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Feierlicher Abschluss : Die Tegernseer Abiturienten strahlten beim Fest in Gut Kaltenbrunn um die Wette.

Abiturfeier des Gymnasiums Tegernsee

Weißbier und der Ernst des Lebens

Was ein Weißbier mit wahrer Reife und dem Leben an sich zu tun hat, darüber philosophierten die Tegernseer Abiturenten zum Abschluss ihrer Schulzeit. 

Tegernsee – Was Weißbier mit dem Abitur zu tun hat? In Tegernsee gibt es da schon eine Verbindung. Woraus diese besteht, machten bei der Abiturfeier auf Gut Kaltenbrunn die Schüler Alex Stadler, Fritz Buziek und Michi Huber mit einem humorvollen Vergleich deutlich. Was die Schulzeit für sie bedeutet hat, analysierten sie in ihrer Rede sehr treffend – selbst kritische Töne zur Schulpolitik fehlten nicht.

Plaudernd stiegen die drei Schüler in ihre Rede ein. Dass das Schwerste jetzt doch geschafft sei. Oder doch nicht? Fängt das Leben erst an? Zumindest eines ist klar: „Die Schulzeit verkörpert wie das Weißbier das ganze Leben“, sinnierte Huber. Denn: „So ein Weißbier besteht ja quasi aus drei Teilen.“ Glas, Schaum und Hopfenschorle.

Und Buziek sinnierte weiter: „Der Schaum steht genau wie unser Schulgebäude für den Ernst des Lebens, durch den jeder durch muss.“ Huber: „Das Glas steht wie die Kirche für den Halt des Lebens oder eben des Weißbiers.“ Buziek: „Und die Hopfenschorle steht dann quasi für den Spaß, wie halt das Bräustüberl auch.“

Das Bräustüberl war natürlich nicht das Prägendste für die Schulzeit der Abiturienten – daran ließen die drei keinen Zweifel. Das Wichtigste sei der Zusammenhalt in der Schule gewesen, die Gemeinschaft, zu der Hausmeister, Mensabetreiber, Elternbeirat, die „Ersatzmütter Frau Reger und Frau Heiß“ gehörten und an erster Stelle: die Mitschüler. „Über Jahre hinweg haben wir Seite an Seite gekämpft, gelacht und geweint.“

In Erinnerung blieben Schultraditionen wie die bunten Abende, Orchesterfahrten, Theater oder „heute die Zeugnisvergabe beim Abiball, auf die es sich hinzuarbeiten lohnt“. Diese Abwechslungen seien wie „Inseln in den stürmischen Wogen aus Klausuren, Stegreifaufgaben und Abfragen“. Lichtblicke zwischen nicht enden wollenden Mathe und Deutsch-Stunden könnten auch Fächer wie Kunst, Musik oder Sport sein – leider nicht immer.

Denn auch das hatten die Schüler erfahren: „Unser Schulsystem neigt dazu, einem den Spaß an der Sache und somit einem Künstler die Freude an der Kunst zu nehmen.“ Man sollte nicht vergessen, dass Schüler nur Schüler seien – und keine arbeitenden Maschinen.

Sie werden die Schule vermissen, meinten die drei – seien aber bereit für einen neuen Lebensabschnitt und neue Wege. Für diese bekamen sie viele gute Wünsche mit auf den Weg. Rektor Werner Oberholzner hatte keine Zweifel an den Fähigkeiten der Schüler. Ihre Superkräfte hätten sie ja bereits bewiesen, ganz wie es auch das Motto des Abijahrgangs ausdrücke: „ABIvengers, eine letzte Heldentat“ lautete das, eine Anspielung auf den amerikanischen Science-Fiction-Film „The Avengers“.

Die Bilder der Abiturfeier des Gymnasiums Tegernsee

Landrat Wolfgang Rzhehak hob die besondere Lage des Gymnasiums hervor. Es sei immer noch etwas Besonders, wenn man in Tegernsee Abitur mache, sagte er. Mit humorvollen Erläuterungen aus der Namenswissenschaft wandte sich Elternbeirat Christian Stadler ans Publikum. In der Abizeitung war er auf die Heldennamen der Schüler gestoßen und hatte sich dann mit den Ursprüngen einiger Vornamen beschäftigt. Da passte so manches, erfuhren die Gäste. Denn Werner (Oberholzner) habe etwas mit dem Anführenden zu tun, Waltraud (Heiß, die Jahrgangsstufenbetreuerin) mit Gebieten, aber auch Stärke und Kraft. Bei den „Transformern der Lebensmittel“ Iris und Wolf (Ziesing; sie betreuen die Mensa), könnte man Iris frei übersetzen mit „Regenbogen“, was ja passe, weil sie Vielfalt in die Küche zaubere. Rolf hat etwas mit „Ruhm“ zu tun – auch das könnten die Schüler bestätigen.

Unter ihren Namen hätten sich die Schüler schon eine eigenständige Persönlichkeit aufgebaut, sagte Stadler. „Diese Person mit all ihren Charaktereigenschaften, mit Ecken und Kanten, das seid Ihr.“ Sie sollten die Zeit jetzt auch einmal nutzen, diese Persönlichkeit zu erforschen und die Erfahrung für die Zukunft zu nutzen. Vor allem aber: „Bleibt Euch treu. Seid flexibel, aber lasst euch nicht verbiegen.“

Christine Merk

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