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Kostenlos Busfahren mit der Gästekarte ist eine gern genutzte Leistung. Mit der elektronischen Karte ist die Organisation sehr viel leichter. In Sachen Digitalisierung will die TTT aber noch stark zulegen.

Entscheidung fällt in den Gemeinderäten

Nach Alleingang von Bad Wiessee: Nachbargemeinden diskutieren Erhöhung von Kurbeitrag

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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In Sachen Kurbeitrag sorgte Bad Wiessee 2019 für den großen Knall. Im Alleingang erhöhte die Gemeinde von zwei auf 3,30 Euro. Jetzt wollen die anderen Orte nachziehen.

  • Empfohlen ist eine Anhebung des Kurbeitrags von zwei auf drei Euro.
  • Die Entscheidung treffen die Gemeinderäte.
  • Erhöhung soll in die Digitalisierung fließen.

Tegernseer Tal – In Gmund steht die Diskussion über den Kurbeitrag bei der Sitzung am Dienstag, 15. September, auf der Tagesordnung. Der Gemeinderat entscheidet über die Grundsatzfrage: Soll die Gemeinde die Gebühr erhöhen, die pro Gast und Nacht fällig wird?

Im Hintergrund hat es dazu schon viele Gespräche gegeben. Auslöser war die Entscheidung der Gemeinde Bad Wiessee im Februar 2019, sich vom talweit einheitlichen Satz von zwei Euro zu lösen. Wie berichtet, drückte Robert Huber (SPD) als Vertreter des damaligen Bürgermeisters Peter Höß (FWG) mit 8:6 Stimmen im Gemeinderat eine Erhöhung des Kurbeitrags um 1,30 Euro durch. Huber begründete den Vorstoß mit einer millionenschweren Deckungslücke für Kur-Einrichtungen und den Kosten für den Badepark.

Der Alleingang stieß nicht nur die Vertreter der Nachbarkommunen vor den Kopf, sondern auch den örtlichen Kur- und Verkehrsverein. Die Wiesseer Gastgeber sahen sich von der – nicht mit ihnen abgesprochenen – Erhöhung der Kurtaxe kalt erwischt. Anträge der CSU Bad Wiessee, den Beschluss rückgängig zu machen, blieben ohne Erfolg (wir berichteten). In Kraft getreten ist die neue Satzung im Dezember 2019.

Als Region zu billig: Kurbeitrag soll auf drei Euro steigen

Zu diesem Zeitpunkt war schon klar, dass die Kurtaxe auch in den anderen Orten rund um den Tegernsee steigen soll. „Wir sind im Vergleich zu anderen Regionen zu billig“, meint Christian Kausch, Geschäftsführer der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). Hinter den Kulissen hatte er mit den TTT-Gesellschaftern, also den Tal-Bürgermeistern, den weiteren Kurs erörtert. Die Runde verständigte sich auf eine gemeinschaftliche Anhebung des Kurbeitrags auf drei Euro. Gelten soll die neue Satzung erst ab 1. Mai 2021.

Dies ist vorerst nur eine Empfehlung. Die Entscheidung über die Erhöhung und den Satz liegt bei den jeweiligen Gemeinderäten. Nicht nur in Gmund, sondern auch in Tegernsee, Rottach-Egern und Kreuth wird das Thema demnächst auf der Tagesordnung stehen. Abzuwarten bleibt, ob auch Bad Wiessee den Kurbeitrag noch einmal anfasst. Denn sollten sich die anderen Orte für eine Gebühr von drei Euro entscheiden, wäre Bad Wiessee nach wie vor teurer, wenn auch nur 30 Cent pro Tag.

„Ich halte einen gemeinsamen Weg schon für wichtig“, meint Christian Kausch. Das Tegernseer Tal werde als Region vermarktet und vom Gast auch so wahrgenommen. „Da ist es schwer zu verstehen, warum 500 Meter weiter ein anderer Kurbeitrag gilt.“

Eigentlich hätte das Thema Kurbeitrag schon im Frühjahr 2020 diskutiert werden sollen. Doch dann überrollte die Corona-Krise alles. Jetzt sieht Kausch den Zeitpunkt für gekommen. Der Kurbeitrag belaste die Gastgeber nicht. „Man kann ihn losgelöst von der Krise betrachten“, so der Tourismus-Chef.

Zusätzliches Geld soll Digitalisierung voranbringen

Das zusätzliche Geld soll in die Tourismusförderung zurückfließen. „Wir brauchen es, um die Digitalisierung voranzutreiben“, erklärt Kausch. Hinter dem Schlagwort stehen viele Wünsche. Die Angebote am Tegernsee sollen über Google leichter zu finden sein, alle digitalen Dienstleistungen verbessert werden. „Es gibt eine lange Wunschliste“, erklärt Kausch. Im Hintergrund sei in Sachen Digitalisierung auch schon viel passiert. „Dass die Buchungslage aktuell so gut ist, kommt ja auch nicht von selbst“, merkt Kausch an.

Den Rottacher Verkehrsverein als Vertreter der Gastgeber hat die TTT in die Gespräche zur Anhebung der Kurtaxe eingebunden. Für die Vermieter ist eine Info-Veranstaltung zum Thema anberaumt. „Wenn das Ganze ordentlich erläutert wird und wir einen sauberen Gegenwert bekommen, ist es in Ordnung“, meint Josef Bogner als Vorsitzender des Verkehrsvereins. Als Kreisrat allerdings, merkt Bogner an, wundere er sich, dass neben der ATS, die für den ganzen Landkreis zuständig ist, auch die TTT so viel Geld für die Digitalisierung brauche: „Das ist doch doppelt gemoppelt, und der Gast muss dafür geradestehen.“ Die Entscheidung müssten aber letztlich die Gemeinderäte treffen, so Bogner. Der Verkehrsverein empfinde es als positiv, dass man ihn eingebunden habe und werde sich nicht gegen die Anhebung stellen: „In vergleichbaren Regionen wird mindestens soviel oder mehr verlangt.“

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