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Schwierige Suche nach dem richtigen Dach

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Von: Gerti Reichl

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Bahnhof Gmund mit alter Lagerhalle und Bahnsteigüberdachung.
Wo derzeit noch die alte Lagerhalle (l.) steht, soll der Busbahnhof errichtet werden. © Thomas Plettenberg

Der geplante Zentrale Busbahnhof (ZOB) wird ein prägendes Element für Gmund. Umso schwieriger ist die Suche nach der gefälligsten Lösung. Der Gemeinderat befasste sich erneut damit und hat sich zunächst für ein Schaugerüst entschieden.

Gmund – Im September hatte das Augsburger Büro „Löhle Neubauer Architekten“ erstmals Varianten für den geplanten ZOB, südwestlich des denkmalgeschützten Bahnhofgebäudes, präsentiert. Die Entwürfe fielen allesamt durch, Architekt Rainer Löhle und seine Kollegen mussten neue Lösungen erarbeiten auf folgender Basis: Eine Überdachung als schlichter, filigraner Baukörper aus Holz, der dem Bahnhofsgebäude optisch nicht den Rang abläuft, den Durchblick Richtung See und Berge gewährleistet und gute Unterstandmöglichkeiten bei Wind und Wetter bietet.

Gmund ist ein zentraler ÖPNV-Knotenpunkt

Bürgermeister Alfons Besel (FWG)

Laut Bürgermeister Alfons Besel (FWG) hat inzwischen auch Kreisbaumeister Christian Boiger sein grundsätzliches Okay für eine Überdachung gegeben, die es immerhin auf 60 Meter Länge bringt, da beidseitig jeweils drei Busse an- und abfahren sollen. „Gmund ist ein zentraler ÖPNV-Knotenpunkt, nach Miesbach und Holzkirchen der größte im Landkreis“, schickte Besel der erneuten Präsentation und der wieder kontrovers geführten Debatte voraus.

Die Gemeinderäte taten sich schwer – nicht nur mit der Thematik, sondern auch mit der Technik. Denn die erste Sitzung im neuen Jahr wurde in hybrider Form durchgeführt. Sieben Räte waren ebenso wie das Architektenteam per Bildschirm zugeschaltet, ihre Wortbeiträge waren im großen Neureuthersaal kaum zu verstehen.

Skizze für Überdachung des Busbahnhofs.
Auch diese Variante zur Überdachung des Busbahnhofs mit Satteldach, insgesamt sieben Meter hoch, steht zur Debatte. © Skizze: Löhle Neubauer Architekten

Überdachung für Gmunder Busbahnhof: Drei neue Varianten liegen vor

Drei Varianten hatten die Architekten erneut ausgearbeitet: Ein 60 Zentimeter starkes Flachdach, bestehend aus einer dicken Holzplatte, ruhend auf Stahlstützen, für die es ebenfalls verschiedene Varianten gäbe. Gesamthöhe: 5,30 Meter. Variante 2 bildet ein Flachdach, das auf der Unterseite mit Rauten ausgebildet ist, Gesamthöhe: 5,66 Meter. Variante 3 stellt ein Satteldach dar mit mittigen Stützen und einer Gesamthöhe von 7,05 Meter. Allein das Dach würde 2,05 Meter ausmachen.

Besel räumte ein, dass man sich die Dimensionen schwer vorstellen könne. Er schlug daher vor, zeitnah ein Schaugerüst aufzustellen, was durchweg begrüßt wurde. Die Meinungen, teils am Bildschirm, teils am Rednerpult inmitten des Saals geäußert, waren konträr. Michael Huber (Grüne) wünschte sich nicht nur eine gut verständliche 3D-Visualisierung, sondern mahnte, genug Platz und Kapazitäten für Stromleitungen und Photovoltaik einzuplanen. Denn künftig sollen hier auch E-Busse auftanken können.

Satteldach für Busbahnhof? „Eine irrsinnige Dimension“

Korbinian Kohler (CSU) hielt ein Satteldach wegen der „irrsinnigen Dimensionen“ für „höchst problematisch“. Er regte an, die Pläne von der ersten Präsentation nochmals aus der Schublade zu holen, was auch Christine Zierer (FWG) empfahl. „Denn was jetzt vorliegt, ist nicht gerade filigran“, monierte Zierer. Johann Schmid (SPD) und auch Florian Floßmann (FWG) gingen mit der lichten Höhe des Unterstands von 4,70 Meter bei allen Varianten hart ins Gericht. „Muss das so hoch sein?“, fragte Schmid. „Da sollen doch keine Doppeldecker parken.“ Für ihn stand die Funktionalität im Vordergrund. Floßmann wunderte sich ebenso und forderte eine Reduzierung um 30 bis 40 Zentimeter. „Brücken werden auch nur mit 4,50 Meter lichter Höhe gebaut“, wusste er.

Lösung für Gmunder Busbahnhof: Oder doch „drei Häusl vom Bauhof?“

Wenn überhaupt, dann gefiel Franz von Preysing (CSU) die Satteldach-Variante am besten. Angesichts fehlender fundierter Aussagen dazu, übte er offen Kritik am Architektenteam. Den Kollegen redete er ins Gewissen: „Es handelt sich um eine Millionen-Investition nur für ein Dach. Dabei wird auch der Platz noch viel Geld kosten“, so Preysing. „Wir könnten auch überlegen, drei Häusl vom Bauhof hinzustellen, was wir selber machen könnten.“

Besel verteidigte das Architektenbüro. Es sei engagiert worden, um die Gemeinde zu beraten. Auf Nachfrage macht Rainer Löhle seine Auffassung deutlich: „Wir würden gerne etwas Einzigartiges schaffen. Damit würde der Bahnhof als Denkmal in den Vordergrund rücken.“

„Eine komplexe Angelegenheit“ fasste Besel am Ende zusammen, nachdem der weitere Weg feststand: Mit einer Gegenstimme wurde beschlossen, ein Schaugerüst aufzustellen.

Alte Güterhalle am Bahnhof kommt Anfang Februar weg

Auch wenn noch offen ist, wie die Überdachung aussehen wird, so kommt bereits Anfang Februar die alte Güterhalle weg. Sie steht, ebenso wie die Bahnsteigüberdachung, nicht unter Denkmalschutz, wie Besel noch informierte.

Lesen Sie hier auch: Brennpunkt Olaf-Gulbransson-Straße in Tegernsee.

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