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Hier ging die Reise los, doch nicht viel weiter: BOB in Tegernsee. 

"Wenn Sie nicht aussteigen, mache ich vom Hausrecht Gebrauch"

Neue Details: Fahrgast protokolliert die BOB-Chaosfahrt

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Gmund/Schaftlach - Gut 250 BOB-Fahrgäste strandeten am Samstagabend erst in Gmund - dann in Schaftlach. Ein Fahrgast berichtet nun erschreckende Details aus dem Chaos-Zug - und fordert Antworten.

Tagesgäste, die am Wochenende bei schönem Wetter per BOB ins Tal wollen, wissen oft nichts von der Tortur, die sie erwartet. Die meisten Tal-Bewohner wissen inzwischen, dass man nach einer Nacht oder für einen Abendtermin in München die Wochenend-Züge vermeiden sollte. Was sich da am Samstagabend in Gmund und Schaftlach abgespielt hat, ist nur die Eskalation eines Dauerproblems, das eigentlich auch die BOB schon selbst erkannt haben will.

Doch gerade deren Krisenmanagement - oder besser die Abwesenheit desselben - überraschte nicht wenige Fahrgäste an besagtem Samstagabend. Ein Fahrgast, der seinen Namen nicht nennen möchte, protokolliert die für ihn erschreckende Untätigkeit der BOB in einem Schreiben an die BOB-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch und Fabian Amini. Hier ein Auszug des Schreibens im Original:

Kurze Zusammenfassung der Fahrt mit der BOB am 30. Juli 2016: Abfahrt um 19:53 Uhr am Bahnhof Tegernsee. Erster Halt: Bahnhof Gmund. Zug fährt nicht weiter. Erst fünf Minuten, dann zehn Minuten, dann fünfzehn Minuten. Der Zug steht einfach. Fahrgäste steigen aus, auch ich, wir versuchen zu ergründen, warum es nicht weiter geht. 

Fahrgäste müssen selbst herausfinden, was das Problem ist

Fazit: Anscheinend ist der Zug überfüllt, anscheinend stehen Räder auf Fluchtwegen, anscheinend ist der Behindertenplatz durch Räder verstellt, sodass ein Rollstuhlfahrer keinen Platz findet. Zu sehen sind: ein BOB-Zugbegleiter, eine Mitarbeiterin eines (privaten) Security-Dienstes, mit einer gelben Warnweste mit Aufschrift "Radlkoordinatorin", irgendwann taucht ein Betriebsleiter der BOB auf, so steht es jedenfalls auf dem Rücken seines Pullovers. Dann gibt es endlich eine erste Durchsage, nach mindestens 20 Minuten: "Wir können wegen Überfüllung nicht weiterfahren und warten auf die Polizei." Um etwa 20:30 Uhr treffen vier Streifenpolizisten ein, später zwei Bundespolizisten. Es tut sich aber weiter nichts. Irgendwann entfernen Polizisten mindestens zwei Räder aus dem Zug.

SEV-Bus fährt - nur keiner weiß etwas davon

In der Zwischenzeit konnten etliche Fahrgäste, so wie ich es mitbekommen habe, mit einem SEV-Bus weiterfahren (Durchsage dazu im Zug: Fehlanzeige!), außerdem traf ein Ersatz-Zug Richtung Schaftlach ein (dazu gab es wiederum eine Ansage im Zug).

Ich bleibe wie die meisten Fahrgäste in unserem ursprünglichen Zug sitzen. Um etwa 21:30 Uhr geht es endlich weiter. Besser gesagt: Zunächst weiter. Denn bei der Einfahrt in den Bahnhof Schaftlach kommt folgende Durchsage: "Bitte alle aussteigen und in den Ersatzzug am Bahnsteig gegenüber einsteigen."

In Schaftlach geht der Wahnsinn erst richtig los

Dort kommt tatsächlich wenig später ein Zug, allerdings der Zugteil Richtung "Lenggries". Der Zugteil, mit dem wir eben aus Tegernsee kamen, fährt wiederum nach Tegernsee zurück. Fahrgäste, die in der verwirrenden Situation wieder in den Zug einsteigen wollten, werden von einer (neu aufgetauchten) BOB-Zugbegleiterin, in einem nicht gerade freundlichen und entspannten Ton angefahren: "Wenn Sie nicht aussteigen, mache ich von meinem Hausrecht Gebrauch und zeige Sie an. Wegen so ein paar Chaoten hätte eine schwangere Frau hier gerade beinahe ihr Kind verloren. Seid doch froh, dass es euch gut geht."

