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Ponytheater am Scheckenhof

Partner mit zwei und vier Beinen

Finsterwald  - Kinder, Ponys, Hunde, ein Pferd und sogar Hühner – das ist die Schauspieltruppe beim Ponytheater am Scheckenhof. 

28 kurze Ponybeine im Trab – was für ein Anblick. Auf der Wiese beim Scheckenhof in Finsterwald läuft die Probe fürs Ponytheater, eine der letzten vor der Aufführung an diesem Sonntag um 14 Uhr.

Das Wetter ist mies, aber das scheint hier keinen zu stören – Pferdemenschen sind regenfest, die Rösser sowieso. Ein paar Hunde wuseln auch herum, und mittendrin Erika Heindl, in Gummistiefeln und Anorak, mit Hut auf dem Kopf und einer Hundeleine um die Schultern. Die Leine hat Symbolcharakter, denn die 38-Jährige hält hier die Stricke in der Hand. Seit sieben Jahren führt sie Regie beim Ponytheater. „Eigentlich sage ich jedes Jahr wieder, dass es heuer das letzte Mal ist“, erklärt sie lachend. „Aber dann kommen die Kinder und betteln, ,Ach mach’s doch nochmal’ – und dann kann ich nicht ,Nein’ sagen.“

Premiere zu Omas Geburtstag

Premiere hatte das Ponytheater beim 80. Geburtstag von Heindls Oma. „Wir wollten ihr etwas Besonderes schenken“, erzählt Heindl. Und was könnte persönlicher sein als eine Aufführung? Heindl hatte damals schon ihre sieben fuchsfarbenen Ponys am Scheckenhof stehen: Isi, Idefix, Muggl, Laura, Merlin, Wiggal und Simmal. Kurz zuvor war am Hof ein weißes Shetty als Pensionspferd eingezogen – und so entstand die Idee, mit diesen Ponys das Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ nachzuspielen.

Das Besondere am Ponytheater ist aber nicht nur, dass Tiere die Schauspieler sind, sondern dass sie ihre Rolle gemeinsam mit Kindern spielen. Ein Erzähler steht am Rand der Wiese und liest die Geschichte vor. Kinder und Tiere stellen jeweils als Paar das Geschehen schauspielerisch dar. Wer genau hinsieht, der merkt, wie viel Liebe in der Vorbereitung steckt, wie einfühlsam und doch klar die Kinder mit ihren Schützlingen umgehen. Da ist kein Pony, das schnappt, weil es mal schlecht behandelt wurde. Die Hunde richten Ohren und Augen aufmerksam auf ihr Partnerkind, um nur ja keinen Befehl zu überhören. Die Kunststücke, die die Vierbeiner zeigen, sind sorgfältig einstudiert. „Das erste Training mache ich selbst, und dann lerne ich die Kinder an“, sagt Heindl. Sie nimmt sich dafür jedes Jahr zwei Wochen Urlaub – Heindl ist Kauffrau im Einzelhandel – und steht dann fast täglich mit ihrem Theaterteam auf dem Platz.

Ganze Familie im Einsatz

Etwa 20 Kinder – fast nur Mädchen – sind mit dabei, die meisten aus der Nachbarschaft, die jüngste sieben, die älteste 17 Jahre alt. Acht von ihnen haben oder hatten eine Reitbeteiligung auf Heindls Ponys. Über das Gmunder Ferienprogramm dürfen auch Kinder mitmachen, die sonst nichts am Scheckenhof zu tun haben.

Damit alles funktioniert, hat Heindl die ganze Familie hinter sich stehen. Eine Cousine fungiert als Sprecherin, eine andere betreut die Statisten, Heindls Mutter kommt mit ihren Hühnern, und sogar eine Arbeitskollegin spielt mit. An der Seite der Kinder agieren heuer sieben Ponys, ein Pferd, sieben Hunde und zwei Hühner. Zur Aufführung kommt „Die letzte Elfe“. Eintritt kostet das Theater nicht, aber die zwei- und vierbeinigen Schauspieler freuen sich über Spenden, mit denen die Kostüme oder auch mal ein Sack Karotten für die Ponys finanziert werden. 

Christine Merk

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