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Mit Bedauern: Bürgermeister Georg von Preysing verabschiedet den langjährigen Gemeinderat Otmar Straßmüller. 

„Ein politischer Methusalem“

Nach knapp 34 Jahren: Dr. Otmar Straßmüller verlässt Gmunder Gemeinderat 

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Knapp 34 Jahre lang war Dr. Otmar Straßmüller Mitglied des Gmunder Gemeinderates. Nun hat der 75-Jährige  sein Mandat aus gesundheitlichen Gründen niedergelegt. Und zwar sichtlich gerührt. 

Gmund – Mit der rechten Hand auf den Stuhl des Bürgermeisters gestützt, steht Otmar Straßmüller (FWG) am Ratstisch. Er hält seine Abschiedsrede. Sichtlich gerührt lässt der scheidende Gemeinderat seine Amtszeit im Gmunder Gremium Revue passieren. Als er auf die starken, inzwischen verstorbenen Persönlichkeiten zu sprechen kommt, die er im Sitzungssaal erlebt hat, fängt seine Stimme an zu beben. Er kämpft mit den Tränen. Schließlich geht für den 75-Jährigen eine Ära zu Ende: fast 34 Jahre als Gemeinderat.

Eine stolze Zeit, befand Bürgermeister Georg von Preysing (CSU). „Hans Schmid wurde schon vor 20 Jahren als politisches Urgestein bezeichnet“, sagte er. „Was bist du dann? Ein politischer Methusalem?“ Straßmüller sei Zeit seines Amtes immer um Sachlichkeit bemüht gewesen und habe nicht selten auch Preysing auf den richtigen Weg geführt. „Ich respektiere deine Entscheidung, aber ich finde es schade“, sagte der Rathauschef mit Bedauern. Schließlich habe man ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt.

24 Jahre lang war der gebürtige Pfarrkirchner (Kreis Rottal-Inn) Mitglied im Finanzausschuss. Seit 2008 gehörte er dem Ortsplanungsausschuss an, seit 2014 war Straßmüller zudem Mitglied im Kultur- und Tourismusausschuss und Delegierter im Abwasserzweckverband. Verdient gemacht hat sich der Allgemeinmediziner auch um die Freundschaft zur italienischen Partnergemeinde Fauglia und im Asylhelferkreis. Zunächst als medizinischer Betreuer, inzwischen – nach dem Ausscheiden von Hajo Fritz – sogar als Sprecher. Und nicht zuletzt als Gemeinderat. Im Mai dieses Jahres wäre Straßmüller in sein 35. Dienstjahr gegangen.

Dass sein Engagement schon vorher zu Ende geht, war eine persönliche Entscheidung - aus gesundheitlichen Gründen. Seit November vergangenen Jahres plagen Straßmüller Herzprobleme. „Mal schauen, ob die ein gescheites Ersatzteillager haben“, scherzte er nach seiner Abschiedsrede.

In der erinnerte er sich unter anderem an seine Schulzeit. Damals habe er ein Referat über die beste Staatsform halten müssen. Sein damaliger Schluss: die Monarchie – allerdings nur unter einem fehlerfreien Herrscher. „Da du dieser Anforderung nicht ganz nachkommst“, sagte er mit Blick auf den Bürgermeister, „ist die Demokratie die ideale Staatsform.“ Auch deswegen sei er immer gerne Gemeinderat gewesen, und stolz darauf, dass das so lange möglich war.

Das Gremium traf Straßmüllers Rücktritt im wahrsten Sinne unvorbereitet. Der Gmunder Porzellanlöwe, den scheidende Gemeinderäte üblicherweise überreicht bekommen, stand noch auf wackligen Beinen. Die Schrauben fehlten. Und zudem die Plakette mit der Widmung, die am Sockel befestigt wird. Preysing versicherte aber, dass es nicht bei der „symbolischen Übergabe“ bleiben werde.

Geht es nach dem Bürgermeister, soll Straßmüller der Gemeinde zumindest in zwei Funktionen erhalten bleiben. Als Mitglied des Vereins zur Freundschaft mit Fauglia und zumindest ein letztes Mal als Verantwortlicher für die Getränke bei Gemeinderats-Infofahrten. Schließlich, so Preysing, müssen auch Leistungssportler nach der Karriere abtrainieren. „Sonst haut’s as um.“ 

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