Auch über Klassenchats wird der Unterricht – hier eine Englisch-Stunde – abgedeckt.

50 000 Chatnachrichten und 15 000 E-Mails

Schule dahoam: Tegernseer Rektor zieht erstes Fazit

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Schüler und Lehrer starten heute in die zweite Woche von „Schule dahoam“. Statt im Klassenzimmer läuft der Unterricht über digitale Plattformen. Tobias Schreiner, Leiter der Realschule in Gmund, hat jetzt ein Zwischenfazit gezogen: Es fällt überwiegend positiv aus.

Gmund – Der Schritt vom realen ins virtuelle Klassenzimmer war für viele Schüler und Lehrkräfte eine Herausforderung. Passwörter mussten gecheckt werden, alle Beteiligten mussten sich ad hoc in die Nutzung von Chats oder Videokonferenzsysteme einarbeiten. Nach einer Woche nun kann Rektor Tobias Schreiner vermelden: „Der Unterricht der Realschule Tegernseer Tal ist vollständig abgedeckt.“ Alle Fächer würden mittlerweile digital unterrichtet – bis hin zu Kunst und Sport. Lehrerkonferenzen und Fachsitzungen würden als Videokonferenzen gehalten, die einzelnen Lehrkräfte seien per E-Mail, über den Chat und für Audio- und Videobesprechungen erreichbar und könnten so den Kontakt zu den Schülern und Eltern halten.

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Schule dahoam: Tegernseer Rektor zieht erstes Fazit

Dabei betont Schreiner: „Die inhaltliche Weiterarbeit ist aus unserer Sicht nicht der wichtigste Aspekt.“ In seinen Augen sei es nicht ausreichend, lediglich Material zur Verfügung zu stellen und damit die Schüler sich selbst zu überlassen. „Schule ist in erster Linie ein Ort, an dem Gemeinschaft gelebt wird, ein Ort, an dem Menschen miteinander in Kontakt sind“, erklärt der Rektor. Die größte Herausforderung sei es daher gewesen, diese Komponente in den Mittelpunkt von „Schule dahoam“ zu rücken. Für den allgemeinen Austausch gibt es bei der Gmunder Realschule beispielsweise eine virtuelle „Aula“ und einen Bereich, in dem gelungene Schülerarbeiten ausgestellt werden. Ebenfalls eingerichtet wurde laut Schreiner ein „Frag-die-Schulleitung“-Raum, die Lehrkräfte treffen sich – natürlich virtuell – zum gemeinsamen Nachmittagskaffee.

Für die erste Woche legt der Rektor beeindruckende Zahlen vor. So wurden im digitalen Schulhaus bisher mehr als 50 000 Chatnachrichten und rund 15 000 E-Mails geschrieben. „Fast alle Mitglieder der Schulgemeinschaft nutzen das System aktiv, täglich melden sich im Schnitt 720 Nutzer am System an“, berichtet der Schulleiter. Zum Vergleich: Die Gmunder Realschule hat rund 680 Schüler und etwa 50 Lehrkräfte.

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Freilich ist der Umstieg von analoger auf digitale Schule auch mit Schwierigkeiten verbunden. „Tatsächlich wohnen manche Familien so entlegen, dass weder DSL noch schnelles Internet über die Mobilfunknetze verfügbar sind“, sagt Schreiner. Auch sei nicht jeder Haushalt mit den passenden Geräten ausgestattet. „Nicht alles lässt sich gut übers Handy bewältigen, für manche Aufgabenstellungen wäre ein Computer sinnvoll“, erklärt Schreiner. Und er räumt ein: Fächer wie Musik und Sport könnten digital natürlich nur im Ansatz abgedeckt werden. „Das wird noch eine Herausforderung“, meint Schreiner. Zumal ein sportlicher Ausgleich über Vereine im Moment ja ebenfalls nicht möglich sei. Für viele Schüler – und auch Lehrkräfte – sei es zudem schwierig, sich den kompletten Arbeits- und Schultag selbst strukturieren zu müssen. „Hier Freizeit und Arbeit/Schule wieder zu trennen und in einen guten Rhythmus zu kommen, ist eine Herausforderung“, erklärt Schreiner und fügt hinzu: Auch ununterbrochene Erreichbarkeit könne auf Dauer für Stress sorgen.

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