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Auf dem Weg zum Strandbad Kaltenbrunn am Tegernsee kam es zu einem handfesten Streit zwischen einem Hohenbrunner (70) und einer Gmunderin (75). Jetzt muss das Gericht die Sache klären.

Streit am Tegernsee landet vor Gericht

Rangelei auf dem Weg zum Strandbad Kaltenbrunn: Wer war das wahre Opfer?

Eigentlich hätte es ein ungetrübter Segelausflug werden sollen. Doch eine Rangelei auf dem Weg zum Strandbad in Kaltenbrunn brachte einen 70-Jährigen jetzt vor Gericht. Doch wer attackierte wen?

Kaltenbrunn/Miesbach – Wenige Minuten, ehe der 70-Jährige zum Segeln auf dem Tegrnsee aufbrach, kam es im August 2019 zu einem unschönen Vorfall mit einer Gmunderin (75). Der Hohenbrunner soll sich dabei der Körperverletzung schuldig gemacht haben. Laut Anklage hat der Senior, der als Fußgänger auf dem schmalen Weg zum Strandbad hinunter unterwegs war, die Frau aus Gmund von ihrem Fahrrad geschubst, so dass sich diese eine Platzwunde am Knie zuzog.

Auch knapp ein Jahr später zeigte sich der Hohenbrunner vor Gericht entsetzt von diesem Vorwurf. „Das ist ein 1,50 Meter schmaler Trampelpfad und kein Radlweg“, erklärte der Angeklagte zunächst die Begebenheiten am Tatort. Alle Fußgänger seien im Gänsemarsch in Richtung See flaniert. „Dann kam plötzlich ein kleiner Bub mit seinem Rad und wollte an mir vorbei“, berichtete der Hohenbrunner. Er ließ ihn durch. Als der Bub in seinen Augen aber ziemlich unvorsichtig an der Familie vor ihm vorbeifuhr, war für den 70-Jährigen klar: „Jetzt kommt keiner mehr durch.“

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Der Bub war aber nicht allein, hinter ihm waren noch Schwester und Oma. Letztere ist die 75-jährige Gmunderin, die als Nächste am Angeklagten vorbei wollte. „In einer Minute wären wir am See gewesen, das hätte sie noch erwarten können“, meinte der Beschuldigte. „Zudem hatte ich rechts und links schwere Taschen zu tragen.“ Die Gmunderin soll aber nicht locker gelassen haben „und ist mir von hinten in die Füße gefahren, sodass ich stolperte“. Dann sei die 75-Jährige aus Sicht des Angeklagten noch wütender geworden. Sie soll ihn angesprungen, ihm eine Kopfnuss gegen sein Kinn gegeben und seine beiden Arme festgehalten haben, wobei sie ihn gegen den Zaun drückte.

Attest besagt: Angeklagter verlor bei dem Vorfall zwei Kronen

Ein Attest bestätigte, dass der Angeklagte aufgrund dieses Vorfalls zwei Kronen in den Zähnen verloren habe. Auch seine Handgelenke sollen vom Zudrücken der Frau blau und seine Achillessehnen aufgeschürft gewesen sein. Der Angeklagte gab zu, dass er seine Kontrahentin daraufhin weggeschubst habe, „um mich von der Klette zu befreien“. Die Gmunderin sei auf der gegenüberliegenden Seite des Zauns aufgeprallt. Ihre Platzwunde am Knie erklärte der Mann so: „Sie wollte mir danach nochmal hinterherlaufen, ist dabei über ihr Rad gestolpert und fiel auf den Boden.“

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Die Gmunderin gab eine komplett andere Version der Geschichte zum Besten. „Ich habe mein Rad geschoben und wollte nur an ihm vorbei“, erklärte sie aufgebracht. „Er hielt dann meinen Lenker fest, drückte mich samt Rad gegen den Zaun und schlug es mir gegen mein Knie.“ Dass sie den Angeklagten in irgendeiner Weise angegriffen hat, schloss sie kategorisch aus. Ihre Reaktion auf die Verlesung des ärztlichen Attests des Hohenbrunners: „Das kann doch gar nicht sein – also bitte, ich war doch nicht besoffen.“

Zeugen liefern unterschiedliche Versionen des Geschehens

Eine Zeugin (50) unterstützte eher die Aussage der Gmunderin. „Er war gleich wütend und wurde beleidigend, als die Frau an ihm vorbei wollte“, erinnerte sie sich. „Dann hat er sie samt Fahrrad einmal heftig in den Bretterzaun geschubst.“ Dass die Gmunderin ihr Rad schob, bestätigte die Zeugin. Einen Angriff der Frau habe sie nicht gesehen. Komplett ausschließen konnte sie einen solchen aber nicht. Eine weitere Zeugin, eine 68-Jährige aus Grafing und Bekannte des Angeklagten, war beim Vorfall ebenfalls dabei. Sie schilderte nochmal eine andere Version: „Das war wie im Kindergarten, die haben sich beide mehrmals gegen den Zaun geschubst.“ Die Handgreiflichkeit soll aber „ganz sicher von der Frau“ ausgegangen sein.

Zu einem Urteil kam Amtsrichter Walter Leitner noch nicht. Für die endgültige Aufklärung des Tathergangs sollen noch zwei weitere Zeugen befragt werden. Ende Juli geht der Prozess in die zweite Runde.

Philip Hamm

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