Das Gerüst um die kleine Kirche in St. Quirin wird noch länger stehen bleiben.
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Das Gerüst um die kleine Kirche in St. Quirin wird noch länger stehen bleiben.

Historisches Juwel

Kirchlein in St. Quirin: Noch kein Ende der Restaurierung in Sicht

  • Christina Jachert-Maier
    VonChristina Jachert-Maier
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Der schiefe Kirchturm von St. Quirin ist frisch gestrichen, doch das Gerüst ums kleine Kirchlein wird noch eine ganze Weile stehen bleiben. Ob die Wiedereinweihung 2023 erfolgen kann, ist offen.

St. Quirin – Der Turm der kleinen Kirche in St. Quirin wird für immer ein wenig schief hängen. „Weil das ganze Gebäude zum See hin abfällt“, weiß Kirchenpfleger Norbert Schußmann. Dass der Kirchturm nach einem missglückten ersten Anlauf für eine Sanierung so merkwürdig aufgesetzt wirkte, resultierte nicht aus dieser Schiefe, sondern aus einem Knick. Mit diesem hatte der Konstrukteur versucht, den Turm ordentlich ins Lot zu stellen. Das Ergebnis ist bekannt: Der Turm wurde 2020 zum Motiv des Gmunder Faschingszugs.

Dass nicht nur beim Turm, sondern bei der im Jahr 2017 begonnenen Sanierung etwas schief gelaufen war, bestätigte Diözesanbaumeister Hanns-Martin Römisch im Februar 2021 bei einer Pressekonferenz. Die neue Dachhaut musste wieder weg. Die 2019 aufgebrachten Dachziegel vom Typ „Biberschwanz“ wurden im April durch „Mönch und Nonne“ ersetzt.

Unwetter haben Arbeiten am Kirchendach verzögert

Noch immer sind die Arbeiten am Dach nicht ganz abgeschlossen. Wegen der Unwetter habe sich die Fertigstellung verzögert, teilt das Erzbischöfliche Ordinariat mit. Es seien noch Spenglerarbeiten zu erledigen. Um die Dachhaut mit dem Turm zu verbinden und Regenrinnen anzubringen, werden maßgefertigte Blechteile gesetzt.

Aber das Ziel ist erreicht: Das neue Dach schmiegt sich so an die 1460 errichtete Steinkirche, dass ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Eben dies war beim ersten Versuch, eines der bedeutsamsten Denkmäler des Tegernseer Tals zu sanieren, gründlich misslungen. Die beauftragte Firma setzte ein gerades Dach auf den buckligen Baukörper. Weil das nicht passte, taten sich bis zu einem halben Meter breite Lücken auf. Das Denkmalschutzamt intervenierte, es folgte ein Stopp der 2017 begonnenen Sanierung.

„Die Planung der ersten Arbeiten erfolgte ohne die notwendige fachliche Expertise der diözesanen Fachbehörden“, erklärte Norbert Jocher, Hauptabteilungsleiter Kunst beim Erzbischöflichen Ordinariat. Die handwerklichen Arbeiten seien von den Betrieben korrekt ausgeführt worden, jedoch habe der vorhergehende Planungsprozess die Besonderheiten des historischen Baus nicht angemessen berücksichtigt.

(In einer früheren Version des Berichts hieß es: Man hat nicht die richtigen Leute engagiert“, erklärte Norbert Jocher. Das Erzbischöfliche Ordinariat weist darauf hin, dass Jocher das so nicht ausgedrückt hat. „Es würde implizieren, dass die ausführenden Handwerksbetriebe nicht ordnungsgemäß gearbeitet hätten. Dies entspricht nicht den Tatsachen.“ - Anm. d. Red.)

Darum steht bei der Sanierung seit diesem Frühjahr wieder alles auf Anfang. Es gilt, die besondere Aura des Kirchleins zu erhalten. Sie wurzelt in einer Legende: Angeblich entsprang hier eine heilsame Quelle, als um das Jahr 800 eine Abordnung Rast machte, die Reliquien des Heiligen Quirinus zum Kloster Tegernsee brachte. In der Kirche steht ein Ziehbrunnen aus rotem Marmor.

Außenputz wird erneuert

Bei den Außenarbeiten wurde seit dem Frühjahr viel geschafft: Der Turm hat seinen Knick verloren, das Dach ist fast fertig, mit der Sanierung des Außenputzes wird jetzt begonnen. „Aber wir werden das Gerüst heuer nicht wegbringen“, meint Kirchenpfleger Schußmann.

Die Kritik aus der Bevölkerung wegen der zweifachen Dacherneuerung hält sich nach seiner Wahrnehmung in Grenzen. Als die neuen Ziegel wieder vom Dach mussten, sei dies „kurz aufgeschäumt bei den Leuten“. Inzwischen höre man wenig.

Restaurierung des Innenraums steht noch aus

Abgenickt ist auch die Kostensteigerung. Statt 1,7 Millionen werden es nun 2 Millionen Euro werden. Aber: Damit ist nur die Außen-Sanierung bezahlt. Welchen Aufwand die Restaurierung des kostbaren Innenraums erfordern wird, ist noch nicht einmal abgeschätzt. Zwar liegt ein dickes Gutachten vor, aber es fehlt der Maßnahmenkatalog. „Die umfangreichen Erkenntnisse der Untersuchungen zu bau- und kunsthistorischen Merkmalen sowie in der Baugeschichte des Kirchleins verwendeten Materialien und Techniken werden noch ausgewertet“, teilt das Ordinariat mit. Aktuell wird im Innenraum der in den 1960er-Jahren aufgebrachte Betonputz abgeschlagen. Erst nach gründlicher Analyse legen die Experten fest, wie die Restaurierung aussehen soll. Es werde intensiv daran gearbeitet, eine Wiedereröffnung im Jahr 2023 möglich zu machen, erklärt das Ordinariat. Aber Unvorhersehbares könne man halt nicht vorhersehen. Kirchenpfleger Schußmann hält eine seriöse Aussage zur Wiedereröffnung derzeit nicht für möglich: „Da kann man nur fromme Wünsche haben.“

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