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Florian Kohler lässt in seiner Büttenpapierfabrik jetzt Papier aus Hanf herstellen.

Büttenpapierfabrik verkündet Neuheit

Aus Gmund kommt jetzt auch Hanfpapier - ganz legal

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Florian Kohler, Inhaber der Büttenpapierfabrik Gmund, spricht von einer Weltneuheit: Das Unternehmen produziert jetzt auch Hanfpapier. Ganz legal. 

Gmund - Wenn sich Hochkaräter der Wirtschaft, Kreative und Designer am Mittwoch und Donnerstag, 23./24. Oktober, zum Unfolded Festival bei Gmund Papier treffen, dann werden sie mit einer Weltneuheit überrascht: Die Büttenpapierfabrik Gmund produziert künftig auch Papier aus Hanf – ganz legal. 

Nein, die Idee sei nicht beim verbotenen Rauchen eines Joints entstanden. „Seitdem Hanf wieder im Gespräch für medizinische Produkte ist, haben auch wir begonnen, uns dieser Pflanze zu widmen“, sagt Florian Kohler. Seine Papierfabrik mit 190-jähriger Geschichte am Mangfallufer in Gmund steht für Innovation und nachhaltige Produkte, warum dann nicht Papier aus Hanf herstellen – einer Nutz- und Heilpflanze, die bereits um 10 000 v. Chr. in China kultiviert wurde? 

So lief das Unfolded Festival 2018

Hanfpapier aus Gmund: Neue Technik für großen industriellen Einsatz

Ganz neu ist die Verwendung von Hanf für die Papierproduktion freilich nicht. Schon im 13. Jahrhundert fand die Faser über Spanien den Weg nach Europa. Weil damals die Papierherstellung aus Holz noch nicht beherrscht wurde, war Hanf, neben Lumpen, die selbst wiederum aus Hanf bestanden, der wichtigste Rohstoff. 1455 wurde die Gutenberg-Bibel auf Hanfpapier gedruckt. Auch die amerikanische Unabhängigkeitserklärung von 1776 entstand auf Hanfpapier.

Und jetzt Gmund: „Unsere Entwicklung ist deshalb so revolutionär für die Branche, weil uns nach dreijähriger Entwicklungsarbeit zusammen mit einem Partner in Spanien gelungen ist, Hanf für den großen industriellen Einsatz zu verarbeiten“, sagt Kohler. „Verarbeitung für die Masse, das ist der Durchbruch.“ 

Hanfpapier aus Gmund: „Faseranteil nicht nur im Showbereich“

Die lange und stabile Hanffaser habe nämlich einen gravierenden Nachteil: Während des Papiermachens beginne die Faser im Papierbrei zu verspinnen und die kleinen Rohre der Maschinen zu verstopfen. „Wir jedoch bringen Hanf verspinnungsfrei auf die Maschinen und können die Pflanze nicht nur im Showbereich verwenden.“ Zwischen 20 und 30 Prozent betrage der Hanfanteil im Papier schon jetzt, bis zu 50 Prozent sei das Ziel. 

Der Einsatz von Hanf ist Teil einer Papierlinie mit dem Namen „Gmund Bio Cycle“. Dieses besteht bis zu 50 Prozent aus ressourcenschonenden Fasern wie Weizenstroh, Gras, Baumwolle und eben Hanf. „Klar, ich bin besessen vom Produkt Papier, dem umweltfreundlichsten Massenprodukt der Welt“, gesteht Kohler. 

Die Oscar-Kuverts kamen schon aus Gmund

Hanfpapier aus Gmund: extrem nachhaltig

Der Umweltaspekt treibt das Unternehmen schon lange um. „Hanf ist eine Ein-Jahres-Pflanze, man zerstört also keine schwer nachwachsenden Ressourcen.“ Auch beim Thema Recycling habe Hanf durch seine Stabilität klare Vorteile: „Hanfpapier kann fünf- bis zehnmal recycelt werden kann. Normales Papier nicht.“ Zwischen zehn und 20 Tonnen Hanf-Papier hat die Büttenpapierfabrik bereits produziert. „Wir sind bereit für Großaufträge“, wirbt Kohler. Allerdings sei die Herstellung um 30 bis 40 Prozent teurer, als herkömmliches Papier. „Das ist nichts für Pfennigfuchser, aber auch kein Luxusartikel.“ Grundsätzlich könne man alles aus dem Papier machen – Verpackungen, Prospekte, Displays, ja sogar Möbel und Objekte, die im 3-D-Drucker entstehen. „Oder Nachhaltigkeitsberichte für Unternehmen, die ihre grüne Firmenphilosophie unterstreichen möchten.“ An die Kreativsten der Branche verleiht er ohnehin jedes Jahr den Gmund Award. 

Neues Hanfpapier: Frei von THC

Wer jetzt glaubt, er könne Gmunder Hanfpapier zusammenrollen und rauchen, um die berauschende Wirkung zu genießen, den belehrt Kohler eines Besseren: Der verwendete und in Spanien angebaute Nutzhanf ist frei von THC (Delta-9-Tetrahydrocannabiol). „Wir haben mit unserem Patentanwalt die Checkliste abgearbeitet“, sagt Kohler. „Das ist alles ganz legal.“

gr

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