Der Ersatzzug kommt und kommt nicht 

Die beiden Zugteile in Richtung Gmund-Tegernsee und Bad Tölz-Lenggries fahren ab. Zurück bleiben: geschätzt 200 bis 300 Fahrgäste am Bahnsteig. Eltern mit kleinen Kindern, alte Menschen, Wanderer, Radler, Ausflügler, Touristen, zum Teil mit Anschlusszügen in München. Dazu zwei oder drei Mitarbeiter eines (privaten) Security-Dienstes, die allerdings keine Auskunft erteilen können. Von einem BOB-Mitarbeiter ist weit und breit nichts zu sehen. Dann kommt eine kryptische Durchsage aus dem Lautsprecher des Bahnhofs: Ein SEV-Bus nach Holzkirchen werde in 15 Minuten eintreffen. Wenigstens kommt dieser Bus schneller als angekündigt: Ich steige schließlich in den SEV-Bus (mit 50 Sitzplätzen) nach Holzkirchen. Wann der angekündigte Ersatzzug eingetroffen ist, kann ich nicht sagen.

Ankunft mit rund zwei Stunden Verspätung

Also via SEV-Bus um etwa 21:55 Uhr Abfahrt nach Holzkirchen, Ankunft in Holzkirchen gegen 22:15 Uhr, dort um 22:35 Uhr mit der BOB weiter nach München. Ankunft am Hbf um 23:00 Uhr. (Geplante Ankunftszeit: 20:54 Uhr).

Nach diesem Samstagabend hat richtet der Fahrgast einige Fragen an die beiden BOB-Chefs:

1) Warum wird nicht schon beim Einsteigen am Startbahnhof Tegernsee kontrolliert, ob zu viele Radfahrer bzw. Fahrgäste zusteigen?

2) Warum wird bei vorhersehbaren Engpässen (Sommerferien! Wochenende!! schönes Wetter!!!) nicht von vornherein mit SEV-Bussen gearbeitet? 

3) Warum haben Sie für solche Fälle wie am Samstagabend kein Kommunikationskonzept / Krisenmanagement ausgearbeitet? Warum dauert es 20 Minuten bis eine erste Durchsage kommt? (Insgesamt gab es im Zug am ganzen Abend drei Durchsagen) Warum wird nicht um Verständnis gebeten bzw. warum gibt es keine Entschuldigung bei den Fahrgästen? Und: Warum gibt es - gerade bei Touristen beliebten Destinationen - keine Durchsagen in englischer Sprache?

4) Der Vorfall am gestrigen Samstagabend scheint, wie Berichte im Internet zeigen und auch die Polizeibeamten vor Ort bestätigen, keine Ausnahme zu sein. Wenn Ihnen und Ihren Mitarbeitern schon, so will ich es mal bezeichnen, "Routinefälle" derartige Probleme bereiten - wie sind Sie und Ihre Mitarbeiter auf wirkliche Notfälle vorbereitet? Muss man sich Sorgen um die Sicherheit machen, wenn man in die BOB einsteigt?

Auf Nachfrage sagt der Münchner, dass er solche Engpässe ja verstehen kann. Auch sei es nie zu chaotischen Zuständen im Zug gekommen, zumindest nicht in dem Bereich, in dem er gesessen ist. Aber richtig geärgert habe ihn, dass man die Situation leicht mit ein wenig Zuspruch hätte entschärfen können - aber seitens der BOB es in zwei Stunden gerade einmal drei Durchsagen gegeben habe. Dabei, so der Fahrgast, hätte doch eigentlich eine Information gereicht, etwa so: 

"Liebe Fahrgäste, der aus Tegernsee eintreffende Zug ist voll besetzt. Aus Sicherheitsgründen bitte nicht zusteigen. In Kürze wird ein SEV-Bus zur Weiterfahrt nach Holzkirchen zur Verfügung gestellt, wo sie mit der S-Bahn weiter nach München reisen können. Radfahrer bitten wir auf die nächste BOB zu warten. Planmäßige Ankunft in Gmund um xx:xx Uhr. Wir bitten um Ihr Verständnis."

Ob sich die BOB, diese Anregung notieren wird, ist nicht bekannt. Eine Antwort auf seine Fragen hat der Münchner bisher jedenfalls nicht erhalten.

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