Mit herzlichen Gesten verabschiedete Schulleiter Tobias Schreiner seine Absolventen – hier Maria Maier, die mit einer 1,0 im Abschlusszeugnis glänzen kann. foto: Thomas Plettenberg

„Ihr seid Raketen!“

Zeugnisverleihung in der Realschule Tegernseer Tal: Beim Abschied flossen nicht nur Freudentränen

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Reichlich Grund zum Feiern gab‘s am Freitag bei der Zeugnis-Verleihung in der Realschule Tegernseer Tal. Alle haben bestanden. Trotzdem weinten die Absolventen nicht nur Freudentränen.

Gmund – Mehr als 100 Absolventen verabschiedete am Freitag die Realschule Tegernseer Tal. 28 von ihnen haben im Zeugnis eine Eins vor dem Komma. Reichlich Grund zur Freude also. Trotzdem war die Stimmung auch wehmütig. Denn: Scheiden aus einer derart herzlichen Schulfamilie tut weh.

Wie jedes Jahr war auch heuer die Entlassfeier an der Realschule Tegernseer Tal eine emotionale Angelegenheit. Herzlich wurden die Schulabgänger von ihren Lehrern, der stellvertretenden Landrätin Ingrid Pongratz, den Tal-Bürgermeistern Alfons Besel, Christian Köck, Sepp Hartl, dem Elternbeirat, ihren Gönnern und Mitschülern verabschiedet. Pongratz betrachtete den Abschlussjahrgang und fragte sich laut, welche Kategorie Mensch sie da wohl vor sich habe. Am Ende war sie sich sicher: „Ihr seid Raketen! Und habt die erst Zündstufe gezündet!“

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Gmunds Bürgermeister Alfons Besel appellierte an die Absolventen, nicht an das „Jetzt habt’s es g’schafft“, das ihnen jetzt vielfach zugerufen werde, zu glauben. „Wer frei sein will, muss Verantwortung übernehmen“, mahnte der Bürgermeister – für sich selbst, die Freiheit, die Demokratie und die Selbstbestimmung. Besel warnte vor einem Rückzug ins Private, in die Meinungslosigkeit. „Bringt Euch ein! Handelt! Macht Euch bemerkbar!“, rief er den Absolventen zu.

Schulleiter Tobias Schreiner, der augenzwinkernd zugab, dass manche dieser „Raketen“ wohl auch eine kleine Zündverzögerung gehabt hätten, beteuerte, wie stolz er auf seine Absolventen sei. Auch Schreiner wünschte sich, dass die jungen Menschen die Gesellschaft mitgestalten. Dabei müssten sie kein Angst haben, auch wenn man ihnen zu suggerieren versuche, dass man ängstlich sein müsse wegen der Gewalt, den Flüchtlingen, Katastrophen, dem Wetter, der Digitalisierung, der Rente.

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„Man könnte meinen, früher war alles besser. Dabei war das Leben vielleicht übersichtlicher, in jedem Fall aber langsamer. Die heutige Geschwindigkeit kann einen tatsächlich fast schwindlig machen“, sagte Schreiner. Er empfahl nicht nur eines seiner Lieblingsbücher („Früher war alles schlechter“), das dokumentiere, wie sehr sich die Welt in den den letzten Jahrhunderten zum Besseren entwickelt habe, sondern auch einen Perspektivwechsel: „Führt Euch vor Augen, in welcher großartigen Welt wir leben, in der besten, die die Menschheit je hatte.“

Bevor sich Schreiner gemeinsam mit der hervorragend singenden Absolventin Pia Mair und dem eindrucksvollen Duett „Shallow“ (sonst von Lady Gaga und Bradley Cooper) verabschiedete, gratulierte die Elternbeiratsvorsitzende Rita Haimerl. Die Schülersprecher Nana Ulbricht und Kilian Dräxl ließen die zurückliegenden sechs Jahre kurz Revue passieren und dankten allen Mitgliedern der Schulfamilie.

Bei der Auszeichnung für besonderes Engagement und die Jahrgangsbesten – eine Schülerin kann den Traumschnitt von 1,0 vorweisen, fünf weitere eine 1,3 – gab es Umarmungen, Urkunden und Geschenke.

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ak

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