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Ein „Erfolgsmodell“: die Re alschule Tegernseer Tal in Finsterwald braucht mehr Platz – und bekommt ihn. Allerdings wohl erst im November 2019.

Anbau nötig

Politiker rätseln: Woher kommen all die neuen Schüler für die Gmunder Realschule?

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Woher kommen all die Schüler, die nur vier Jahre nach der Inbetriebnahme eine Erweiterung der Realschule Tegernseer Tal erfordern? Das fragten sich die Kreispolitiker - und bekamen erstaunliche Antworten.

Finsterwald– Woher kommen all die Schüler? Diese Frage trieb den Kreisausschuss um, als er jetzt über die Erhöhung der Raumkapazitäten diskutierte. „Die Entwicklung war nicht absehbar“, stellte Realschulleiter Tobias Schreiner im Gremium klar. Die damaligen Gutachten zu den Schülerzahlen seien seriös gewesen. „Niemand“, so Schreiner“, „hat einen Fehler gemacht.“

Letztlich, so der einhellige Tenor in der Runde, sei die aktuelle Diskussion über hohe Schülerzahlen erfreulich, auch wenn die einstimmig beschlossene Erweiterung den Landkreis rund 1,1 Millionen Euro kostet. „Es gibt nichts Schöneres, als Erfolge in der Bildungspolitik zu sehen“, sagte beispielsweise Paul Fertl (SPD). Dennoch keimte die Sorge auf, dass unter dem Zuspruch der Realschule Tegernseer Tal andere Schulen oder Schularten zu leiden hätten. „Ich glaube schon, dass sich das auf die Mittelschulen auswirkt“, merkte Bürgermeister Josef Lechner (CSU) an, der in seiner Heimatgemeinde Fischbachau selbst eine solche Einrichtung hat. 

Seine grundsätzliche Befürchtung: Man investiere jetzt baulich in weiterführende Schulen und habe möglicherweise in einigen Jahren andere Schulgebäude leer stehen. „Die fehlende Verlinkung von Mittel- und Realschulen ist ein Schwachpunkt“, stimmte ihm Fertl zu und sprach in diesem Zusammenhang von „nicht abgestimmter Bildungspolitik“.

Innenansichten: So sah die Realschule kurz vor ihrer Eröffnung 2014 aus:

Fotos: So sieht die neue Realschule aus

Schulleiter Schreiner gab Entwarnung. „Die Mittelschule hat sich stabilisiert“, berichtete er. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass sich an den seit Jahren stabilen Übertrittsquoten an die verschiedenen Schularten etwas ändere. Kreiskämmerer Gerhard de Biasio, der dem Kreisausschuss in der Sitzung die baulichen und finanziellen Aspekte des Erweiterungsbaus in Finsterwald erläuterte, untermauerte das. Auch die anderen beiden Realschulen im Landkreis seien nicht zuletzt wegen der zunehmenden Ganztagsbetreuung räumlich gut ausgelastet, eine Verlagerung von Gmunder Schülern dorthin mache keinen Sinn. Und auch das Gymnasium Tegernsee verzeichne stabile Übertrittszahlen. „Unterm Strich“, so de Biasio, „sind es einfach mehr Schüler als früher.“

Landkreisschulen-Verantwortlicher klärt auf

Ein wenig Licht ins Dunkel brachte Franz Weber, der am Landratsamt für die Verwaltung der Landkreisschulen zuständig ist. Der Teamleiter berichtete, dass wegen des eigenen Angebots inzwischen so gut wie keine Schüler mehr zum Unterricht in Nachbarlandkreise fahren. „Wir beschulen zu über 90 Prozent selbst“, berichtete Weber. 

Elisabeth Janner (Grüne) hielt Prognosen zur Schülerentwicklung ohnehin für schwierig. „Die haben noch nicht gestimmt“, sagte sie. An Geburtsraten könne man schließlich nicht ablesen, wie viele Familien mit schulpflichtigen Kindern in den Landkreis ziehen. Ähnlich unerwartet habe sich die Realschule in Finsterwald zum Erfolgsmodell entwickelt. „Wir hatten seinerzeit Sorge, zwei Eingangsklassen zusammenzubekommen, um die Schule überhaupt beantragen zu können“, erinnerte sich Josef Bichler (CSU) an einen denkwürdigen Informationsabend in Bad Wiessee. „Wir haben bei den Eltern regelrecht Seelenmassage betrieben.“

Das ist längst Geschichte. Den ursprünglich geplanten 18 Klassen stehen derzeit 24 gegenüber, im kommenden Schuljahr werden es bereits 26 sein. Spätestens ab November kommenden Jahres soll aber der Massivbau mit vier Klassenräumen auf dem Verbindungsgang zwischen Hauptgebäude und Sporthalle bezugsfertig sein. Dann wären die derzeit als Klassenzimmer genutzten Fachräume auch wieder für ihren ursprünglichen Zweck nutzbar. Und möglicherweise kommt es irgendwann auch zu „pädagogisch sinnvollen Klassengrößen“, wie es sich Christine Negele (SPD) wünschte. Derzeit liegt der Schnitt bei 26,4. „Teilweise haben wir bis zu 33 Schüler pro Klasse“, räumte Schulleiter Schreiner ein. „Wir hätten zuletzt sogar die Genehmigung gehabt, Klassen zu teilen, konnten das aufgrund der Raumnot aber nicht tun.“

sh

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