deutet auf einen freigelegten Torbogen und auf einen sorgsam beiseite gelegten Stapel roter Ziegelsteine im Klosterformat.

Video: Rundgang durch den Maximilian

Rundgang durch den Maximilian in Gmund

Ein Schandfleck erwacht zu neuem Leben: Das Brauhaus Tegernsee saniert nach Jahrzehnten des Verfalls den Maximilian in Gmund. Wir haben uns angeschaut wie: http://bit.ly/1VtOjMU

Posted by Tegernseer Zeitung on Mittwoch, 27. Januar 2016

Rechts vom breiten Gang liegt der ehemalige Gastraum der früheren Tafernwirtschaft. Ein kleiner Bagger hat hier den Schutt am Boden bereits eingeebnet. Die Holzbalkendecke ist abgetragen, breite dunkle Fichtenbalken sind noch übrig, halten die Wände auf Spannung und geben den Blick bis ins Obergeschoss frei. „Die Balken sind nichts wert, kommen weg und werden durch eine Betondecke ersetzt“, erklärt Werner Pawlovsky. Er ist der wichtigste Aufpasser, hat das letzte Wort in Sachen Denkmalschutz, noch vor dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Kreisheimatpfleger.

„Da oben, die Stuckdecke, sie wird wieder hergestellt“, erklärt er und deutet auf die umlaufenden Reste an Wand und Decke. Dann wird der Entwurf eines Plans ausgebreitet. „Hier soll wieder eine typische bayerische Dorfwirtschaft entstehen, die vom Ort lebt“, schwärmt Wagner. Hier soll gegessen, getrunken und gefeiert werden, so wie früher, als Kaiser und Könige, Bauern und Bürger hier einkehrten. Einen Saal und damit rauschende Feste, wie sie viele Gmunder noch aus den 70er-Jahren in Erinnerung haben, wird es allerdings nicht mehr geben.

An den Gastraum wird sich die Schänke anschließen, eine Nische mit einem geräumigen Stammtisch ist ebenso eingeplant wie der Ausbau des prägnanten Erkers. Rund 200 Sitzplätze stehen den Gästen künftig in dem Wirtshaus zur Verfügung, das sich über das komplette Erdgeschoss erstreckt.

Die Küche bleibt dort, wo sie immer war: im hangseitigen Teil des Hauses. Bauarbeiter kämpfen sich gerade durch die Fliesen – weiße, blaue, grüne, runde und eckige. „So war das halt mal“, sagt der Bauleiter. Dann trägt er die Baulampe zum Treppenhaus. Ihre Holzkonstruktion wird durch Beton ersetzt, „wegen dem Brandschutz“. Daneben wird ein Lift eingebaut und ein Zugang zur Tiefgarage ermöglicht.

Im Obergeschoss, wo sich einst Gästezimmer befanden, zeigt der Kreisbaumeister gleich mehrere Belege, die 2009 nach dem Gutachten eines Fachbüros endgültig dafür gesorgt hatten, dass der Maximilian ein Denkmal ist und auf keinen Fall abgerissen werden darf: Dazu gehören die Reste hölzerner Türrahmen mit Kassettenfüllungen. Nach dem Wunsch der Brauerei sollen sie nach altem Muster nachgebaut werden.

Von den Türblättern ist nichts zu sehen. Sie sind verschwunden, so wie fast alles aus dem Gemäuer, das im Laufe von 30 Jahren und mehreren Anläufen für einen Neuanfang abhanden kam. Eine alte Toilettenschüssel und eine Badewanne im Gemeinschaftsbad sind noch da und liegen zum Glück im Dunkeln. Vier alte Fenster mit ihrer hohen Form, der Dreiteilung, dem Wettersockel und einem Verschlusshakerl ordnen die Denkmalschützer ebenso der ältesten noch vorhandenen Baustub- stanz zu. Nachgebaut werden auch die Fensterläden mit ihren breiten Lamellen. Der erste Stock wird komplett vermietet. Wer hier ein Büro, eine Praxis oder eine Kanzlei eröffnet, bekommt die historischen Stuckdecken dazu.

Unterm Dach, wo die Sonne ihre Strahlen durch verspielte Lünettenfenster an den Gebäudelängsseiten ins Innere wirft, schlägt das Herz der Denkmalschützer am höchsten. Das Bundwerk stammt vom Anfang des 18. Jahrhunderts, ein kunstvoller Beleg jahrhundertealter Zimmermannskunst. „Drei Binder bleiben erhalten, der Rest wird ersetzt“, erklärt Hitzelberger. Auch der ungewöhnliche Kamin, ein sogenannter Fuchs, der sich wie ein Tor zur Dachöffnung hin verjüngt, bleibt, wo er ist.

