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Obwohl erst 2014 fertiggestellt, ist die neue Realschule in Finsterwald schon wieder zu klein geworden: Schulleiter Tobias Schreiner (M.) sucht nun gemeinsam mit seinen Kollegen (v.l.) Reiner Heumann und Stephan Wörle sowie den zuständigen Behörden nach Lösungen.

Gebäude in Finsterwald wurde eigentlich nur für 18 Klassen gebaut

Anmelderekord bringt Gmunder Realschule in Bedrängnis

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Die Realschule in Gmund ist beliebter denn je: Bei der Anmeldung für die fünften Klassen verzeichnete sie einen neuen Rekord. Die an sich erfreuliche Entwicklung stellt die junge Schule vor Probleme.

Gmund – 136 Mädchen und Buben wollen im kommenden Schuljahr die fünften Klassen der Realschule Tegernseer Tal besuchen. Ein absoluter Spitzenwert. Im vergangenen Jahr waren es noch 73 Anmeldungen. Für die Realschule, die erst 2014 ihr nagelneues Gebäude in Finsterwald bezogen hat, bedeutet der Anstieg eine Herausforderung: Im kommenden Schuljahr wird es in der eigentlich dreizügig geplanten Schule erstmals fünf Eingangsklassen geben. Drei Klassen werden als Chorklasse mit verstärktem Musikunterricht gebildet, zwei Klassen sind so genannte Forscherklassen mit Schwerpunkt auf Chemie, Physik und Informatik. Das Forscher-Angebot ist heuer neu an der Schule.

„Wir freuen uns natürlich, dass das Bildungsangebot unserer Realschule als attraktiv angesehen wird“, sagt Schulleiter Tobias Schreiner. Gerechnet hat er mit diesem Ansturm allerdings nicht. Im Gegenteil. „Wir dachten eigentlich, dass unsere Zahlen wegen der Rückkehr zum G9 eher wieder nach unten gehen“, erklärt der Rektor mit Blick aufs reformierte Gymnasium. Dass es nun zu einem gegenteiligen Effekt gekommen ist, bringt die Realschule räumlich weiter in Bedrängnis. Ursprünglich für 18 Klassen geplant und gebaut, besuchen im aktuellen Schuljahr bereits 24 Klassen die Schule, demnächst werden es dann 26 Klassen sein.

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„Wir nutzen schon jetzt alle kleineren Ausweichräume als Klassenzimmer, außerdem haben wir drei Fachräume und einen Raum der Ganztagsschule in Klassenzimmer umgewandelt“, macht der Schulleiter deutlich. Diese Möglichkeiten seien nun aber ausgeschöpft. Was also tun, um alle Schüler unterzubringen? „Der nächste Schritt wäre jetzt die Einführung von ,Wanderklassen‘“, erklärt Schreiner. Das sind Klassen, die kein eigenes Zimmer mehr haben, sondern die Räume nutzen, die von den anderen Klassen gerade nicht benötigt werden. „Da haben wir noch Kapazitäten“, sagt der Rektor, wenngleich er Nachteile dieser Lösung einräumt. So gehe etwa durch die Wege, die diese Schüler innerhalb des Gebäudes zurücklegen müssten, viel Zeit verloren.

Für Schreiner keine Dauerlösung: „Mittelfristig werden wir auf jeden Fall zusätzliche Räume brauchen – in welcher Form auch immer.“ Eine Möglichkeit wären etwa mobile Klassenzimmer (Container), meint Schreiner. Damit könnte man vorläufig „den Druck aus dem System rausnehmen“ und bleibe zudem für die Zukunft flexibel. Laut Schreiner ist es nämlich fraglich, ob sich die Schülerzahlen an der Realschule tatsächlich dauerhaft auf diesem hohen Niveau einpendeln oder ob sie nicht doch irgendwann wieder zurückgehen.

Die Tatsache, dass die Schule in Finsterwald so kurz nach ihrer Errichtung schon wieder zu klein geworden ist, wirft natürlich Fragen auf: Hat man sich damals bei der Planung schlichtweg verkalkuliert? „Nein, da hat niemand einen Fehler gemacht“, widerspricht der Rektor. Dass das Angebot der Realschule derart stark nachgefragt werde, habe zum damaligen Zeitpunkt niemand vorhersehen können, versichert Schreiner.

So oder so. Nun müssen Lösungen her. Bereits an diesem Montag, so kündigt Schreiner an, werden sich Schulleitung sowie Vertreter des Sachaufwandsträgers, also des Landratsamtes, und des zuständigen Ministeriums an einen Tisch setzen. „Dann werden wir einen Fahrplan für die Zukunft festlegen.“

Und so ist die Lage am Gymnasium Tegernsee

„Ganz zufrieden“ mit den Anmeldezahlen an seiner Schule zeigte sich am Freitag auch Direktor Werner Oberholzner vom Gymnasium Tegernsee. 87 Kinder – und damit in etwa so viele wie in den beiden Jahren zuvor – werden hier im kommenden Schuljahr ihre gymnasiale Laufbahn starten. „Das ist eine gute Zahl“, meint der Schulleiter. Damit könne man „drei sehr, sehr stabile fünfte Klassen“ bilden.

Ähnlich wie Realschulleiter Tobias Schreiner ist aber auch Oberholzner ein wenig verwundert darüber, dass sich die Wiedereinführung des neunjährigen Gymnasiums nicht stärker auf die Anmeldezahlen an seiner Schule niedergeschlagen hat. „Der G9-Effekt hat nicht so sehr durchgeschlagen“, muss Oberholzner feststellen. Woher die vielen Kinder kommen, die sich an der Gmunder Realschule angemeldet haben, kann sich der Direktor nur schwer erklären. „Bei uns sind sie glücklicherweise nicht weggebrochen“, meint er.

Fest steht: Am Gymnasium Tegernsee gibt es trotz der Rückkehr zum G9 auch künftig keine räumlichen Engpässe. Und einen Positiv-Effekt hat die Verlängerung der Gymnasial-Laufbahn zurück auf neun Jahre in jedem Fall: „Die fünften und sechsten Klassen werden voraussichtlich im nächsten Schuljahr gar keinen Nachmittagsunterricht mehr haben“, erklärt Oberholzner. „Das ist zumindest meine Absicht.“

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Und hier der Bericht aus Miesbach: Genug Platz für alle: Miesbacher Schulen bereit für G9

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