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Idyllisch gelegenes Tagungszentrum: Das Haupthaus (r.) von Gut Schwärzenbach bleibt erhalten, der Rest kommt weg und wird durch Neubauten ersetzt.

„Das ist Augenwischerei“

Umbau von Gut Schwärzenbach: BMW erntet harsche Kritik für Darstellung 

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BMW will sein Tagungszentrum Gut Schwärzenbach aufwendig umbauen. Für die jetzt vorgelegten Pläne gab‘s harsche Kritik im Ortsplanungsausschuss. Die Rede war von „Augenwischerei“.

Gmund– BMW poliert seine Denkschmiede auf – das Gut Schwärzenbach bei Gmund. Das lang gestreckte Haupthaus wird saniert und dient künftig als Bettenhaus für ein Tagungshotel. Das frühere Wohnhaus wird abgebrochen. An dessen Stelle wird parallel zum Hauptbau ein dreigeschossiges Gebäude errichtet, verbunden mit einem ebenerdigen Mittelbau mit Flachdach.

Im Mai hatten Kirsten Hinrichs, Projektbetreuerin bei der BMW-Immobilienverwaltung, und das aus einem Wettbewerb als Sieger hervorgegangene Architekturbüro Arnold/Werner die Pläne präsentiert. Die überzeugten die Gemeinde zunächst nicht ganz, es kam zur Ortsbesichtigung, ehe der Bebauungsplan geändert und öffentlich ausgelegt wurde. Jetzt lagen dem Ortsplanungsausschuss die Stellungnahmen dazu vor.

Lesen Sie hier alles über die Zukunftspläne von BMW in Gmund

Punkt für Punkt wurden die Stellungnahmen abgearbeitet und darüber abgestimmt. Das Architekturbüro hatte die Antworten darauf vorbereitet. Das Parkdeck mit zwei Ebenen war ein Punkt: Es blieb auch in der erneuten Debatte umstritten, wurde aber knapp mit 6:5 Stimmen in den Bebauungsplan aufgenommen. Kirsten Hinrichs, die mit einem vierköpfigen Architektenteam zur Sitzung gekommen war, betonte, dass das Parkdeck aktuell nicht benötigt werde. Man wolle es aber trotzdem für die Zukunft gerne im Plan vorsehen.

Recht ausführlich nahm die Naturschutzbehörde Stellung. Dabei ging es unter anderem um den Ausgleich versiegelter Flächen, um insektenfreundliche Beleuchtung, um Widmung von Grünflächen, die Festsetzung von bestehenden Linden sowie um Maßnahmen gegen den Vogelschlag. Die Proteste eines Nachbarn wurden zwar bearbeitet, doch letztlich mehrheitlich mit Gegenargumenten abgewogen. Zum einen sei der Abstand des Baus zu den Nachbarn inzwischen „größer als nötig“, heißt es nun unter anderem. Dass es zu wenig Stellplätze gebe, wurde ebenfalls zurückgewiesen.

Hier finden Sie den Bericht: Gut Schwärzenbach: Die Planer von BMW müssen nochmal ran

„Ich verstehe die Sorgen der Nachbarn, weil sich das Bild verändern wird“, kommentierte Bürgermeister Alfons Besel (FWG) deren Stellungnahmen. Aber es handle sich nicht um unberührte Natur, die da verbaut werde. Das Baurecht im großen Maßstab sei vorhanden, so Besel. Dass der Neubau um einen Meter kürzer werde und auch niedriger, habe man schon erreicht. Weil der Bauherr ein berechtigtes Interesse daran habe, dass das Tagungshotel auch funktioniert, werde der Bebauungsplan erneut ausgelegt. Gegen die Stimme von Laura Wagner (Grüne) wurde dies auch beschlossen. Sie war insgesamt nicht zufrieden damit, wie mit den Stellungnahmen umgegangen wurde.

Bei der Vorstellung des Fassadenentwurfs gab’s erneut Kritik. Selbst wenn der Überstand des auf einer Seite trapezförmig gestalteten Dachs inzwischen größer geplant, die mit Holz-Lamellen gestaltete Verkleidung lockerer als in einem vorigen Entwurf gestaltet, das Sockelgeschoss in Stein- oder Betonoptik geplant und der Glasanteil im Gebäude reduziert wurde: FWG-Gemeinderat Bernd Ettenreich fand deutliche Worte und bezeichnete die Darstellung als „Augenwischerei und total frech“. „Da ist inzwischen nichts schöner geworden“, fand Ettenreich und forderte eine „echte Ansicht und Darstellung“ des Neubaus. „Jeder soll sehen können, wie komisch das Dach aussieht.“ Ein Mitarbeiter des Architektenteams konterte: „Wir beschönigen hier nichts.“ Auch Franz von Preysing (CSU) konnte sich nicht mit dem Eck im Dach anfreunden. Seine Hoffnung, dies noch zu verhindern, dämpfte Bauamtsleiterin Christine Wild. Im Bebauungsplan sei dies bereits so festgelegt worden, so Wild.

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Mit Verwunderung nahm das Gremium die Nachricht auf, dass der Neubau mit einem Blechdach eingedeckt werden soll. Hier müsse man noch nach Lösungen suchen, meinte Besel, der auch die Forderung nach konkreteren Animationen und besser anschaulichen Plänen aufgriff. Das Architekturbüro muss also erneut Hausaufgaben machen.

gr

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