Soul-Legende Aretha Franklin ist tot

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Rudi Weber (†) war Deutschlands erster McDonald‘s-Franchise-Nehmer und Kaltenbrunn-Wirt. 

Kaltenbrunn-Wirt und Fliegerclub-Gründer

Nachruf auf Rudi Weber: Knallharter Geschäftsmann, aber Menschenfreund

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Er war Deutschlands erster McDonald‘s-Franchise-Nehmer und Kaltenbrunn-Wirt. Raushängen lassen hat er sich das aber nie. Jetzt ist Rudi Weber aus Gmund aus dem Leben geschieden.

Gmund – Rudi Weber hatte zwei Gesichter: Einerseits knallharter Geschäftsmann, andererseits Menschenfreund. Er hat Gut Kaltenbrunn groß gemacht, war der erste McDonald’s-Franchise-Nehmer in Deutschland und Mitbegründer des Motorflieger-Clubs Tegernseer Tal, dem heutigen Motor-Fliegerclub Warngau. Gleichzeitig war er aber auch bodenständig und hilfsbereit. Jetzt ist der Gmunder im Alter von 87 Jahren aus dem Leben geschieden.

Webers Gespür fürs Geschäft zeigte sich schon, als er zehn Jahre alt war – während des Zweiten Weltkriegs. „Er hat Buttermarken aus der familieneigenen Molkerei gegen alles Mögliche getauscht“, erzählt Tochter Sabine Weber-Reisert. Mit den erstandenen Gütern versorgte er nicht nur die eigene Familie, sondern auch die seiner zukünftigen Frau. Die – eine wunderschöne Klassenkameradin, die aus Südtirol nach Gmund gekommen war – wusste noch gar nichts von ihrem Glück. Schließlich waren beide erst elf Jahre alt. Weber wusste dagegen sofort, was er will – und sollte Recht behalten. Im Alter von 24 Jahren heiratete er seine Eva.

Drei Jahre zuvor hatte er bereits seinen Ausbildungsbetrieb Gut Kaltenbrunn – damals eine bürgerliche Gaststätte – vom Lehrherren übernommen. „Daraus hat er etwas Tolles gemacht“, erzählt Weber-Reisert. „Damals wurde Gut Kaltenbrunn in einem Atemzug mit Bachmair am See genannt.“ Münchner Geschäftsleute und Ärzte, Modeschöpfer Rudolph Moshammer und auch der frühere Bundeskanzler Ludwig Erhard gaben sich dort die Ehre. Webers exquisite Speisen waren sogar so gefragt, dass er das Catering für die herzogliche Hochzeit in Wildbad Kreuth übernehmen durfte. Und auch Erhard ließ sich immer wieder beliefern.

Allerdings nur im Sommer. Im Winter war die Gaststätte mangels einer Heizung geschlossen. Diese Zeit nutzte Weber beispielsweise für Flugreisen nach Afrika – aber nicht etwa per Linienflug. In kleinen Maschinen auf Sichtflug gemeinsam mit Kameraden vom Motorflieger-Club Tegernseer Tal, den er zuvor mit zwei Freunden gegründet hatte. „Er hat schon mit sieben Jahren, als er das erste Mal im Flugzeug mitfliegen durfte, beschlossen, dass er mal Pilot wird“, erzählt die Tochter. Die Landebahn bei Dürnbach hatten sie eigenhändig angelegt, das Flugzeug, eine Jodel BB, selbst gebaut. Ein schöner Ausgleich zur fordernden Tätigkeit als Gastronom.

Die gab Weber im Alter von 40 Jahren auf – die 14 bis 16 Arbeitsstunden täglich hatten ihren Tribut gefordert. „Er hatte einen Herzinfarkt, weil er überarbeitet war“, erzählt Weber-Reisert. Plötzlich die Beine still zu halten, wäre aber nicht Webers Art gewesen. „Er konnte das Geschäft förmlich riechen.“ Als zum ersten Mal von einem neuen Flughafen im Erdinger Moos die Rede war, setzte Weber alles auf eine Karte, sicherte sich bei Neufahrn Kartoffeläcker und baute Eigentumswohnungen. Ein kluger Schachzug. „Er hat sich das aber nie raushängen lassen.“

Auch nicht, als er 1975 gemeinsam mit einem Fliegerkamerad erster McDonald’s-Franchise-Nehmer in Deutschland wurde. „Ich war total überrascht, als ich aus Amerika zurückkam“, sagt die Tochter, die in Übersee als Au-Pair tätig gewesen war. „Zuerst hat er die ,amerikanischen Fleischpflanzerl‘ geschmacklich verabscheut.“ Zuerst. Dann besaß er doch vier Filialen, die Tochter führt inzwischen gar noch mehr.

Die zahlreichen Reisen, die sich Weber für seinen Lebensabend vorgenommen hatte, konnte er durch die schwere Krankheit seiner Frau nur vereinzelt verwirklichen. Er selbst hatte seit dem Jahr 2000 mit Alzheimer zu kämpfen – der Tod kam einer Erlösung gleich. Für seine Tochter ein versöhnliches Ende: „Er ist in meinen Armen eingeschlafen.“ 

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