Allerdings ist da noch der Hausschwamm. Er hat sich ganz oben am Giebel eingenistet, weil’s dem Haus lange buchstäblich nass einging. „Er kann Sporen bilden, Wasser aus der Dachrinne ziehen und sich ausbreiten“, weiß Hitzelberger. Um den Verfall des Hauses zu stoppen, ließ das Landratsamt 2009 das Dach abdichten, offene Stellen in der Fassade schließen, Putz gegen Regenwasser abdichten und Deckenbalken im Inneren abstützen. Alles auf Kosten des damaligen und inzwischen verstorbenen Besitzers Norbert Arden. Er wurde gerichtlich zur Zahlung verdonnert, „das Geld haben wir inzwischen wieder“, bemerkt Pawlovsky. Doch zurück zum Hausschwamm: Den bekämpft eine Fachfirma mit Wärme.

„Ja, die Sanierung ist eine besondere Herausforderung“, gesteht Christian Wagner. Doch sie sei dem Brauhaus eine Verpflichtung und Herzensangelegenheit. Wieviel Geld sie investiert, bleibe allerdings Betriebsgeheimnis. Bis zum nächsten Winter soll die äußere Hülle stehen, dann geht’s an den Innenausbau. Die Eröffnung ist für Ende 2017 angepeilt. Wagner freut sich, dass es nun endlich was wird: „Jahrzehntelang bin ich hier an einem Haus vorbeigefahren, das eigentlich ein Pförtnerhaus zum Tal ist.“

Bürgermeister Georg von Preysing blickt sich zufrieden um. Ihm hat die Sorge um den Maximilian oft den Schlaf geraubt und mit Arbeit eingedeckt. „Jetzt bin ich froh, dass mit der Brauerei ein Bauherr da ist, der das Geld für die Sanierung aufbringt.“

Werner Pawlovsky packt seinen Aktenordner, gefüllt mit Dokumenten eines jahrzehntelangen Tauziehens um den Gasthof Maximilian, wieder ein: „Wir haben viel von unseren Vorstellungen zurückgenommen.“ Die Zusammenarbeit mit dem Brauhaus und seinem Planer sei „angenehm“ gewesen. „Und das Ergebnis“, sagt Pawlovsky, „ist ein Schmuckstück.“

Das Maximilian: ein Haus mit bewegter Geschichte:

Im Jahr 1339 finden sich erstmals Urkunden über einen Wirtshausbetrieb an der Stelle des heutigen Maximilian. Im Dreißigjährigen Krieg um 1632 brennt die Taverne nieder, das Kloster Tegernsee baut sie wieder auf. Nachdem er bereits Kaltenbrunn gekauft hat, ersteigert König Max I. Joseph 1822 die Tafernwirtschaft, die in Anerkennung der gastronomischen Leistung inzwischen den Namen „Herzog Maximilian in Bayern“ trägt. 1824 kaufen Joseph und Franziska Obermayer das Haus, das dann an Sohn Max, den Begründer der bayerischen Fleckviehzucht, übergeben wird. 1898 folgt die herzogliche Güteradministration als Besitzerin, die dann an die Gmunder Familie Glasl verkauft. 1984 tauchen Umbaupläne auf, 1991 kauft der Frankfurter Unternehmer Norbert Arden das Anwesen, 2008 wird eine Zwangsversteigerung abgewendet. Mehrere Konzepte folgen: 2006 für ein Gesundheitszentrum (Firma Viva Familia Projektentwicklungs GmbH), 2007 für einen Supermarkt (Firma Ratisbona). Der Maximilian soll dafür abgerissen werden. Im April 2009 spricht sich das Landesamt für Denkmalpflege für den Erhalt aus. Im Dezember 2009 kauft die Gemeinde überraschend das Gebäude und das 5470 Quadratmeter große Grundstück. 2010 erarbeiten Gmunder in einer Bürgerwerkstatt Pläne. Von einem Förderverein, der aber nie gegründet wird, ist die Rede. Im Juni 2011 stellt die Ten Brinke GmbH ihr Konzept für die Sanierung und den Bau zweier Gebäude für Büros, Wohnungen, einen Vollsortimenter und eine Tiefgarage vor. Der Kauf wird im Juni 2013 abgewickelt, im August 2014 kommt das Okay für den Bauantrag. Im November 2014 kauft das Herzogliche Brauhaus Tegernsee den ehemaligen Gasthof. Januar 2016: Die Sanierung beginnt.

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