Riesig ist die Auswahl an Kinderkleidung, die (v.l.) Cati Lacrouts und Claudia Kruse vom Ringelsocke-Team der Kundschaft des Sozialkaufhauses dank vieler Spenden bieten können.
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Riesig ist die Auswahl an Kinderkleidung, die (v.l.) Cati Lacrouts und Claudia Kruse vom Ringelsocke-Team der Kundschaft des Sozialkaufhauses dank vieler Spenden bieten können.

Terminvergabe per Telefon

Gefragter denn je: Sozialkaufhaus „Ringelsocke“ wird zum Rettungsanker

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Schönes aus zweiter Hand für wenig Geld: In der Pandemie ist das Angebot des kleinen Sozialkaufhauses Ringelsocke in Gmund gefragter denn je.

Gmund - Vier Verkaufsräume, das bedeutet vier Kunden. So viele dürfen gleichzeitig im Angebot des kleinen Sozialkaufhauses Ringelsocke in Gmund stöbern. Damit das klappt, hat der Diakonieverein Tegernseer Tal in die Technik investiert. Die Terminvergabe erfolgt übers Telefon. Meist steht die Kundschaft schon vor der Tür und bekommt ad hoc Einlass, wenn im Laden noch Platz ist. „So wie es alle handhaben“, meint Monika Klöcker, Verwaltungsleiterin des Diakonievereins Tegernseer Tal.

Nach dem Lockdown sei der Andrang jetzt besonders groß. Abhängig ist die Öffnung von der aktuellen Inzidenz. „Wir zittern uns von Tag zu Tag“, sagt Klöcker. Was das kleine Kaufhaus so besonders macht, ist die Idee dahinter. Wer sehr sparsam haushalten muss, kann hier Kleidung aller Größen, Schuhe, Spielzeug, Bettwäsche, kleine Haushaltsgeräte und vieles andere aus zweiter Hand zum kleinen Preis bekommen. „Wir nehmen alles, sofern es nicht verdreckt oder kaputt ist“, meint Klöcker. An Spenden mangelt es nicht. „Wir bekommen sehr schöne Sachen für die Ringelsocke, auch Markenware“, freut sich Klöcker über die Spendenbereitschaft der Bürger im Tegernseer Tal.

Kurzarbeit und Lockdown erhöhen Bedürftigkeit

Sie trifft auf einen hohen Bedarf. „Man merkt, dass die lange Zeit der Kurzarbeit und des Lockdowns die Bedürftigkeit erhöht hat“, meint Klöcker. Zweimal hat der Diakonieverein um Ostern herum die Ringelsocke außer der Reihe am Samstag geöffnet, damit die Kundschaft der Gmunder Tafel zum noch einmal verbilligten Preis einkaufen kann. Einen symbolischen Euro, mehr müssen die Bedürftigen nicht bezahlen. Bei Tafel-Kunden ist die Bedürftigkeit auch amtlich nachgewiesen.

Zu den üblichen Öffnungszeiten – montags bis freitags von 9 bis 14 Uhr – ist ein solcher Nachweis für den Einkauf in der Ringelsocke nicht nötig. „Wir bewegen uns da in einem Spannungsfeld“, meint Klöcker. Schließlich ist oft auch bei Alleinerziehenden, Familien und Rentnern, die nicht als bedürftig gelten, das Geld knapp. Freilich gebe es manchmal Fälle, in denen eigentlich gut Betuchte nach schicker Second-Hand-Kleidung suchen, weiß Klöcker. Diese Menschen anzusprechen, bleibe dem Fingerspitzengefühl der Mitarbeiterinnen überlassen.

Engagiertes Team sortiert gespendete Ware

Insgesamt beschäftigt der Diakonieverein ein achtköpfiges Team, um Waren zu sichten, zu bepreisen, die Regale zu bestücken und für die Kundschaft da zu sein. Geöffnet ist wieder seit dem 8.März. Während der Zeit der Schließung war das Team in Kurzarbeit, auch die Waren-Annahme ruhte. Eine Botschaft, von der sich viele Spender nicht beirren ließen. „Wir hatten ein Schild aufgestellt, dass wir nichts annehmen können. Und unter dem Schild stapelten sich die Säcke nur so“, erinnert sich Klöcker. So gab es nach der Wiedereröffnung viel aufzuarbeiten, was keine reine Freude war. „Wir mussten viel aussortieren“, berichtet die Verwaltungsleiterin. Teils handelte es sich um Elektroschrott, und es bedurfte einiger Mühe, die Entsorgung kostenlos zu bewerkstelligen. Insgesamt ist das Spendenaufkommen in der Pandemie besonders hoch: „Viele nutzen die Zeit, um kräftig auszumisten.“

„Dreifache Win-Win-Win-Situation“

Von der Idee der Ringelsocke ist Klöcker rundum überzeugt: „Das ist eine dreifache Win-Win-Win-Situation.“ Zum einen, weil Menschen mit kleinem Budget sich dort mit Notwendigem und Schönem eindecken können. Zum zweiten bietet eine Beschäftigung im Verkaufsteam teils auch Menschen Arbeit, die bei der Jobsuche Probleme haben. Und zum dritten finden Dinge wieder Verwendung, die sonst im Müll landen würden. Letzteres befeuert die Spendenbereitschaft, wie Klöcker weiß: „Man trennt sich viel einfacher von schönen Dingen, wenn man weiß, dass ein anderer wieder daran Freude hat.“

Die Terminvereinbarung

für einen Einkauf in der Ringelsocke ist unter  0 80 22 / 76 95 81 möglich. Wer anschließend im Auswahlmenü die „3“ eintippt, wird zum Kaufhaus verbunden.

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